Social-Media-Verbot für Kinder - Expertenkommission legt Empfehlungen vor
Die Debatte über mögliche Altersgrenzen für soziale Netzwerke in Deutschland gewinnt an Dynamik: An diesem Mittwoch (24.06.2026) übergibt die Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" ihre Handlungsempfehlungen an Bundesfamilienministerin Karin Prien. Ob daraus ein Social-Media-Verbot für Kinder oder Jugendliche folgt, ist aber weiter offen.
Die Expertenkommission hat sich monatelang mit der Frage befasst, wie Kinder und Jugendliche im digitalen Raum besser geschützt werden können. Am Mittwoch will sich Prien gemeinsam mit den beiden Kommissionsvorsitzenden Nadine Schön und Olaf Köller um 12.00 Uhr auf einer Pressekonferenz zu den Empfehlungen äußern.
Bundesfamilienministerin offen für Altersgrenzen
Prien hatte sich in der Vergangenheit offen für gesetzliche Altersgrenzen bei Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat gezeigt. Vor Abschluss der Beratungen wollte sie sich jedoch nicht auf ein konkretes Modell oder ein bestimmtes Mindestalter festlegen.
Warum über Altersgrenzen diskutiert wird
Auslöser der Debatte sind Sorgen über gesundheitliche und soziale Risiken für Kinder und Jugendliche. Dabei geht es zum einen um problematische Inhalte wie Pornografie, Hass, Extremismus oder Mobbing, zum anderen um überlange Nutzungszeiten, Cybergrooming oder fragwürdige psychologische Ratschläge in sozialen Netzwerken.
Suchtartiges Verhalten wird häufiger
Nach Einschätzung der Expertenkommission nutzen rund eine Million Jugendliche digitale Medien auf problematische Weise. Etwa 300.000 zeigen demnach bereits ein suchtartiges Verhalten.
Zugleich sehen Kinder und Jugendliche die Wirkung sozialer Netzwerke zum Teil anders als Erwachsene. In einer Umfrage im Auftrag der EU-Kommission nannten 18 Prozent der befragten 13- bis 18-Jährigen negative Auswirkungen. Unter Eltern lag dieser Anteil bei 36 Prozent. Rund 48 Prozent der jungen Menschen vermuteten dagegen positive Effekte sozialer Netzwerke.
Kommission dämpfte Erwartungen an Verbote
Bereits in einem Zwischenbericht hatte die Kommission die Hoffnung gedämpft, dass Verbote allein die Probleme lösen könnten. Der Vorsitzende Olaf Köller erklärte damals, es greife zu kurz, nur über Altersbeschränkungen nachzudenken.
Zur Begründung verwies er darauf, dass das Smartphone heute ein zentraler Zugang zu Kommunikation, Unterhaltung, Information, sozialer Einbindung und zunehmend auch zu produktiven KI-Anwendungen sei. Social Media seien zudem wichtige digitale Räume, etwa für queere Jugendliche, und könnten zur Identitätsentwicklung beitragen. Köller plädierte deshalb dafür, Schutz und Teilhabe miteinander zu verbinden.
Was Ministerin Prien will
Prien hatte deutlich gemacht, dass sie sich Altersbeschränkungen grundsätzlich vorstellen kann, ohne bislang ein konkretes Alter zu nennen. Zugleich betonte sie, dass die Plattformen selbst stärker in die Pflicht genommen werden müssten, um den Jugendschutz wirksam durchzusetzen. Dafür seien gesetzliche Vorgaben nötig, möglichst auf europäischer Ebene.
Außerdem sprach sich die Ministerin für einen ganzheitlichen Ansatz aus. Dieser müsse neben Jugendlichen auch Eltern, Schulen, Lehrkräfte und Ärztinnen und Ärzte einbeziehen. Mit zunehmendem Alter müsse es das Ziel sein, junge Menschen stärker in die Lage zu versetzen, sich selbst zu schützen.
Unterschiedliche Positionen in der Koalition
Innerhalb der schwarz-roten Koalition gibt es bislang keine einheitliche Linie. Die CDU fordert per Parteitagsbeschluss eine gesetzliche Altersgrenze von 14 Jahren für soziale Netzwerke.
Auch die SPD vertritt eine ähnliche Position. In einem Impulspapier sprach sie sich für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren, eine verpflichtende Altersprüfung und eine Jugendversion der Plattformen für Jugendliche bis 16 Jahre aus.
Blick ins Ausland
International ist die Entwicklung bereits weiter. Australien führte Ende 2025 als erstes Land weltweit ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein. Nach einem halben Jahr fällt die Bilanz gemischt aus. Viele Eltern berichten von einem entspannteren Alltag und davon, dass ihre Kinder weniger Zeit in sozialen Netzwerken verbringen.
Jugendliche berichten hingegen, dass sich Verbot und Altersverifikation vergleichsweise leicht umgehen ließen, etwa mit neuen Accounts. Auch Behörden räumen ein, dass die Durchsetzung schwierig bleibt und Plattformen Minderjährige nicht zuverlässig ausschließen.
Europa sucht nach Lösungen
Auch in Europa gibt es in mehreren Ländern konkrete Vorstöße. Großbritannien will ab Anfang 2027 für unter 16-Jährige die Nutzung bestimmter Social-Media-Apps wie Snapchat, TikTok, YouTube, Instagram, Facebook und X verbieten. Messaging-Dienste wie WhatsApp und Signal sollen davon ausgenommen bleiben.
Griechenland plant, Kinder unter 15 Jahren ab 2027 komplett von sozialen Medien auszuschließen. Frankreich, Spanien, Dänemark, Tschechien und Österreich prüfen oder entwickeln ähnliche Modelle.
Bisher kein Verbot der EU
Auf EU-Ebene gibt es bislang kein generelles Verbot. Das Europäische Parlament sprach sich zwar für ein Mindestalter von 16 Jahren aus, wobei Jugendliche ab 13 Jahren soziale Netzwerke unter elterlicher Aufsicht nutzen könnten. Dieser Beschluss ist jedoch nicht bindend. Die EU-Kommission erwartet zudem bis zum 13. Juli Empfehlungen einer eigenen Expertengruppe.