Gießen: Mega-Rechenzentrum kommt - Protest von Anwohnern
Das befürchten die Anwohner - Weg für Rechenzentrum in Gießen ist frei
Der Weg für das erste Mega-Rechenzentrum in Mittelhessen ist frei. Das Stadtparlament in Gießen hat dem Bebauungsplan für das Gebiet „Katzenfeld“ zugestimmt.
Die ersten Bauarbeiten könnten 2027 starten. Es geht um ein Rechenzentrum mit einer Gesamt-Leistungsaufnahme von bis zu 65 Megawatt und einer Höhe von 30 Metern.
Klare Mehrheit dafür
Einige der Gießener Stadtverordneten versuchten noch, die Abstimmung zu verschieben, aber am Ende stimmten die meisten von ihnen dafür. Nach Angaben der Stadt gab es 38 Ja-Stimmen, 11 Nein-Stimmen und 8 Enthaltungen. Vor dem Gebäude demonstrierten 82 Teilnehmer gegen den Bau des Rechenzentrums, teilte eine Polizeisprecherin auf FFH-Anfrage mit.
Standort am Rande der Weststadt
Es geht um eine rund 16,75 Hektar große Fläche am nördlichen Rand der Gießener Weststadt. Auf dem Gelände sollen ein Gewerbegebiet und ein großes Rechenzentrum entstehen. Ein ca. 6 Hektar großer Bereich sei exklusiv für den Bau eines Rechenzentrums reserviert. Die anderen Gewerbegrundstücke sind laut Magistrat nicht für den klassischen Industriebetrieb gedacht. Geplant seien IT-affine Betriebe und Start-up-Unternehmen. Einrichtungen wie z.B. eine KITA oder die Telekom sind abgesichert und bleiben bestehen, heißt es in der letzten Stadtverordnetenversammlung. Außerdem sei eine Grünfläche und perspektivisch ein Sport- und Spielfeld geplant. Bevor gebaut werden darf, muss sichergestellt werden, dass die dort lebenden Tierarten nicht gefährdet oder vertrieben werden: Rebhuhn, Lerche, Zauneidechse, Rauchschwalben, Fledermäuse, usw.
Hunderte neue Arbeitsplätze
In der Begründung betont das Stadtplanungsamt, dass das Gebiet bereits an das zentrale Datennetz der Telekom angeschlossen ist. Diese bestehende Struktur reiche selbst für die enormen Anforderungen eines Großrechenzentrums, eines sogenannten Hyperzentrums mit über 50 Megawatt Referenzleistung, völlig aus. Auf dem gesamten Areal sollen laut Stadtverwaltung bis zu 900 Arbeitsplätze entstehen, davon rund 200 direkt beim Betrieb des Rechenzentrums selbst. Dieses soll auf bis zu 65 Megawatt Gesamtleistung ausgelegt werden.
Sorge und Protest bei den Anwohnern
“Es besteht unseres Erachtens kein ausreichender Abstand zu Grundschule und Kita, unter anderem gibt es Hochwassergefährdung und Lärmbelästigung”, schreibt ein Anwohner in einer Stellungnahme zum Bebauungsplan. Besonders in der nördlichen Weststadt regt sich seit Monaten Widerstand gegen die Pläne. Anwohner befürchten Lärm und Abgase durch große Dieselaggregate für den Notstrom in der Nähe einer Schule. Der zusätzliche Verkehr macht ihnen Sorgen. Auch die Nachbargemeinde Wettenberg äußert Bedenken wegen des Verkehrs: Die Gemeinde fordert den Ausbau von Straßenabschnitten und den Neubau eines Radweges.
Frankfurt ist voll, das Umland rückt in den Fokus
Dass sich Investoren zunehmend abseits der großen IT-Knotenpunkte ansiedeln wollen, hat einen handfesten Grund: In der Mainmetropole Frankfurt sind die Grenzen des Wachstums für Rechenzentren bereits erreicht. Wie der Energieversorger Mainova mitteilte, können dort große, leistungsstarke Neuanschlüsse erst wieder ab Mitte der 2030er-Jahre bereitgestellt werden.
Dadurch rückt das Umland stärker in den Fokus von Technologieunternehmen. Doch fast überall, wo Mega-Rechner ans Netz gehen sollen, regt sich Widerstand. Laut Recherchen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und des Umweltverbandes BUND richten sich Einwände bundesweit meist gegen den immensen Strom- und Wasserverbrauch, die ungelöste Nutzung von Abwärme sowie den Verlust von Ackerland.
Prominente Beispiele zeigen das Konfliktpotenzial
Wie schnell solche Vorhaben durch Bürgerproteste kippen können, zeigt ein prominenter Fall aus Maintal im Main-Kinzig-Kreis. Dort hatte eine Initiative massiv gegen ein geplantes Rechenzentrum des US-Konzerns Edgeconnex protestiert, weil für den Betrieb ein eigenes Gaskraftwerk gebaut werden sollte. Das Unternehmen kassierte die Pläne den Angaben zufolge daraufhin erst einmal wieder ein.
Selbst wenn der Strom reicht, gibt es andere Hürden: In Neuenhagen bei Berlin drohte ein ähnliches Großprojekt schlicht an fehlenden Kapazitäten für die wasserintensive Serverkühlung zu scheitern.