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> Thüringer Kommune liebäugelt mit Wechsel nach Hessen
09.09.2026, 16:26 Uhr
Gerstungen hat die Nase voll -
Thüringer Kommune möchte hessisch werden
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Wird die Gemeinde Gerstungen in Thüringen bald hessisch? Das hat jedenfalls der Bürgermeister ins Spiel gebracht. Ich habe mich deshalb ein bisschen in Gerstungen umgeguckt. Hier das ist zum Beispiel der Marktplatz mit Storchenbrunnen in Gerstungen. Und guck doch mal, das ist doch total schnuckelig das passt doch auch zu Hessen. Sieht doch super aus.
Hier gibt es auch ganz viele von diesen tollen riesigen Strohpuppen. Habe ich bei uns in Hessen auch schon gesehen. Das hier ist das Rathaus von Gerstungen. Hier hängt einmal die Deutschlandflagge, einmal die thüringische Flagge. Könnte da bald die hessische Flagge hängen? Aber ob Gerstungen dann wirklich bald zu Hessen gehört, das ist noch völlig offen.
Und die meisten Gerstungen, mit denen ich hier gesprochen habe, die finden die Idee auch gar nicht so toll und sagen auch ich bin gerne Thüringer. Und ich bin auch stolz auf mein Bundesland und will gar nicht nach Hessen.
© HIT RADIO FFH
Das Rathaus in Gerstungen. Bürgermeister Daniel Steffan hat einen Wechsel der Gemeinde von Thüringen nach Hessen ins Spiel gebracht.
Die Gemeinde Gerstungen im Wartburgkreis denkt laut CDU-Bürgermeister Steffan über einen Wechsel nach Hessen nach. Was sind die Gründe für die Unzufriedenheit mit Thüringen?
Die grenznahe Gemeinde Gerstungen im Wartburgkreis ist unzufrieden mit den Bedingungen in Thüringen - und erwägt einen Wechsel nach Hessen. "Das Thema Wechsel des Bundeslandes ist von mir ins Gespräch gebracht worden", sagte Bürgermeister Daniel Steffan auf Anfrage.
Warum will die Gemeinde nach Hessen?
Der Kommunalpolitiker verwies auf mehrere Punkte: Unter anderem sieht Steffan die Region südwestlich von Eisenach bei der Infrastruktur vernachlässigt - und führte als Beispiele etwa Straßen in "desolatem Zustand" und Benachteiligung bei der Entwicklung der Bahnstrecke Bebra-Erfurt an. Zudem kritisierte er die mangelnde Personalausstattung und den Unterrichtsausfall an den Schulen. "In Gerstungen ziehen immer mehr Familien ihre Konsequenzen - deren Kinder wechseln zunehmend auf hessische Schulen", hieß es in einer Erklärung auf der Homepage der Gemeinde.
Wechsel auch Thema in Ausschüssen
Am nächsten Dienstag (15. September) werde sich der Hauptausschuss der Gemeinde Gerstungen damit befassen, erklärte der CDU-Politiker. Der Ausschuss entscheidet, ob sich der Gemeinderat dann mit der Beschlussvorlage beschäftigt. Zuvor hatten mehrere Medien über den Vorstoß des Bürgermeisters der 8.700-Einwohner-Gemeinde berichtet.
Rhein: "Sehr schmeichelhaft für uns Hessen"
Auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hat sich inzwischen zu den Wechsel-Plänen geäußert. Auf die Frage, was er von dem Vorstoß aus Gerstungen halte, zeigte sich Rhein zunächst geschmeichelt: "Es ist natürlich sehr schmeichelhaft für uns Hessen, dass andere Kommunen aus anderen Ländern gerne nach Hessen wollen." Hessen sei "ein wunderschönes, sanftes Land der Mitte", betonte der Ministerpräsident - fügte aber gleich hinzu, dass auch Thüringen "ein schönes Land" sei.
Rhein: Müssen die schon in Thüringen selbst ausdiskutieren.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein äußert sich im Gespräch mit FFH-Reporterin Eva Burkert zu den Plänen der Gemeinde Gerstungen.
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Also ist natürlich sehr schmeichelhaft für uns Hessen, dass andere Kommunen aus anderen Ländern gerne nach Hessen wollen. Hessen ist auch schön, ist ein wunderschönes, sanftes Land der Mitte. Thüringen ist übrigens auch ein schönes Land, aber das müssen die schon in Thüringen selbst miteinander ausdiskutieren. Das heißt, da warten wir mal ab, was dort rauskommt und dann... Ja, also erstens haben die einen super Ministerpräsidenten mit Mario Voigt. Also deswegen würde ich jedem raten, erstmal das Gespräch mit dem Ministerpräsidenten zu suchen. Und wenn es irgendwo Probleme gibt, muss man die ja miteinander ausdiskutieren. Also bei uns ist jeder willkommen. Wir sind ein offenes Land für jeden, der einwandern will. Aber so einfach ist es halt in so einer Frage auch nicht. Da müssen ja sehr viele Formalien erfüllt werden. Und deswegen rate ich dazu, das Gespräch in Thüringen zu suchen.
Ministerpräsident verweist auf seinen Amtskollegen
Trotz des Lobs für Hessen wollte sich Rhein nicht in die innerthüringische Debatte einmischen. Das müsse man "schon in Thüringen selbst miteinander ausdiskutieren", so Rhein. Er rate der Gemeinde Gerstungen zunächst, das Gespräch mit dem Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt zu suchen - Probleme müsse man miteinander klären, bevor man über einen Länderwechsel nachdenke.
Enge Verflechtung mit Hessen
Steffan betonte die Verbundenheit mit seiner Heimat, verwies aber auch auf die historisch enge Verflechtung mit dem Nachbarbundesland Hessen. Mit dem Vorstoß sollten vor allem die Herausforderungen Gerstungens deutlich gemacht werden, hieß es. "Thüringen muss sich mehr Mühe geben, uns unterstützen und unserer großen Gemeinde, welche der Landtag so wollte, helfen - statt zu blockieren", so Steffan.
© HIT RADIO FFH
Der Gerstunger Marktplatz mit dem Storchenbrunnen.
Die meisten Gerstunger halten von der Idee nicht viel
Unsere FFH-Reporterin hat sich in Gerstungen umgehört, was die Menschen dort zu dem Vorschlag Steffans sagen. Sie hat dabei niemanden getroffen, der die Idee gut findet. “Das ist doch Quatsch”, “Die Probleme lösen sich doch nicht einfach mit dem Wechsel nach Hessen” oder “Ich bin gerne Thüringerin und will das auch bleiben” waren die Reaktionen am FFH-Mikro.
"Ich will Thüringer bleiben!"
Die Menschen in Gerstungen halten am FFH-Mikro wenig von dem Vorschlag, nach Hessen zu wechseln.
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Ich bin 100% Thüringerin und ich würde auch gerne in Thüringen bleiben. Finde ich albern. Es gibt ja die Ländergrenzen so wie sie sind und dann kann man sie auch so lassen. Thüringen ist Thüringen, Hessen ist Hessen und ich bin gern Thüringer und gut ist. Ich finde eigentlich, Gerstung ist eine moderne, schöne Gemeinde. Ganz verdutzt. Also wir bleiben ja hier, aber wir sind dann Hessen. Aber ich will doch kein Hesse sein.
Hohe Hürden für solche Entscheidung
Bei einem Wechsel von Kommunen oder Landkreisen in ein anderes Bundesland liegen die Hürden allerdings hoch. Eine Gemeinde kann nicht allein bestimmen, zu welchem Bundesland sie gehören möchte. Laut Artikel 29 des Grundgesetzes können entsprechende Änderungen durch Staatsverträge der beteiligten Länder oder durch Bundesgesetz mit Zustimmung des Bundesrates erfolgen.
Bundesland-Wechsel ist nichts Neues
Ein solcher Wechsel sei allerdings kein Novum, erklärte Steffan. Bereits Anfang der 1990er Jahre hätten etwa mehrere Kommunen Thüringen in Richtung Sachsen verlassen. Gerstungen ist eigenen Angaben zufolge mit fast 150 Quadratkilometern die flächenmäßig größte Gemeinde Thüringens.