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Sorge nach Explosionen: «Nehmen Entwicklungen sehr ernst»

In Frankfurt und Offenbach - Sorge nach Explosionen: «Nehmen Entwicklungen sehr ernst»

Explosionen in Frankfurt
© Mike Seeboth/dpa

Der Festgenommene soll einem Haftrichter vorgeführt werden.

Mehrere Explosionen in Frankfurt und Offenbach schüren Angst und Sorge. Wie sollen Ermittler und Politik sich jetzt aufstellen?

Nach einer Reihe von Explosionen in Frankfurt und Offenbach binnen weniger Tage wächst in Hessen die Besorgnis. "Wir nehmen die aktuellen Entwicklungen sehr ernst", erklärte Innenminister Roman Poseck (CDU) in Wiesbaden. "Organisierte Kriminalität hat eine neue Dimension erreicht, wenn gezielt Explosionen eingesetzt werden, um andere, die nicht selten selbst in kriminelle Machenschaften verstrickt sind, einzuschüchtern und zu bedrohen." 

Auch Händler reagieren besorgt. "Wir verurteilen Gewalt jeglicher Art und sind froh, dass keine Personen verletzt wurden. Dennoch schauen wir mit Erschrecken auf die Situation", sagte der Präsident des Handelsverbands Hessen, Jochen Ruths. 

Hoher Sachschaden bei mehreren Explosionen

Am Donnerstagmorgen hatte es auf der Berger Straße und auf der Zeil in Frankfurt Detonationen gegeben, ebenso wie in den vergangenen Tagen bereits zweimal in Frankfurt und einmal in Offenbach. In allen Fällen gab es keine Verletzten, aber erheblichen Sachschaden. Ob zwischen den insgesamt fünf Taten ein Zusammenhang besteht, wird ermittelt. Laut Polizei gibt es Hinweise auf organisierte Kriminalität. 

Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass es sich um das in Deutschland noch relativ neue Phänomen von Gewalttaten gegen Bezahlung ("Violence as a Service") handelt. Dabei werben kriminelle Netzwerke meist junge Menschen an, die dann solche Taten gegen Geld begehen. Im Zusammenhang mit den Explosionen waren ein 15- und ein 17-Jähriger festgenommen worden.

Versuchter Mord und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion?

Der am Donnerstag festgenommene 17-Jährige aus den Niederlanden sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht Frankfurt erließ gegen ihn einen Haftbefehl, wie Oberstaatsanwalt Dominik Mies von der Staatsanwaltschaft Frankfurt auf Anfrage mitteilte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor.

Die Taten richteten sich Poseck zufolge zwar nicht gegen Unbeteiligte und in der Regel auch nicht gegen Leib und Leben, "sie sind aber hochgefährlich", so der Minister. "Ich verstehe die Sorgen der Menschen, die durch Explosionen in der Nachbarschaft verängstigt sind." 

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU)
© Boris Roessler/dpa

Poseck will das Thema bei der Innenministerkonferenz einbringen. (Archivbild)

Poseck will Thema in Innenministerkonferenz einbringen

"Gewalt darf in Hessen kein Geschäftsmodell sein", erklärte Poseck. Mit spezialisierten Einheiten beim Landeskriminalamt sage man den Verbrechern den Kampf an. Da Spuren immer wieder in die Niederlande führten, werde man die Zusammenarbeit mit den dortigen Sicherheitsbehörden intensivieren. Poseck will das Thema zudem in die nächste Innenministerkonferenz einbringen.

Leicht zu manipulieren und zu überzeugen

Für Gewalttaten setzen kriminelle Netzwerke zunehmend auf Minderjährige - doch warum lassen sich junge Menschen für solche Taten anwerben? "Jugendliche aus bestimmten sozial prekären Verhältnissen sind zum Teil unglaublich fasziniert von der Selbstdarstellung krimineller Gangs im Internet, über die Rapper-Szene, über bestimmte Rocker-Strukturen und wollen einfach dazugehören, wollen dort ihren Weg sehen", sagte die Kriminologin Britta Bannenberg der Deutschen Presse-Agentur. Die Professorin forscht an der Gießener Justus-Liebig-Universität unter anderem zur organisierten Kriminalität.

Kriminologin Britta Bannenberg
© Sascha Ditscher/dpa

Täter sind anfällig für Manipulationen, sagt Britta Bannenberg, Professorin für Kriminologie an der Universität Gießen.

Nach den Worten Bannenbergs handelt es sich um eine Gruppe, die anfällig für Manipulationen und leicht zu überzeugen sei. Den jungen Leuten würden wenige tausend Euro für die Taten gezahlt oder in Aussicht gestellt, nicht immer bekämen sie das Geld auch tatsächlich.

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