Flughafen-Malaria - Bislang keine weiteren Fälle in Frankfurt
Acht Menschen erkrankten in Frankfurt an Flughafen-Malaria, nun starb ein Anwohner. Das Gesundheitsamt hält das Risiko für die Bevölkerung weiterhin für sehr gering.
Nach Bekanntwerden des dritten tödlichen Malaria-Falls in Frankfurt ist der Stadt zunächst keine weitere Infektion gemeldet worden. Das teilte das Gesundheitsamt auf Anfrage mit.
Mücke reiste wohl im Flugzeug
Insgesamt gab es in der Stadt in diesem Sommer bisher acht Fälle der sogenannten Flughafen-Malaria. Dabei wird davon ausgegangen, dass infizierte Mücken in einem Flugzeug nach Deutschland gelangen.
Zwei Flughafenmitarbeiter und ein Anwohner tot
Es erkrankten sechs Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport und zwei Anwohner aus dem Stadtteil Schwanheim, der nahe am Flughafen liegt. Zwei der Flughafen-Beschäftigten und einer der Anwohner starben. Die andere Person aus Schwanheim befand sich jüngsten Angaben zufolge in stationärer Behandlung. Details dazu wurden nicht mitgeteilt.
Gesundheitsamt: keine zusätzlichen Maßnahmen nötig
Trotz des erneuten Todesfalls seien keine zusätzlichen Maßnahmen nötig, erklärte das Frankfurter Gesundheitsamt. "Unsere Einschätzung des Risikos für die Gesundheit der Bevölkerung hat sich nicht geändert", hieß es. Dieses war zuvor als sehr gering bezeichnet worden. Zur Vermeidung von Stichen empfahl das Amt weiter Mückenschutz.
Tropenmediziner: Früherkennung wichtig
Jürgen May, Leiter des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg, erklärt auf Anfrage von HIT RADIO FFH, dass Malaria-Parasiten zunächst unauffällig seien und sich mit gewöhnlichen Infektionssymptomen wie Fieber und Gliederschmerzen zeigten. Anschließend könnten sie sich "explosionsartig in den roten Blutkörperchen vermehren und dann die Organe befallen". Dieser Übergang verlaufe sehr schnell, innerhalb weniger Stunden. Deshalb sei es wichtig, "dass man die Malaria früh sieht und dann früh behandelt".
Kein Grund zur Panik - aber aufmerksam sein
Zur aktuellen Lage rund um den Frankfurter Flughafen sagt May: "Da ist kein Grund zur Panik." Die Wahrscheinlichkeit, von einer mit Malaria-Erregern infizierten Mücke gestochen worden zu sein, sei extrem gering. Dennoch rät er zu Aufmerksamkeit bei Fieber, unabhängig davon, ob zuvor ein Mückenstich bemerkt wurde. Wer im Umkreis von zehn Kilometern um den Flughafen wohnt und ungewöhnliches Fieber entwickelt, solle laut May "sofort einen Arzt aufsuchen".
Wie reagieren Hausärzte?
Würden Ärzte eine solche Infektion überhaupt erkennen? Schließlich sind die Symptome - Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden - keineswegs selten.
In Praxen schwer zu erkennen
In der Hausarztpraxis sei Malaria "ohne Vorwarnung" - also ohne dass der Patient zuvor in einem Risikogebiet war - schwer zu erkennen, sagt der Vorsitzende der hessischen Hausärzte, Christian Sommerbrodt. "Das liegt daran, dass das extrem selten vorkommt und dass die Symptome so unspezifisch sind."
Ärzte sind sensibilisiert
Typischerweise denke man als Hausarzt bei Fieber nicht zuerst an Malaria, wenn der Kranke nicht auf Reisen war, "sondern vielleicht erst nach dem zweiten oder dritten Fieberschub". Ein Indiz könnte sein, dass andere Symptome, die mit Infekten einhergehen wie Halsschmerzen oder Husten, fehlen. Seit den Fällen am Flughafen seien die Ärzte aber für das Thema sensibilisiert.
Schnelltests selten vorrätig
Um eine Infektion zu erkennen, gebe es zwar Schnelltest. Praxen hätten diese aber in der Regel nicht vorrätig. Die Tests seien nicht lange haltbar, nicht besonders genau und würden selten gebraucht. Sie vorrätig zu halten sei "wirtschaftlich nicht sinnvoll".