Jagd in Hessen - So viele Waschbären wie nie zuvor erlegt
Sie sind niedlich, aber auch problematisch: Waschbären breiten sich in Hessen immer weiter aus. In Hessen sind im vergangenen Jagdjahr so viele Waschbären erlegt worden wie nie zuvor. Im Jagdjahr 2024/25 stieg die Jagdstrecke nach Angaben des Hessischen Landwirtschafts- und Jagdministeriums auf 41.147 der nachtaktiven Raubtiere.
In dieser Zahl enthalten sind auch rund 2.000 tot gefundene oder bei Verkehrsunfällen getötete Tiere, sogenanntes Fallwild.
Mehr Waschbären als Füchse?
"Damit scheint der invasive Waschbär mittlerweile sogar häufiger zu sein als der heimische Fuchs", erklärte eine Sprecherin des Ministeriums. Im Jagdjahr 2024/25 wurden ihr zufolge in Hessen insgesamt 31.614 Füchse erlegt oder als Fallwild registriert.
Vor zehn Jahren waren es noch viel weniger tote Waschbären
Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor, im Jagdjahr 2014/15, waren es laut Landesjagdverband noch 26.383 tote Waschbären. Die Zahlen umfassen allerdings jeweils nur solche Tiere, die außerhalb von Städten oder Ortschaften mit Fallen gefangen oder im Jagdrevier geschossen werden oder bei Verkehrsunfällen sterben.
Mindestens 120.000 Waschbären in Hessen
Mindestens 120.000 Waschbären leben laut Ministerium schätzungsweise in Hessen. Die steigenden Zahlen der Jagdstatistik würden auf einen Anstieg des Vorkommens hinweisen, so die Behörde. Besonders verbreitet ist die invasive Art demnach in Nord-, Ost- und Mittelhessen. Die Auswertungen der Jahresjagdstrecken zeigten aber auch eine stetige Ausbreitung nach Südhessen und in das Rhein-Main-Gebiet.
Waschbären können Schäden anrichten
Das Problem dabei: Die aus Nordamerika stammenden Kleinbären gefährden heimische Arten, fressen Insekten, bedrohte Amphibien und Reptilien und plündern Vogelnester. Außerdem verursachen sie Schäden an Häusern vor allem am Dach und verunreinigen Dachböden durch Kot und Urin.
Schonzeit abgeschafft
Um Waschbären effizienter zu bejagen, ist in Hessen zum 1. April die Schonzeit für die Tiere abgeschafft worden. Sie dürfen seither unter Beachtung des Elterntierschutzes das ganze Jahr über bejagt werden. Noch keine Erkenntnisse gibt es dem Ministerium zufolge dazu, wie sich der Wegfall der Schonzeit ausgewirkt hat.
Selters im Taunus setzt Prämie aus
Neben dem Land werden auch Kommunen aktiv. Mit einer Prämie für Jäger in Höhe von 25 Euro für jeden erlegten Waschbären will etwa Selters im Taunus die Ausbreitung der Tiere eindämmen. Dies hatten die Gemeindevertreter am 23. September einstimmig beschlossen. Man wolle damit die Jäger unterstützen, die erheblichen Zeit- und Kostenaufwand durch die invasiven Tiere hätten, sagte ein Sprecher. Waschbären hätten in der Kommune bereits Grundstücke "verwüstet" oder seien in Biotopen gesichtet worden.
Zuspruch, aber auch “Hassnachrichten”
Eine Auszahlung für erlegte Tiere habe es seit dem Beschluss noch nicht gegeben, sagte der Sprecher. Die Resonanz auf die Entscheidung sei sehr unterschiedlich gewesen und reiche vom Zuspruch aus anderen Kommunen, die um die Beschlussvorlage gebeten hätten bis hin zu "Hassnachrichten". Davon wolle sich die Gemeinde aber nicht von der Prämie abbringen lassen.
Jagdverband lobt Prämie
Die von Selters ausgesetzte Prämie auf die Tiere hält ein Sprecher des Landesjagdverbandes für "eine gute Idee", weil damit die Aufwendungen und das ehrenamtliche Engagement der Jäger wertgeschätzt würden.
Jagd auch im Kreis Fulda
Auch der Landkreis Fulda setzt auf intensive Bejagung der Waschbären. Seit dem 1. August gilt dort zudem eine neue Allgemeinverfügung zur Lebendfangjagd im "befriedeten Bezirk". Ziel sei insbesondere die Entbürokratisierung zugunsten der Jägerschaft, um das Jagen des Waschbären auf befriedeten Besitztümern - also vor allem auf Privatgrundstücken - zu erleichtern, erklärte eine Sprecherin.