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Handel mit China größer als mit USA - Defizit wächst

Deutsche Handelspartner - Handel mit China größer als mit USA - Defizit wächst

Container Terminal Tollerort im Hamburger Hafen
© Marcus Brandt/dpa

Die deutschen Exporte sind 2025 erstmals seit zwei Jahren wieder gewachsen (Archivbild)

Trumps Zölle und Chinas Expansion haben die Weltwirtschaft verändert. Die Exportnation Deutschland und ihr Kanzler suchen nach Strategien.

In der deutschen Außenhandelsbilanz haben die Verschiebungen in der Weltwirtschaft deutliche Spuren hinterlassen. Die Exportwirtschaft ächzt unter Trumps Zöllen und kritisiert unfairen Wettbewerb auf den Weltmärkten durch Chinas subventionierte Hersteller. Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der kommenden Woche auf China-Reise geht, hat er zahlreiche Wünsche der Wirtschaft im Gepäck.

Mehr Importe aus China

Im vergangenen Jahr war China wieder der wichtigste Handelspartner für Deutschland und ist an den USA vorbeigezogen. 2025 summierte sich das Volumen aus Importen und Exporten im Geschäft mit der Volksrepublik auf 251,8 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. 

Der Trend war dabei aber kein Freund der deutschen Handelsbilanz: Die Importe aus China wuchsen zum Vorjahr um 8,8 Prozent und waren mit 170,6 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie die Exporte dorthin, die gleichzeitig um 9,7 Prozent auf 81,3 Milliarden Euro schrumpften. Das Handelsdefizit zur Volksrepublik stieg um mehr als 20 Milliarden Euro auf 89,3 Milliarden Euro. Chinas Exporthits waren unter anderem Elektronik, Optik und Maschinen. 

Der US-Markt schrumpft für die Deutschen

Auch in Richtung des nun wieder zweitwichtigsten Handelspartners, der USA, schrumpfte der Export um 9,4 Prozent. Mit 146,2 Milliarden Euro blieben die Staaten aber der größte Absatzmarkt für Produkte "Made in Germany". Erhebliche Einbußen (minus 17,8 Prozent) gab es bei Autos und dazugehörigen Teilen. 

US-Zölle
© Matt Slocum/AP/dpa

Das Geschäft mit den USA steht wegen Trumps Zöllen unter Druck (Archivbild)

In die andere Richtung profitierten US-Erzeuger vom leichteren Zugang zum EU-Markt und steigerten ihre Ausfuhren nach Deutschland um 2,7 Prozent. In der Summe blieben die USA mit einem Außenhandelsvolumen von 240,5 Milliarden Euro zweitwichtigster Handelspartner vor den Niederlanden (209,1 Mrd/+3,3 Prozent). 

Volkswirt Sebastian Dullien von der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung sieht einen weiteren Trend: "Höhere Handelsschranken für chinesische Lieferungen in die USA bedeuten, dass diese Waren auch nach Europa umgeleitet werden." Das schlage sich in den gestiegenen deutschen Importen aus China nieder und erhöhe den Konkurrenzdruck für deutsche Unternehmen auf sämtlichen Märkten. China versuche, in zentralen Schlüsselbranchen Weltmarktführer zu werden.

Verband sieht Warnsignal

"Protektionismus dort, strukturelle Schieflage hier – das ist kein komfortables Umfeld für eine Exportnation", sagte der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Dirk Jandura. "Unsere Exporte nach China gehen deutlich zurück. Das ist kein konjunktureller Ausrutscher, das ist ein Warnsignal." Man müsse die eigenen Hausaufgaben machen, aber auch Risiken ernst nehmen. "Wir müssen Lieferketten breiter aufstellen, neue Märkte erschließen und endlich unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken."

Wunschliste für Merz 

Der Maschinenbauverband VDMA hat Kanzler Merz eine lange Wunschliste mit auf die China-Reise in der kommenden Woche gegeben. Merz müsse deutlich machen, dass faire Wettbewerbsbedingungen Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit seien, sagt Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. China müsse dauerhaft defizitäre Unternehmen vom Markt nehmen, die Subventionen herunterschrauben und öffentliche Aufträge gleichberechtigt vergeben. Der Verband verlangt zudem ein Ende der Exportkontrollen für seltene Erden und eine faire Bewertung der chinesischen Währung. 

Teurer Euro hilft auch nicht

Denn auch der teure Euro macht den deutschen Exporteuren das Leben schwer, weil er ihre Waren auf den Weltmärkten verteuert. Jüngst übersprang der Euro zeitweise die Marke von 1,20 US-Dollar - erstmals seit 2021. Die unberechenbare Politik von Trump hat das Vertrauen in den Dollar an den Finanzmärkten geschwächt, was umgekehrt den Euro aufwerten lässt. Trump wiederum nimmt den schwachen Dollar gerne in Kauf, um amerikanischen Exporteuren auf den Weltmärkten zu helfen. 

Autoexporte am Hafen Emden
© Lars Penning/dpa

Besonders die Autoexporte in die USA sind eingebrochen (Archivbild)

Für die exportorientierte deutsche Industrie werde die Luft dünner, warnt auch Carsten Klude, Chefvolkswirt bei der Bank M.M.Warburg & CO. "Ein zu starker Euro in einem fragilen globalen Umfeld ist das Letzte, was die Konjunktur jetzt gebrauchen kann."

Hoffen auf den EU-Binnenmarkt

Trotz der Verluste auf wichtigen Märkten läuft der Export noch: Insgesamt gingen 2025 dem Statistischen Bundesamt zufolge deutsche Waren im Wert von 1.569,6 Milliarden Euro in alle Welt - vor allem Autos, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Dank eines starken Dezembers legten die Exporte erstmals seit zwei Jahren wieder um 1,0 Prozent zu. Die Importe nach Deutschland wuchsen im Jahresvergleich kräftig um 4,4 Prozent auf 1.366,9 Milliarden Euro. Der Exportüberschuss schrumpfte damit um mehr als 40 Mrd. Euro auf gut 200 Milliarden Euro. 

Was zunächst bleibt, sind Absatzchancen auf dem europäischen Binnenmarkt, die schon im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs um 3,4 Prozent genutzt wurden. "Der Anstieg der Ausfuhren 2025 in die EU war bereits eine willkommene Stütze für die deutsche Wirtschaft", sagt Ökonom Dullien. Die steigenden öffentlichen Investitionen durch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz stützten die Binnenwirtschaft, wie auch die Überlegungen der EU-Kommission zur Industriepolitik in die richtige Richtung gingen. Ein Aufschwung in Deutschland könne aber nur funktionieren, wenn auch der private Konsum anzieht.

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