On AirGuten Morgen, Hessen! >

Was darf man, wenn man krankgeschrieben ist?

Mehr als nur daheim liegen - Das darf man trotz Krankschreibung

Wenn es der Arzt nicht verordnet, muss während der Krankheit nicht Bettruhe gehalten werden. Sogar Reisen oder Leistungssport sind möglich. 

Die Erkältungswelle rollt über Hessen und fegt Büros und andere Arbeitsplätze leer. Doch einige von euch halten tapfer die Stellung und können stolz sein auf ihre Abwehrkräfte. Euch verleihen Julia und Daniel aus FFH Guten Morgen, Hessen symbolisch das Goldene Taschentuch! Glückwunsch!

Wenn ihr allerdings zu denjenigen gehört, die es leider doch erwischt hat, dann verraten wir euch hier, was ihr jetzt überhaupt machen dürft und was nicht...

Wer krankgeschrieben ist, darf oftmals viel mehr, als nur daheim im Bett liegen. Generell gilt: Es ist fast alles erlaubt, was der Arzt nicht verbietet.

Sogar Leistungssport ist erlaubt

Einem krankgeschriebenen Arbeitnehmer ist alles erlaubt, was die Genesung nicht behindert. Da sind sich die Arbeitsgerichte einig. Selbst Leistungssport ist erlaubt, wenn der Arzt sein "okay" gegeben hat. Das hat das Arbeitsgericht Stuttgart entschieden. In dem Fall hatte sich ein Lagerarbeiter einen Bruch des Schlüsselbeins zugezogen und konnte daher nicht mehr als Lagerist arbeiten. Zwei Wochen später startet er bei einem Ultramarathon. Daraufhin präsentiert der Chef ihm die Kündigung. Zu Unrecht: Der Arzt hatte vor dem Wettkampf bescheinigt, dass der Marathon die Genesung nicht gefährdet, die Kündigung musste zurückgenommen werden.

Auf den Arzt hören

Es ist also nicht nötig sich daheim zu verkriechen, wenn man krankgeschrieben ist. Es sei denn der Arzt hat es so verordnet. Ins Kino gehen, mit Freunden feiern, in den Urlaub fahren: alles möglich und erlaubt, solange der Arzt nichts dagegen hat. Und falls der Arzt frische Luft verordnet, ist rausgehen sogar Pflicht.

Arbeitnehmer darf Arzt frei wählen

Hat ein Chef daran Zweifel, ist er in der Beweispflicht. Und diese sind schwer zu erbringen - selbst ein Gutachten eines Amtsarztes reicht nicht, wenn der Hausarzt anderer Meinung ist. Und: Der Arbeitnehmer darf sich seinen Arzt selber aussuchen. Im Zweifel darf er auf den Arzt hören, dem er das meiste Vertrauen entgegen bringt.

Abmahnung? Kündigung? Schwierig!

Abmahnungen oder gar eine Kündigung drohen nur, wenn der Arbeitnehmer beim Arzt falsche Angaben gemacht hat und so seine Krankschreibung erschlichen hat. Oder wenn der Arbeitnehmer seine Genesung gefährdet, in dem er sich den Anweisungen des Arztes widersetzt. Doch auch in diesem Fall ist der Arbeitgeber in der Beweispflicht - ein schwieriges Unterfangen.

Galerie: Was darf man, wenn man krankgeschrieben ist?

Arbeitsrechtler Dr. Philipp Byers im FFH-Interview

Arbeitsrechtler erklärt: Rechte und Pflichten im Krankheitsfall

Anwalt Dr. Philipp Byers im Gespräch mit FFH-Moderatorin Uta Schmidt

© FFH

Was passieren kann, wenn man krank zur Arbeit geht, ab wann man eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen muss und ob man wirklich im Krankheitsfall das Bett hüten muss, erklärt Arbeitsrechtler Dr. Philipp Byers. 

Inhalt wird geladen
nach oben