Jetzt kämpfen Kunden für "BAM" - Beliebter Offenbacher Buchladen vorm Aus
Der Buchladen am Markt am Wilhelmsplatz ist für viele Offenbacher mehr als ein Geschäft. Ende 2026 soll Schluss sein. Eine Initiative will das verhindern.
Wer am Wilhelmsplatz in Offenbach unterwegs ist, kennt den „Buchladen am Markt“, kurz BAM. Seit 1993 gibt es die Buchhandlung, seit 2012 führt Andrea Tuscher den Laden. Rund 4.000 Bücher stehen hier in den Regalen. Dazu kommen Lesungen, Veranstaltungen und vor allem: persönliche Beratung und Gespräche.
Doch damit soll bald Schluss sein. Tuscher hat ihren Mietvertrag nicht verlängert. Zum Jahreswechsel 2026/27 muss der BAM seinen Laden am Wilhelmsplatz dann verlassen. Als einen wichtigen Grund nennt die Buchhändlerin die gestiegenen Miet- und Nebenkosten. Ihre Miete habe sich in den vergangenen 15 Jahren etwa verdoppelt.
Offenbacher und Offenbacherinnen wollen den BAM nicht einfach aufgeben
Viele Kunden wollen sich damit nicht abfinden. Eine Initiative hat eine Petition gestartet und fordert die Stadt auf, den Buchladen zu retten. Bereits innerhalb kurzer Zeit kamen mehrere tausend Unterschriften zusammen. Die Initiatoren schlagen unter anderem vor, dass die Stadt oder die GBO (Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach) die Immobilie kauft und so eine bezahlbare Miete ermöglicht.
Im nachfolgenden Gespräch mit Oberbürgermeister Felix Schwenke, signalisiert er: Wir sind uns bewusst, dass mit dem BAM ein wichtiges Stück Kultur in Offenbach verschwindet. Es würde gemeinsam mit Tuscher jede Möglichkeit geprüft werden, den BAM zu erhalten. Konkret: Ist eine andere, günstigere Fläche zur Vermietung frei? Kann durch Förderungen finanziell unterstützt werden?
“Ich kann nicht ausschließen, dass wir vielleicht noch eine Lösung finden. Ich kann aber auch keine Hoffnung wecken, dass wir in jedem Fall eine Lösung finden”, so Offenbachs OB.
Ganz weg ist der BAM nicht
Ab Januar soll es den Buchladen aber zumindest in kleinerer Form weitergeben. In einem Bücherzimmer an der Bleichstraße 43 sollen rund 200 wechselnde Bücher angeboten werden. Bestellungen können dort weiterhin abgeholt werden.
Aber für viele Offenbacher ist klar: Das ist nicht dasselbe. Der große Laden am Wilhelmsplatz ist ein Ort zum Stöbern, Treffen und Verweilen – und für viele gehört er zum Wochenmarkt einfach dazu. Es ist ein nicht nur ein Laden, sondern ein “Gefühl”, was mit dem Buchladen verschwindet.
Vielleicht können wir ihn nicht retten. Aber darüber reden.
Genau deshalb schaut Reporterin Anne Köppen („Köppen kümmert sich“) beim BAM vorbei. Denn die Geschichte zeigt auch: Wenn wir wollen, dass es kleine, unabhängige Buchläden in unseren Städten gibt, müssen wir sie nutzen.
Das nächste Buch also vielleicht nicht online bestellen, sondern einfach mal wieder vor Ort kaufen. Ein Gespräch inklusive.