Familienklasse in Gießen - Eltern und Kinder lernen gemeinsam
Familienklassen liegen im Trend. Hier drücken Kinder und ihre Eltern gemeinsam die Schulbank, um die Kinder gezielter unterstützen zu können, wenn es vorher Probleme in der Klasse gegeben hat.
An der Ludwig-Uhland-Schule in Gießen machen die Beteiligten seit einigen Jahren sehr gute Erfahrungen mit Familienklassen, erfuhr HIT RADIO FFH bei einem Besuch in der Schule. Der Träger des Projektes, das Albert-Schweitzer-Kinderdorf, will das Programm in den nächsten Jahren auf weitere Schulen ausweiten.
Am Anfang waren viele Eltern skeptisch
Am Anfang stand die Skepsis. Zumindest bei einigen der Eltern, die FFH bei einem Besuch in der Familienklasse antrifft. Doch nach den ersten Stunden überwog die Einsicht: Das bringt was und macht sogar Spaß! "Es tut gut und ich bin mittlerweile gelassener," schildert eine Mutter ihre Erfahrungen im Gespräch mit HIT RADIO FFH. "Die Reibereien zu Hause werden weniger," ergänzt ein Vater.
Kinder lieben den Besuch der Familienklasse
Und für die Kinder ist sowieso klar: "Familienklassen sind prima. Denn hier ist meine Mutter dabei und ich bin nicht alleine." Eine andere Mutter sagt selbstbewusst: "Alle Eltern haben dann und wann Probleme mit der Erziehung. Und alle Kinder tun sich gelegentlich schwer. Wir versuchen das hier einfach gut zu lösen."
Das ist der Ablauf in der Familienklasse
Wie funktioniert eine Familienklasse? Multitherapeut Christian Hahlgans und Förderschullehrerin Petra Drescher berichten. Gemeinsam trifft man sich einen Vormittag die Woche in der Klasse: Kinder, Eltern, Multitherapeut und Lehrerin. Nach einem Lied werden die Wochenpläne angeschaut und die Ziele der Kinder besprochen. Anschließend werden gemeinsam Hausaufgaben gemacht. Dabei erleben die Eltern, wie die Lehrerin den Kindern geduldig Rechnen oder auch Wörterschreiben erklärt und dabei auch kleine Fortschritte lobt.
Eltern besprechen Schwierigkeiten der Kinder gemeinsam
Nach dieser Lernphase setzen sich die Eltern zusammen mit dem Multitherapeuten in einen Nebenraum. Dort beratschlagen sie gemeinsam über die Herausforderungen, die ihre Kinder zu bewältigen haben und suchen auch gemeinsam Lösungen. "Sich gegenseitig zu stärken, das ist vielleicht das Wichtigste an den Familienklassen," sagt Christian Hahlgans.
Lehrerin Petra Drescher pflichtet ihm bei und erklärt: "Die Eltern sehen hier, welche Unterstützung ihre Kinder beim Lernen genau brauchen und können das dann zu Hause immer mehr übernehmen. Auch für mich als Lehrerin ist das eine tolle Arbeit."
Oft fallen die Kinder bei Übergängen auf, zum Beispiel vom Kindergarten in die Schule. Sie ziehen sich zurück, lernen schlecht, haben Konflikte mit anderen Kindern, sind unruhig oder es gibt häufig Streit. Manche wollen gar nicht in die Schule gehen. Die Familienklassen sollen helfen, dass solche Probleme gelöst werden, wenn sie auftreten und sich nicht verfestigen. Deshalb sind die Kinder nur für einige Monate in der Familienklasse. Christian Scharfe vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf betreut und organisiert seit Jahren Projekte mit Familienklassen an Schulen. Für Scharfe sind sie eindeutig ein Erfolgsmodell
Bislang gibt es Familienklassen an ungefähr 35 Schulen in Hessen. Noch ist das Ganze ein Modellversuch, doch ab Herbst 2023 könnten die Familienklassen regulär Einzug an Hessens Schulen halten.
Albert-Schweitzer-Kinderdorf-Klasse in Wetzlar
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