Trainer: "Sind noch nicht tot" - Handball: Wetzlar muss gegen BHC punkten
Die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar zittern vor dem nahenden Saisonende so sehr wie kaum in der fast 30 Jahre andauernden Erstliga-Vereinsgeschichte um den Klassenerhalt. Am Sonntag (15 Uhr/WELT und DYN) müssen die Mittelhessen vor heimischem Publikum dringend gegen einen Abstiegskonkurrenten, den Bergischen HC, punkten.
Vier Punkte trennen die Wetzlarer aktuell vom BHC in der Tabelle. Vier Punkte, die Geschäftsführer Sport Michael Allendorf am liebsten schon am Sonntag kleiner machen würde: „Wir wollen mit einer guten Leistung und mit der richtigen Einstellung und Mentalität den Abstand zum BHC verkürzen - und wollen am Sonntag hier zu Hause gewinnen", sagt Allendorf im FFH-Gespräch.
Ausverkaufte Halle
Dass die Halle am Sonntag voll sein wird, daran zweifelt niemand beim mittelhessischen Bundesligisten - mit 4.421 Zuschauern wird das Duell ausverkauft sein. Und Allendorf weiß, was das bedeutet: „Das Fingerspitzengefühl unserer Fans, dass die Mannschaft die Unterstützung braucht - das ist wirklich außergewöhnlich." Schon beim letzten Heimspiel gegen Stuttgart war die Stimmung in der Arena ein echter Faktor. Trainer Björn Sigtryggsson sieht das genauso: „Das Wichtigste ist, dass wir gut spielen und die Halle wieder hinter uns kriegen - wie gegen Stuttgart."
Der BHC kommt mit Rückenwind - aber auch mit Scheuklappen?
Der Bergische HC hat am vergangenen Wochenende beim Final-4 in Köln für eine echte Überraschung gesorgt und sich erst im Finale gegen die Füchse Berlin geschlagen geben müssen. Danach träumte der BHC schon vom Europapokal, steht aber selbst auch im Abstiegskampf. Sigtryggsson sagt dazu nüchtern: „Sie spielen attraktiven Handball - aber es ist Abstiegskampf jetzt. Es geht nicht um Schönheit, es geht um zwei Punkte."
Allendorf sieht im BHC-Trubel sogar eine mögliche Chance für sein Team, das keine Verletzten zu beklagen hat und aus den Vollen schöpfen kann: „Dieses ganze Finale-Wochenende zieht sich noch in die ganze Woche rein. Und wenn du dann Gegenwehr bekommst und meine Mannschaft von Anfang an zeigt, dass hier nichts zu holen gibt - dann kann das zu unserem Vorteil werden."
„Wir sind noch nicht tot"
Seit Ende November steckt die HSG auf einem Abstiegsplatz fest. Doch aufgeben? Fehlanzeige. „Wir sind noch nicht tot", sagt Sigtryggsson im FFH-Gespräch. Allendorf pflichtet bei: „Wenn wir unseren Job gut machen, dann müssen wir gar nicht auf die anderen gucken."
Das Restprogramm hat es zwar in sich - mit Kiel und Magdeburg warten noch echte Brocken - aber Allendorf zählt auch die Chancen: „Es ist ja auch noch Erlangen, die zu uns müssen. Und auswärts Hamburg und Göppingen. Wir haben noch einige Möglichkeiten."
Fast 30 Jahre Bundesliga - das darf nicht enden
Für Allendorf geht es am Sonntag um mehr als nur zwei Punkte. Vielmehr gilt es die Wetzlarer Bundesliga-Tradition fortzuführen - der Ex-Melsunger: „Ich weiß einfach, was für ein gut geführter Verein das ist, wie viel Herzblut hier gearbeitet wird", sagt er. „Die Region und der Verein haben es verdient, dass wir hier weiter Erstliga-Handball spielen." Und wenn der Klassenerhalt gelingt? „Den würde ich wahrscheinlich mehr feiern als irgendeinen Europapokal-Erfolg bei meinem alten Klub."
HBL- und Zweitliga-Lizenz für Saison 2026/27 liegt vor
Die Lizenzierungskommission der Handball-Bundesliga GmbH hat den Mittelhessen bereits grünes Licht für die kommende Spielzeit gegeben. Unabhängig davon, ob der Klassenerhalt gelingt, erfüllt die HSG alle Anforderungen für die Erstklassigkeit. Die Spielberechtigung gilt aber auch für die 2. Liga.
HSG-Geschäftsführer Björn Seipp sagte dazu. „Wir planen zweigleisig, sind aber überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen können – aber dafür brauchen wir den Schulterschluss aller, die ein grün-weißes Herz haben. Unsere Partner, Sponsoren und Fans spielen dabei eine entscheidende Rolle. Wenn wir alle eng zusammenstehen, können wir diese Herausforderung gemeinsam meistern und uns allen das 29. Erstliga-Jahr unseres Klubs in Folge bescheren.“
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