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OB-Wahl in Hanau: Bieri und Hemsley gehen in Stichwahl

Bieri (SPD) oder Hemsley (CDU) - Stichwahl ums OB-Amt in Hanau

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Das Hanauer Rathaus mit dem Brüder-Grimm-Denkmal im Vordergrund. 

SPD-Bürgermeister Bieri und CDU-Stadträtin Hemsley kämpfen darum, wer das politische Erbe des langjährigen OB Kaminsky antritt.

Die Bürgerinnen und Bürger Hanaus müssen in zwei Wochen noch einmal an die Urnen – dann entscheidet sich in einer Stichwahl, wer künftig im Rathaus das Sagen hat. Im Rennen um den Chefposten stehen zwei Menschen, die viele Hanauer längst kennen: Bürgermeister Maximilian Bieri (SPD) und Stadträtin Isabelle Hemsley (CDU).

Generationenwechsel steht bevor

Bieri kam auf nach vorläufigen Ergebnissen auf 48,1 Prozent der Stimmen und verfehlte damit einen Sieg bereits im ersten Wahlgang denkbar knapp. Hemsley errang 35,7 Prozent. Egal, wer von beiden sich am Ende durchsetzt: Es wird einen Generationenwechsel geben. Bieri ist 35 Jahre alt, Hemsley 36 Jahre. Die Wahlbeteiligung lag nach vorläufigen Zahlen bei 46,3 Prozent.

Einschnitt für die Stadt

Der Wahlabend markiert zugleich einen Einschnitt für die Stadt. Es ist die erste Oberbürgermeisterwahl seit dem Schritt Hanaus in die Kreisfreiheit zum 1. Januar. Parallel dazu wurden auch eine neue Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeiräte gewählt. Das Ergebnis dieser Wahlen steht allerdings noch aus, weil zunächst die Stimmen für die OB-Wahl ausgezählt wurden.

Dass überhaupt ein neues Stadtoberhaupt gesucht wird, liegt an einem politischen Schwergewicht: Claus Kaminsky (SPD) legte sein Amt vorzeitig zum 30. September nieder. Der 66-Jährige, Hessens dienstältester Oberbürgermeister, stand mehr als zwei Jahrzehnte an der Spitze der Stadt und prägte eine ganze politische Generation im Hanauer Rathaus.

Hanauer Eigengewächse

Genau aus dieser Generation stammen auch die beiden Kandidaten, die nun um seine Nachfolge kämpfen. Bieri und Hemsley sind beide in Hanau aufgewachsen und beide sitzen seit 2023 gemeinsam im Magistrat. Seitdem waren sie bei zahllosen Terminen in der Stadt unterwegs, nicht selten mit Kaminsky an ihrer Seite. Der langjährige Oberbürgermeister überließ ihnen dabei bewusst oft die Bühne.

Bieri: "Schon fast sensationell"

SPD-Kandidat Maximilian Bieri ist glücklich mit dem Ergebnis

Hemsley: "Gedacht, es geht enger aus"

Weniger Zufriedenheit, dafür aber Kampfgeist bei CDU-Kandidatin Isabelle Hemsley

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Fairer Wahlkampf

Der Wahlkampf zwischen den beiden blieb fair und respektvoll – wohl auch, weil sie im Magistrat täglich zusammenarbeiten. Inhaltlich setzen die beiden unterschiedliche Akzente.

Bieri, promovierter Mathematiker und früherer Software-Entwickler, verantwortet als Bürgermeister Bildung, Soziales, Demokratie und Vielfalt sowie das Immobilienmanagement der Stadt. Im Wahlkampf wirbt er vor allem für mehr bezahlbaren Wohnraum, gleiche Bildungschancen und eine solide Haushaltspolitik.

Hemsley bringt juristische und betriebswirtschaftliche Erfahrung mit. Vor ihrem Wechsel ins Hanauer Rathaus arbeitete sie beim Technologiekonzern und Reifenhersteller Continental. Als Stadträtin ist sie für Digitalisierung, Mobilität, Sicherheit, Infrastruktur und Bürgerservice zuständig. Im Wahlkampf setzt sie unter anderem auf mehr Videoüberwachung, ein lückenloses Betreuungsangebot von 0 bis 10 Jahren und einen stärkeren Einsatz digitaler Technik in der Stadtentwicklung.

Inhaltlich große Übereinstimmungen

In zentralen Fragen ziehen beide am selben Strang. Ob beim geplanten Erwerb der ehemaligen Kaufhof-Immobilie am Marktplatz oder bei der Ansiedlung von Rechenzentren: Bei wichtigen Projekten der Stadtentwicklung liegen die Positionen von Bieri und Hemsley dicht beieinander. 

Das gilt auch für ein weiteres zentrales Thema der Stadtpolitik, den Streit mit dem Statistischen Landesamt um die korrekte Einwohnerzahl. Die Behörde hatte beim Zensus 2022 eine deutlich geringere Einwohnerzahl für Hanau festgestellt, als sie das städtische Melderegister ausweist. Das hat für die Kommune vor allem finanzielle Auswirkungen, denn die Finanzzuweisungen des Landes hängen zum Teil an der amtlich festgestellten Einwohnerzahl. 

Persönlichkeiten im Mittelpunkt

Gerade deshalb dürfte die Stichwahl weniger über grundsätzliche Richtungsfragen entscheiden, sondern darüber, welcher der beiden Persönlichkeiten die Hanauerinnen und Hanauer die Führung ihrer Stadt eher zutrauen. Zwei Wochen bleiben den beiden noch, um zu überzeugen. Für die Wahl zum Oberbürgermeister sind rund 68.000 Menschen wahlberechtigt.

Das waren die Kandidaten

Maximilian Bieri (SPD)

Der 35-Jährige ist seit 2023 Bürgermeister. Bieri hat die deutsche und die schweizerische Staatsbürgerschaft, weil sein Vater aus der Schweiz kommt. Er ist in Hanau-Steinheim aufgewachsen und hat Mathe studiert. Bieri sagt, er stehe für soziale Verantwortung, moderne Verwaltung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

Isabelle Hemsley (CDU)

Hemsley ist hauptamtliche Stadträtin und ebenfalls seit 2023 im Amt. Die 36-Jährige ist in Großauheim und der Innenstadt groß geworden, hat vor ihrer politischen Tätigkeit als “Head of Learning & Training” bei Continental gearbeitet und dort laut eigener Aussage gelernt, “wie Wandel gestaltet” wird. Ihre Ziele: Sicherheit, Familien stärken und Stadtentwicklung.

Sascha Feldes (Grüne)

Feldes ist gebürtiger Wiesbadener und vielen als langjähriger Ortsvorsteher von Klein-Auheim bekannt - ein Amt, das er seit 2011 innehat. Der 52-Jährige hat in der Hotel-Branche auf drei verschiedenen Kontinenten gearbeitet und ist heute “Travel Manager” bei der Deutschen Bahn. Sein Slogan: “Starke Stadtteile für eine starke Stadt.” 

Henning Statz (FDP)

Er ist 1974 in Hanau geboren und bringt - wie er sagt - Erfahrung aus mehr als 20 Jahren Selbstständigkeit als Unternehmer mit. Statz ist Parteivorsitzender und Fraktionschef der FDP. Sein Fokus liegt auf der Wirtschaft: Statz ist “überzeugt, dass wir selbstbewusst in einen Wettbewerb um Bürger und Unternehmen gehen müssen.”

Jochen Dohn (Linke)

Dohn ist ein echtes Urgestein der Hanauer Stadtverordnetenversammlung. Vor 24 Jahren zog er erstmals ins Parlament - damals noch für die Grünen. Heute ist er Chef von “Die Fraktion” - einem Zusammenschluss aus den Linken und “Die Partei”. Der 53-Jährige möchte als OB unter anderem mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Khurrem Akhtar (Die Gerechtigkeitspartei) 

Er ist der Außenseiter: Akhtar, 49 Jahre alt, wohnt in Rodenbach und hat vor drei Jahren bereits bei der OB-Wahl in Frankfurt kandidiert - holte dabei rund 850 Stimmen. Er wolle Hanau zu einer KI- und IT-Hochburg machen, sagte Akhtar in einem Interview mit der Offenbach Post. 

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