Rettung braucht neues Konzept - Hessische Tierärztin kämpft für Wal Timmy
Kirsten Tönnies aus Hattersheim am Main will Wal Timmy retten, der in der Ostsee feststeckt. Die Tierärztin ist gerade nicht in ihrer Praxis im Main-Taunus-Kreis - sondern an der Ostsee-Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern. Dort steckt Buckelwal Timmy seit fast vier Wochen fest - zuletzt in einer flachen Kuhle am Ende der Kirchsee.
Die 58-Jährige ist zu dem privaten Rettungsteam um Walter Gunz und Karin Walter-Mommert gestoßen, dass sich zur Aufgabe gemacht hat, den Wal zu retten. Zuletzt hat eine Tierärztin das Team verlassen, eine andere schied aus medizinischen Gründen aus.
Bisheriger Rettungsplan verworfen
Den Wal mit Luftkissen anzuheben und mithilfe von Pontons und einer Plane abzutransportieren, komme nicht mehr infrage, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Mittwochabend (22.04.) bei einer Stellungnahme vor der Presse. "Wir müssen das Konzept überarbeiten."
Die private Hilfsinitiative, die vor rund einer Woche vom Umweltminister grünes Licht für das Rettungskonzept erhalten hatte, war nicht wie geplant vor die Presse getreten. Sie arbeite unter Hochdruck an einer Überarbeitung des Plans, sagte Backhaus.
So nah war die hessische Tierärtzin dem Wal
Die vergangene Nacht hat Timmy überstanden. Gegen halb sieben morgens war auf dem Livestream zu sehen, dass er sich gelegentlich bewegt und buckelt - und sein Blasloch spritzt regelmäßig. Aber er ist schwach. Kirsten Tönnies war selbst bei dem Tier - hautnah.
Kritik an den örtlichen Behörden
Dass manche Behörden auf Abwarten setzen, macht die Hattersheimerin wütend. Die Verantwortlichen haben aus ihrer Sicht einfach zu lange weggesehen. Dafür findet die 58-Jährliche klare Worte. “Wegducken ist etwas für Luschen!”, sagt sie im Gespräch mit HIT RADIO FFH. Und noch etwas treibt Tönnies um: Die verlorene Zeit. Ihrer Meinung nach hätte man viel früher die richtigen Leute an den Tisch holen müssen.
Unklar wie es weitergeht
Das Rettungskonzept wird aktuell komplett überarbeitet. Umweltminister Till Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern hat bestätigt: Das ursprüngliche Vorhaben, Timmy auf eine Plane zu heben und per Schiff in die Nordsee zu transportieren, ist vom Tisch.
Weitere Maßnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden. Wie es weitergeht, ist noch offen.
Schlick unter Timmy weggesaugt
Die Rettungsbemühungen konzentrierten sich nach Angaben der Initiative zuletzt darauf, dem Tier mehr Platz zu verschaffen. Schon am Dienstag hatten Helfer mit Saug- und Spültechnik den Untergrund bearbeitet. Inzwischen liegt der Wal in einer Mulde im Wasser, so soll möglichst wenig Eigengewicht auf ihm und seinen Organen lasten.
Wegen der Sonneneinstrahlung wurde sein Rücken mit nassen Tüchern bedeckt. Zweieinhalb Kilogramm Fisch, die dem Wal am Dienstag angeboten wurden, fraß er nicht.
Walfangkommission: Tier beim Sterben begleiten
Expertinnen und Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) empfehlen eine möglichst ruhige und palliative Versorgung des Meeressäugers. Backhaus sieht sich dadurch bestätigt. "Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war", sagte er.
Ein wissenschaftliches Gutachten sei schon Anfang April zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rettungsversuch nicht erfolgversprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge. Auf dieser Grundlage hatte das Land entschieden, auf weitere aktive Eingriffe vorerst zu verzichten.
Sender am Wal befestigt
Inzwischen wurde ein Sender an dem Tier befestigt. So könnte sein Weg verfolgt werden, sollte es sich überraschend doch noch befreien und losschwimmen. Der Wal sei mittlerweile fünf- bis sechsmal gestrandet, wenn man seine Bewegungen am Montag berücksichtige, sagte Backhaus.
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