Waldbrände in Hessen: Das folgt nach dem Feuer
Waldbrände in Hessen - Das folgt nach dem Feuer
Mehr als 100 Mal standen in diesem Sommer hessische Wälder in Flammen. Darunter waren große Flächen in Rodenbach und im Rheingau-Taunus-Kreis. Wie bereitet man sich auf die kommenden Jahre vor und wie erholt sich die Natur von den verheerenden Bränden?
Auch wenn die Bilder von vor Ort eine verkohlte Landschaft zeigen: “Die Waldfläche ist nicht für immer verloren”, beruhigt Moritz Frey von HessenForst im Gespräch mit HIT RADIO FFH. Durch das fehlende Blätterdach gelange wieder mehr Licht auf den Boden. Das sei ein Motor für die Biodiversität und das Pflanzenwachstum, so Frey. Die zurückbleibende Asche wirke zudem als Dünger für junge Bäume und krautige Pflanzen.
Bis Wald wieder “wie vorher” aussieht, dauert es
Nach drei bis fünf Jahren entstehe oft bereits ein Pionierwald, also ein junger Wald. Die extreme Veränderung biete zudem Lebensraum für spezialisierte Arten. So hätten sich nach einem Brand in einem Naturwaldreservat bei Herborn im Jahr 2022 sehr seltene Pilzarten angesiedelt, erklärte der Experte von HessenForst. Bis der Wald wieder aussehe wie vor dem Feuer, dauere es allerdings Jahrzehnte.
Umbau für die Zukunft
Um kommenden Waldbränden vorzubeugen, setzt der Forstbetrieb auf den Umbau der Wälder. Laubbäume brennen laut Frey weniger stark als Nadelbäume wie etwa die Kiefer. Eine wichtige Rolle spiele bei der Prävention die aus Nordamerika stammende Roteiche.
Vier bis fünf Baumarten
Zudem soll Regenwasser gezielt im Wald gehalten werden, anstatt es abzuleiten. Nasse Waldbereiche brennen nicht und helfen laut Frey, eine Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Wenn die Natur sich auf den Brandflächen nicht von selbst mit mindestens drei bis vier Baumarten verjüngt, pflanzen die Förster gezielt klimastabile Baumarten nach. Außerdem wird in gefährdeten Bereichen Totholz entfernt, um dem Feuer potenziellen Brennstoff zu entziehen.
Verbrannte Wälder, traurige Blicke
Für die Revierförster sei der Anblick zerstörter Wälder oft eine Katastrophe, sagte Frey. Ihnen blute angesichts jahrelang gepflegter Bestände das Herz. Das aktive Aufräumen und Neupflanzen helfe jedoch über den Schmerz hinweg.
Zu den schwersten Bränden zählte das Feuer in einem Waldstück zwischen Ober- und Niederrodenbach im Main-Kinzig-Kreis. Dort brannten laut Einsatzkräften rund 55 Hektar Wald nieder. Zeitweise bekämpften hunderte Feuerwehrleute die Flammen an mehreren Stellen gleichzeitig. Brandstiftung wird in diesem Fall nicht ausgeschlossen.
Feuer auch im Rheingau
Auch im Rheingau-Taunus-Kreis kam es zwischen Hohenstein-Breithardt, Born und Bad Schwalbach-Adolfseck zu einem großen Feuer. Den Angaben zufolge standen dort etwa 8.000 Quadratmeter Wald in Flammen. Drei Feuerwehrleute erlitten bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen.
Waldbrände in Nordhessen
Immer wieder kämpfen Einsatzkräfte in Hessen gegen brennende Wälder. Größere Brände gab es in der jüngeren Vergangenheit auch im Reinhardswald bei Kassel, nahe Hanau sowie im Nationalpark Kellerwald-Edersee.