AKW-Biblis-Kühlturm abgerissen: Schwalbenkolonie in Gefahr?
Kühlturm-Abriss trotz Protesten - Was jetzt aus den Biblis-Schwalben wird
Im Kreis Bergstraße wurde der letzte von vier Kühltürmen des stillgelegten Atomkraftwerks Biblis am Freitagmittag (16.1.) abgerissen. Der Abbruch erfolgte laut Betreiber RWE planmäßig. Bis zuletzt hatten Naturschutzorganisationen versucht, den Abriss noch zu stoppen.
Der Grund hierfür ist eine riesige Mehlschwalben-Kolonie, die regelmäßig am 80 Meter hohen Kühlturm genistet hat. Die Naturschützer hatten mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt, um den Bestand der geschützten Zugvögel zu sichern.
Sofortabriss aus Sicherheitsgründen
Der Bergsträßer Kreis-Baudezernent Matthias Schimpf sagte unserem Reporter auf FFH-Nachfrage: „Wir konnten den in dieser Woche begonnenen und genehmigten Abriss jetzt aber nicht mehr stoppen lassen, weil der Turm sonst möglicherweise nicht mehr standsicher gewesen und eventuell unkontrolliert umgekippt wäre.“ Daher habe man nun den vorangetriebenen Abriss letztlich auch verfügen müssen - trotz des Widerspruchs der Naturschützer. RWE schreibt in einer Mitteilung: “Außerhalb des vorgesehenen Abrissbereiches wurden keine umliegenden Gebäude auf dem Gelände der Rückbauanlage durch den sicheren Einsturz beeinträchtigt.”
Schwalbenpopulation in Gefahr
Die Mehlschwalben-Population in Biblis, nach Ansicht der Naturschützer die wohl größte ihrer Art in ganz Deutschland, sei nun stark gefährdet. Gaby Weiß, Tierschützerin und Vogelschutzbeauftragte in Biblis, ist besorgt. Sie spricht im FFH-Interview von rund 432 Mehlschwalbennestern am Kühlturm, den sie als wichtigste Brutstätte dieser Art in Hessen betrachtet. Der Abriss des Turms bedeute laut Weiß wohl das Aus für die Schwalbenkolonie. Deshalb übergab sie mit anderen Tierschützern eine Petition an den Bergsträßer Landrat, um die Vögel zu schützen.
Sind Schwalbentürme die Lösung?
RWE, Betreiber des ehemaligen Kernkraftwerks, hat als Ausgleich schon 2023 acht sogenannte Schwalbentürme aufgebaut. Diese Türme sollen den Vögeln neue Nistplätze bieten. Laut RWE wurden diese Maßnahmen in Absprache mit der Naturschutzbehörde umgesetzt. Trotzdem zweifeln die Tierschützer daran, dass die Türme von den Schwalben angenommen werden. Ein Problem: Die Türme seien deutlich niedriger als die nun abgerissenen Kühltürme.
Tierschützer fordern andere Nistmöglichkeiten
Gaby Weiß und ihre Mitstreiter bezweifeln daher den Erfolg der Schwalbentürme. Die niedrige Höhe und die Nähe zu Bäumen könnten Raubtiere anziehen. Auch die starke Sonneneinstrahlung sei problematisch, da sie das Leben der Jungtiere gefährden könnte. Weiß schlägt daher vor, neue Nistmöglichkeiten direkt an den Bestandsgebäuden des AKW einzurichten. Diese sollten ausreichend Schutz bieten und nicht der direkten Sonne ausgesetzt sein.
Offener Brief an RWE
In einem offenen Brief forderte zuletzt der Verein Wildtierschutz Deutschland RWE auf, den Abriss des letzten verbliebenen Kühlturms auszusetzen. Er verwies auf die mangelnde Wirksamkeit der bestehenden Schwalbentürme. Die Kritik: “Kein einziger Anflug einer Mehlschwalbe konnte bisher dokumentiert werden. Da somit weder eine Nutzung noch eine funktionale Gleichwertigkeit der vorgezogenen Ausgleichsmaßnahme belegt ist, kann aus fachlicher Sicht nicht davon ausgegangen werden, dass die ökologische Funktion der betroffenen Fortpflanzungsstätten ausreichend gesichert ist.”
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