Hessen nahezu lahmgelegt - So läuft der Super-Streik-Tag heute
Egal ob Flug oder Zug - es sind harte Zeiten für Reisende sowie für Pendlerinnen und Pendler. Passagiere bleiben am Boden, Fahrgäste am Bahnhof: Der Arbeitskampf zweier Gewerkschaften führt in diesen Tagen zu erheblichen Einschränkungen im Bahn- und Luftverkehr.
Bei der Lufthansa hat am frühen Morgen der Warnstreik des Bodenpersonals begonnen. Ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi am Frankfurter Flughafen sagte, der Ausstand sei sehr erfolgreich angelaufen. Zudem gingen die Luftsicherheitskontrolleure in Frankfurt und Hamburg in den Ausstand, sodass an beiden Standorten heute keine Passagiere von außen zusteigen können.
Bahnstreik trifft Regional- und Fernverkehr
Parallel ist bei der Bahn um 2 Uhr der Streik der Lokführergewerkschaft GDL gestartet. Sie hat zum 35-Stunden-Ausstand aufgerufen. Im Güterverkehr startete der Streik bereits am Mittwoch um 18.00 Uhr.
Reisende größtenteils vorbereitet
Bei der Bahn war rund jeder fünfte Fernzug im Einsatz. Nur wenige haben sich wegen der Streiks heute auf den Weg zu Bahnhöfen und zum Flughafen gemacht, berichten unsere Reporter. Viele Reisende hatten ihre Fahrt vorgezogen oder auf einen späteren Tag verschoben. Wer es trotzdem versuchte, wurde meist enttäuscht - so wie ein Lehrer und seine Schüler aus Dreieich-Sprendlingen. Sie wollten vom Frankfurter Flughafen zu einem Schüleraustausch nach Spanien aufbrechen.
Klasse kann nicht zum Schüleraustausch starten
Er sei stinksauer, dass er mit seinen Schülern nicht weggekommen sei, sagte der Lehrer unserem Reporter: "Ich kann den Streikenden aber keinen Vorwurf machen.Sie müssen ihre Miete bezahlen, Strom bezahlen, ihre Familien ernähren. Und genau meine Schüler kommen aus Familien, die wenig Geld verdienen. Jeder sollte hier eine gute Teilhabe haben."
Frankfurter Flughafen lahmgelegt
Durch den Streik der Luftsicherheitskräfte bleibt der Frankfurter Flughafen heute für abfliegende Passagiere gesperrt. Der Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals begann in den Technikbereichen schon am Mittwochabend und soll bis Samstagmorgen um 7.10 Uhr fortgesetzt werden. Passagierflüge sind vor allem an diesem Donnerstag und am morgigen Freitag gefährdet.
Lufthansa rechnet mit massiven Auswirkungen
Heute und morgen sollten jeweils rund 1.000 Flüge ausfallen und jeweils rund 100.000 Passagiere betroffen sein, wie ein Unternehmenssprecher in Frankfurt sagte. Die Airline bemühe sich, 10 bis 20 Prozent des ursprünglichen Flugplans darzustellen. In den Flugplänen seien die Streichungen bereits berücksichtigt.
verdi: keine andere Möglichkeit
Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft verdi für das Lufthansa-Bodenpersonal, Marvin Reschinsky, sagte unserem Reporter am Frankfurter Flughafen, er könne verstehen, dass die Passagiere genervt seien. Man habe den Passagierverkehr zuletzt bewusst von Streiks ausgenommen. Ausstände bei der Fracht- und der Techniktochter hätte die Lufthansa aber nicht zurück an den Verhandlungstisch gebracht und deswegen heute leider wieder das Treffen der Passagiere. Der Flughafenverband ADV kritisiert den Streik auf FFH-Nachfrage scharf. Die Gewerkschaften hätten jedes Maß verloren, so Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.
Lufthansa: Arbeitskämpfe kosten bislang 100 Millionen Euro
Die fortgesetzten Warnstreiks bei Lufthansa haben das Unternehmen nach seinen Angaben im laufenden Jahr bislang rund 100 Millionen Euro gekostet. Darüber hinaus hielten sich zahlreiche Kunden mit Buchungen zurück, sagte Finanzvorstand Remco Steenbergen bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. Personalvorstand Michael Niggemann forderte die Gewerkschaften auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Nur dort könnte Lösungen gefunden werden.
Auch Lufthansa-Flugbegleiter wollen streiken
Bei der Lufthansa droht ein weiterer Streik, diesmal bei den Flugbegleitern. Bei der Urabstimmung stimmten mehr als 96 Prozent für Arbeitskämpfe im laufenden Tarifkonflikt, wie die Gewerkschaft Ufo in Mörfelden-Walldorf mitteilte. Ein Streiktermin soll erst später festgelegt werden.
Autovermietungen gefragt
Wenn auf der Schiene und in der Luft nichts mehr geht, ist die Alternative für viele Pendlerinnen und Pendler ein Mietwagen. Die Anbieter spüren diesen Umstieg extrem. Der Mietwagen-Verleih "Avis" etwa sagte unserer Reporterin, dass nahezu alle Autos vergriffen seien. "Normalerweise haben wir immer welche übrig - während solcher Streiks sind wir komplett ausgebucht", heißt es. Auch bei anderen Mietwagen-Anbietern in der Region rund um den Flughafen wurden nach FFH-Information deutlich mehr Autos für die nächsten Tage gebucht. Betroffen ist neben dem Rhein-Main-Gebiet auch Süd- Ost und Mittelhessen.
Flixbus teils ausgebucht
Auch die Alternative Fernbus ist sehr gefragt. Bei Flixbus sind einige Verbindungen mittlerweile ausgebucht, auf vielen Strecken - auch beim Flixtrain - gebe es aber noch genug freie Sitzplätze