Was Autofahrern in Hessen droht - Absichtliches Driften im Schnee
Motoren heulen auf, Reifen drehen durch, Autos schleudern: Kaum liegt Schnee etwa auf den Höhen von Rhön und Vogelsberg, kommt es in Hessen immer wieder zu absichtlichen Driftaktionen von Autofahrern auf öffentlichen Parkplätzen. Die Polizei in Hessen warnt davor.
Wer erwischt wird, muss mit Verwarnungen und Anzeigen rechnen.
Drift-Schwerpunkte in Hessen
"Die Schwerpunkte liegen eindeutig an der Wasserkuppe und am Hoherodskopf", sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Osthessen. Dort würden in schneereichen Wintern regelmäßig Driftaktivitäten und Treffen gemeldet. Zuvor hatte die "Fuldaer Zeitung" darüber berichtet.
Immer wieder Vorfälle
"Grundsätzlich bergen alle verschneiten, wenig frequentierten Parkflächen - auch in anderen Städten und Kommunen - Potenzial für derartige Aktivitäten", erklärt der Polizeisprecher. "Zwar handelt es sich nicht um eine massive, flächendeckende Szene", aber die wiederkehrenden Vorfälle in schneereichen Zeiten "sind uns bekannt und nicht unbeachtlich."
Vereinzelte Fälle am Feldberg und in Wiesbaden
Auch im Gebiet rund um den Feldberg, der höchsten Erhebung im Taunus, probieren manche Menschen auf verschneiten Parkplätzen einmal aus, was Auto und Reifen auf Schnee so hergeben. Laut Polizei handelt es sich jedoch um Einzelfälle.
Das gelte auch für den Wiesbadener Hausberg Hohe Wurzel. Über Beschwerdeanrufe deswegen sei nichts bekannt. Der Wunsch, das Auto und sein Brems- und Fahrverhalten einmal bei winterlichen Verhältnissen auszutesten, könne auch daran liegen, dass Schnee mittlerweile eher selten geworden ist, sagte ein Polizeisprecher.
"Ganzjähriges Phänomen" in Südhessen
Gedriftet wird auch in Südhessen. "Das ist kein unbekanntes Phänomen, findet aber ganzjährig statt - auch auf trockenen Parkplätzen", berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Darmstadt.
Reifenspuren oder Beschwerdeanrufe von lärmgeplagten Nachbarn machten darauf aufmerksam, wenn Drifter am Werk seien. Vor allem an Wochenenden oder spätabends probierten diese ihre Fahrzeuge aus - öfter auch auf Firmenparkplätzen.
Mittlerweile kaum noch Drifter am Hohen Meißner
In Nordhessen spielt das Phänomen nach Angaben der Polizei bislang keine große Rolle. Beschwerden deswegen gebe es sehr selten. Das sei allerdings in früheren Jahren schon anders gewesen, teilte eine Sprecherin mit.
"Im Winter 2020/2021, als mehrere Wochen hoher Schnee in Nordhessen lag und starke Minustemperaturen herrschten, wurden der Polizei vermehrt Driftaktivitäten und Treffen auf Parkplätzen am Hohen Meißner und im Naturpark Habichtswald gemeldet, weshalb die Polizei auch verstärkt auf den betreffenden Parkplätzen unterwegs war und diese im Blick hatte", berichtete die Sprecherin. Beide Bereiche böten mit ihren häufig schneereichen, aber wenig benutzten Parkflächen Potenzial für Winterdrifter.
Nach Auskunft der Polizeidirektion Werra-Meißner gab es auch in den folgenden Wintern am Hohen Meißner vereinzelte Meldungen über Drifter. In dieser Saison seien jedoch kaum derartige Aktivitäten festgestellt worden, teilte die Sprecherin mit. Es handele sich um ein beliebtes Wintersport- und Ausflugsziel, in dem die Polizei ohnehin zu allen Tages- und Nachtzeiten verstärkt mit Streifen unterwegs sei.
Das droht Driftern
In Osthessen rückt die Polizei häufig abends und an Wochenenden aus, meist kurz nach Schneefall. Kontrolliert werden Zufahrtsverbote und Sperrzeiten – und das Fahrverhalten. Wer erwischt wird, muss mit Platzverweisen, Verwarnungen oder Anzeigen rechnen.
Das absichtliche Driften kann schnell teuer werden. Das Befahren gesperrter Parkplätze oder unnötiger Lärm schlägt laut Polizei mit Bußgeldern im zwei- bis dreistelligen Bereich zu Buche. Neben Verstößen gegen Parkplatzregelungen geht es auch um unnötige Lärm- und Abgasbelästigung. In schweren Fällen wie einer Teilnahme an einem illegalen Rennen kann sogar ein Strafverfahren eingeleitet werden – mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren.
Polizei: Drifter gefährden sich und andere
Die Polizei warnt ausdrücklich vor den Risiken. Unkontrollierte Fahrzeuge gefährdeten nicht nur den Lenker selbst, sondern auch andere Autofahrer sowie Spaziergänger und Wintersportler in der Nähe. Hinzu kämen Sachschäden an Straßen, Grünflächen oder parkenden Autos sowie vermeidbare Lärm- und Abgasbelastungen von Anwohnern.
Prävention in Osthessen
Um dem Trend entgegenzuwirken, setzen die Beamten in Osthessen auf Präsenz und Prävention. "Die Polizei ist in den Wintermonaten regulär und mit verstärkter Präsenz auf den betroffenen Parkplätzen unterwegs, nicht nur auf Anforderung durch Beschwerden", betont ein Polizeisprecher. Ziel dieser Maßnahmen sei es, Störungen der öffentlichen Sicherheit zu verhindern, Verstöße zu ahnden und auf Gefahren hinzuweisen.
Vorschlag der Polizei: Fahrtraining mit Anleitung von Profis
In Zusammenarbeit mit örtlichen Behörden, dem Landkreis Fulda und Parkplatzbetreibern werden Sperrzeiten festgelegt und überwacht. Gleichzeitig appelliert die Polizei an alle Autofahrer: defensiv fahren, Regeln beachten – und riskante Manöver unterlassen.
"Wer Interesse daran hat, seine Fähigkeiten im Straßenverkehr zu verbessern und sein Fahrzeug besser kennenzulernen, hat die Möglichkeit alternative Trainingsmöglichkeiten zu nutzen", sagt der Polizeisprecher. "Serviceangebote wie Fahrsicherheitstrainings auf gesicherten Plätzen mit professioneller Anleitung sind die geeignete Alternative, um das Fahrverhalten im Winter zu trainieren."
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