Streitthema - Melden sich Hessen zu viel krank?
Der Bundeskanzler kritisiert den Krankenstand im Land. Eine Krankenkasse hat sich die Zahlen angeschaut. Und macht Vorschläge, wie man die Zahlen senken könnte.
Nach der Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am angeblich zu hohen Krankenstand in Deutschland hat sich die Krankenkasse DAK die Zahlen für Hessen angeschaut. Das Ergebnis: DAK-versicherte Beschäftigte waren 2025 durchschnittlich an 20,4 Kalendertagen krankgeschrieben.
Kein Anstieg
Gestiegen ist die Zahl der Krankentage im Bundesland nicht: 2024 gab es genauso viel Arbeitsausfall wie 2025. Aber die Fehlzeiten liegen in Hessen etwas über dem Bundesdurchschnitt, wo DAK-versicherte Beschäftigte nur 16,6 krankheitsbedingte Fehltage pro Kopf hatten.
Eingependelt auf hohem Niveau
"Insgesamt pendelt sich der Krankenstand in Hessen auf einem hohen Niveau ein", fasst die Kasse zusammen. Deutlich höher lagen die Fehlzeiten etwa in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Baden-Württemberg hatte bundesweit den geringsten Arbeitsausfall.
Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch
Die meisten Fehltage gingen auf das Konto von Atemwegserkrankungen (431 Fehltage je 100 Versicherte). Danach folgten psychische Erkrankungen mit 383 Fehltagen je 100 Versicherte - das waren 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf Rang drei landeten Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 348 Tagen je 100 Versicherte.
Für die aktuelle Analyse wertete das Berliner IGES Institut die Daten von rund 257.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Hessen aus.
Streitpunkt telefonische Krankschreibung
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist der seiner Meinung nach zu hohe Krankenstand ein Dorn im Auge. Er sprach sich für eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung aus. CSU-Chef Markus Söder sagte, die Abschaffung sei ein wichtiger Ansatz: "Das Blaumachen muss reduziert werden."
Die DAK verteidigt dieses Instrument hingegen: "Die Möglichkeit einer telefonischen Krankschreibung ist grundsätzlich richtig, da sie insbesondere in Grippe- und Erkältungswellen Arztpraxen und Patientinnen und Patienten entlastet", sagte Hessens DAK-Landeschefin Britta Dalhoff der Nachrichtenagentur dpa. "Dies bestätigen auch die Hausärzte."
Umfrage: Mehrheit für telefonische Krankschreibung
Eine deutliche Mehrheit der Bürger in Deutschland ist einer Umfrage zufolge gegen eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. In der Forsa-Umfrage im Auftrag von "Stern" und RTL sprachen sich 62 Prozent für die Beibehaltung der Regelung aus, 35 Prozent plädierten dagegen. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat für die repräsentative Erhebung am 22. und 23. Januar 1.007 Bürger befragt.
Vor allem Jüngere wollen die Möglichkeit beibehalten. Auffällig auch: Während Selbstständige mit 55 Prozent für eine Abschaffung sind, wollen 69 Prozent der Beschäftigten die Regelung beibehalten.