Wer und was betroffen ist - Piloten-Streik bei der Lufthansa heute
Passagiere der Lufthansa müssen an diesem Donnerstag und Freitag (12. und 13. März) mit zahlreichen Einschränkungen rechnen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat mehr als 5.000 Beschäftigte zu einem 48-Stunden-Streik aufgerufen. Besonders betroffen ist der Frankfurter Flughafen.
Der auf zwei Tage angelegte Pilotenstreik bei der Lufthansa hat an den Drehkreuzen München und Frankfurt Hunderte Flüge ausfallen lassen. Das berichten die jeweiligen Flughafenbetreiber für den Donnerstag. Danach fallen am ersten Streiktag in Frankfurt rund 400 von 1.165 geplanten Starts und Landungen aus. In München wurden 230 von rund 800 Flugbewegungen gestrichen.
Gewerkschaft sieht mehr Ausfälle als erwartet
Die streikende Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) berichtet von einer hohen Beteiligung der Beschäftigten an der bereits zweiten Streikwelle. Der Arbeitskampf verlaufe wirkungsvoller als erwartet, erklärte VC-Präsident Andreas Pinheiro. So seien am Donnerstagvormittag mehr als 75 Prozent der bestreikten Kurzstreckenflüge und mehr als 70 Prozent der bestreikten Langstreckenflüge ausgefallen. Die Lufthansa war im Vorfeld noch davon ausgegangen, jeden zweiten Flug durchführen zu können.
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Keine Streiks auf Flügen nach Nahost
Die VC hatte in der vergangenen Woche wegen der angespannten Situation im Luftverkehr nach Nahost von Streikmaßnahmen abgesehen. Nun sollen Flüge in den arabischen Raum nicht bestreikt werden. Ausdrücklich sind folgende Destinationen vom Arbeitskampf ausgenommen: Ägypten, Aserbaidschan, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien sowie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).
Trotzdem Betrieb in Frankfurt: Eurowings fliegt
In den Terminals herrsche ganz normaler Betrieb, sagte ein Sprecher des Frankfurter Betreibers Fraport. Nur in den Lufthansa-Abschnitten sei es etwas ruhiger. Andere Lufthansa-Gesellschaften wie die Eurowings und sämtliche ausländischen Töchter wurden nicht bestreikt. Von Ausfällen betroffene Gäste sollten per E-Mail benachrichtigt werden. Gäste, die nicht kontaktiert werden, könnten vorerst davon ausgehen, dass ihr Flug nicht betroffen ist. Zu einem normalen Flugbetrieb werde man voraussichtlich am Samstag zurückkehren können.
Erste Entspannung am Freitag
Bereits für den Freitag wird eine erste Entspannung erwartet, weil die kleine Teilgesellschaft Lufthansa Cityline nur einen Tag lang bestreikt werden soll. Die Regionaltochter übernimmt Zubringerflüge von kleineren Flughäfen an die beiden Drehkreuze. Während es bei der Regionaltochter Cityline um eine Anhebung der Gehälter geht, streiten die Tarifpartner bei der Cargo und der Kerngesellschaft um höhere Betriebsrenten.
Bereits viele Flugausfälle beim Streik im Februar
Es ist bereits die zweite Streikwelle in der laufenden Tarifauseinandersetzung bei der Lufthansa-Kerngesellschaft. Am 12. Februar hatten die Piloten für einen Tag die Arbeit niedergelegt. Mehr als 800 Flüge mit rund 100.000 Passagieren fielen aus. Lufthansa hatte die zweite Streikwelle als unnötige Eskalation bezeichnet und auf die angespannte Ertragssituation bei der Kerngesellschaft Lufthansa verwiesen.
Ziel: Verhandlungsfähiges Angebot
Laut VC-Präsident Andreas Pinheiro liegt weiterhin kein Angebot vor. "Es hilft nicht, wenn die Gegenseite nur Gesprächsbereitschaft signalisiert, aber nicht über substanzielle Verbesserungen der betrieblichen Altersversorgung sprechen möchte." Der Sprecher der Tarifkommission, Arne Karstens, erklärte: "Sieben Verhandlungsrunden, lange Bedenkzeiten und sogar ein vermittelndes Angebot – all das hat der Arbeitgeber verstreichen lassen. Jetzt reden wir erst weiter, wenn ein verhandlungsfähiges Angebot vorliegt."
Spohr: Piloten wollen Karrierechancen
Die Lufthansa hatte nach dem Streik bei der Kerngesellschaft kostenneutrale Reformen des Betriebsrentensystems vorgeschlagen, um danach mit Hilfe eines externen Moderators über die grundsätzliche Organisation des Flugbetriebs zu sprechen. Daran hängen auch die Karrierechancen der einzelnen Piloten. Vorstandschef Carsten Spohr hat erklärt, dass dies die Beschäftigten weit mehr interessiere als das ohnehin auskömmliche Betriebsrentensystem. Auch mit der Kabinengewerkschaft Ufo sei man in Gesprächen zum Manteltarifvertrag, heißt es aus dem Konzern.
Kritik an Konzernstrategie
Die VC hatte zunächst ablehnend auf den neuen Vorstoß des Managements reagiert. Sie kritisiert seit langem die Konzernstrategie, mit neuen Flugbetrieben wie City Airlines und Discover die Arbeitsbedingungen bei den älteren Konzerngesellschaften unter Druck zu setzen. In den Verhandlungen konzentriert sie sich aber aus rechtlichen Gründen allein auf Forderungen, die mit Tarifverträgen geregelt werden können.
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