Streik bei Lufthansa gestartet - Kaum Starts in Frankfurt
Bei der Lufthansa haben die angekündigten Streiks der Piloten und Flugbegleiter begonnen. Wegen der ganztägigen Arbeitsniederlegungen können hunderte Jets der größten Airline nicht starten.
Laut Flughafen-Betreiber Fraport sind in Frankfurt aktuell 625 Starts und Landungen der Lufthansa vorgesehen - normalerweise wären es 1110. Ein Blick auf den Abflugplan zeigt: Zwar landen heute früh einige Lufthansa-Maschinen, die meisten Starts wurden allerdings annulliert.
Das Unternehmen nannte am Morgen keine exakten Zahlen. An den Umbuchungsschaltern der Lufthansa bildeten sich längere Schlangen. Nach einer Schätzung des Flughafenverbands ADV sind deutschlandweit 69.000 Passagiere betroffen.
Terminal A deutlich leerer
Die Crewstreiks bei der Lufthansa sind nach Einschätzung der aufrufenden Gewerkschaft erfolgreich angelaufen. "Der Streik läuft, wie wir es erwartet haben", sagte Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger am Frankfurter Flughafen.
Laut Flughafenbetreiber Fraport war es insbesondere im Terminalbereich A deutlich leerer als sonst. Dieser Abschnitt wird ausschließlich von Lufthansa genutzt. Weil alle übrigen Airlines aber nicht bestreikt werden, herrschte in den anderen Abschnitten reger Publikumsverkehr. Zudem wird es gemäß Fraport am Freitag ziemlich voll am Flughafen: Insgesamt werden mehr als 170.000 Passagiere erwartet - viel für einen Tag außerhalb der Ferien.
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit geht nach ersten Rückmeldungen von einer hohen Arbeitskampfbereitschaft ihrer Mitglieder aus. "Wir sehen in Frankfurt eine sehr gute Beteiligung", sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro am Flughafen. Er sagte weiterhin: "Was wir brauchen, ist ein neues Angebot. Die Lufthansa hat sich nicht gemeldet."
Der Gewerkschafter schloss weitere Streiks für höhere Betriebsrenten nicht aus. "Als Gewerkschaft haben wir nicht viele Mittel außer dem Arbeitskampf. Wenn es kein Angebot gibt, dreht sich die Eskalationsspirale immer weiter."
Fluggäste sollten sich vorab informieren
Fluggäste sollten vor allem auf digitalen Wegen informiert werden und möglichst nicht auf eigene Faust zum Flughafen kommen. Lufthansa hat angekündigt, im großen Umfang elektronische Umbuchungen anzubieten. Erst für den Freitag rechnet die Airline wieder mit der Rückkehr zum normalen Flugplan.
Streik und Warnstreik
Die rund 4.800 Piloten der Lufthansa und der Lufthansa Cargo streiken für höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten. Hierzu liegt schon seit dem Herbst eine Urabstimmung der Mitglieder vor, die mit deutlicher Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt haben. Von einem Streik hatte die Gewerkschaft in den letzten Monaten abgesehen.
Die Kabinengewerkschaft Ufo will ohne Urabstimmung der knapp 20.000 Beschäftigten mit einem Warnstreik Verhandlungen erzwingen zu Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline. Allein dort seien wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht, heißt es. Ufo will für die Beschäftigten einen tariflichen Sozialplan aushandeln, der bislang vom Management verweigert werde.
Vorstand warnt vor hohen Kostensteigerungen
Der Lufthansa-Vorstand kritisierte die Crew-Streiks als "völlig unnötige Eskalation". Die Forderungen der Gewerkschaften würden weitere starke Kostensteigerungen bei der Lufthansa-Kerngesellschaft bedeuten, sagte Personalvorstand und Arbeitsdirektor Michael Niggemann in Berlin. Dort gebe es aber keinerlei Spielraum.
Die mit Abstand größte Airline des Konzerns war 2024 in die Verlustzone gestürzt und soll mit einem Sanierungsprogramm namens "Turnaround" wieder auf Kurs gebracht werden. Am 6. März legt der MDax-Konzern auch dazu neue Zahlen vor.