Verdi-Warnstreik legt Kassel lahm: Was fährt und was nicht?
Wieder Warnstreik im Nahverkehr - Was fährt und was nicht in Kassel?
Heute trifft es Pendlerinnen und Pendler in Nordhessen: Die Gewerkschaft Verdi hat im Tarifstreit der kommunalen Verkehrsbetriebe zum Warnstreik in Kassel aufgerufen.
Die Beschäftigten der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) hätten pünktlich zum Beginn der Frühschicht um 3.30 Uhr die Arbeit niedergelegt, sagte der zuständige Sekretär der Gewerkschaft Verdi, Olaf Schüssler. Er sprach am Morgen von einer sehr guten Beteiligung. "Insgesamt rechnen wir mit rund 500 Teilnehmern", erklärte er. Der Ausstand ist für den ganzen Tag bis zum Ende der Spätschicht in der Nacht geplant.
Lage am Bahnhof Wilhelmshöhe
Am Bahnhof Wilhelmshöhe in Kassel ist die Lage aktuell aber relativ entspannt, berichtet unsere Reporterin vor Ort. Viele ankommende Pendlerinnen und Pendler steigen entweder in einen Bus des NVV oder laufen Richtung Arbeit. Ein paar nutzen auch Taxis, die sich sich vor dem Bahnhof aneinander reihen.
RegioTrams von Streik betroffen
Betroffen ist vor allem der Verkehr direkt in der Stadt, die NVV-Linien sind vom Streik nicht betroffen. Neben dem kompletten Ausfall aller Bus- und Straßenbahnlinien in Kassel sind laut Mitteilung auch die Bahnen der RegioTram Gesellschaft (RTG) betroffen. Hintergrund sei die Ausweitung des Ausstandes auf die KVG-Abteilungen Leitstelle und Werkstatt, teilte die RTG mit. "Wenn diese sicherheitsrelevanten Bereiche nicht arbeiten, dürfen auch keine RegioTrams fahren", hieß es.
Diese Linien sind laut NVV vom Streik betroffen:
- die Buslinien 1 bis 29 in der Stadt Kassel sowie die Buslinien 11, 17 und 22 im Umland
- die Tram-Verbindungen nach Vellmar, Baunatal und durch das Lossetal entfallen
- die AnrufSammelTaxi-Linien 91 bis 97 werden nicht bedient
Hier kann es Probleme geben
Die Regionalbusse ab Linie 30 fahren planmäßig, wie der Nordhessischem Verkehrsverbund (NVV) mitteilt. Einschränkungen würden jedoch dort entstehen, wo Regionalbuslinien am Stadtrand enden und normalerweise auf KVG‑Linien übergehen – etwa in Fuldatal, Baunatal, Vellmar oder im Lossetal. Diese Anschlussverbindungen können laut NVV nicht angeboten werden.
Auswirkungen sollen abgefedert werden
Die RegioTram-Gesellschaft (RTG) teilt mit, dass sie ein Ersatzangebot bereitstellt, um die Auswirkungen für die Fahrgäste so gut wie möglich abzufedern. Für den Streiktag wurde ein Sonderfahrplan ausgearbeitet.
- RT1 – Schienenersatzverkehr im Stundentakt
Für die Linie RT1 wird zwischen 5 und 24 Uhr ein Schienenersatzverkehr im Stundentakt zwischen Hofgeismar-Hümme/Bahnhof und Kassel Königsplatz/Mauerstraße eingerichtet. Damit bleibt die Erreichbarkeit der wichtigsten Haltepunkte trotz des Streiks gewährleistet. - RT4 – Zusatzhalte der Regionalzuglinie RB4 in Calden-Fürstenwald
Auf der Linie RT4 plant die Kurhessenbahn (KHB) zusätzliche Halte der Regionalzuglinie RB4 (Korbach <> Kassel) in Calden-Fürstenwald ein. Ein Ersatzverkehr mit Bussen, für eine Ersatzbedienung der ausgefallenen RT-Fahrten, konnte von der RTG leider nicht organisiert werden. - RT5 – Zusatzhalte der Regionalzuglinie RE5 in Guxhagen, Körle, Melsungen-Röhrenfurth, -Schwarzenberg und -Bartenwetzerbrücke
Cantus hält mit der Regionalzuglinie RE5 (Bad Hersfeld <> Kassel) zusätzlich in Guxhagen, Körle, Melsungen-Röhrenfurth, Melsungen-Schwarzenberg und Melsungen-Bartenwetzerbrücke.
Verdi beklagt "Angriff" auf Tarifwerk
Grund für den Warnstreik bei der KVG ist laut Verdi der "Eklat" am Ende der dritten Runde der Tarifverhandlungen. "Buchstäblich in letzter Minute der Verhandlungen haben die Arbeitgeber aus heiterem Himmel einen regelrechten Angriff auf unser Tarifwerk gestartet", erklärte der zuständige Gewerkschaftssekretär Olaf Schüssler.
Verdi sieht nur Streik als Antwort
So solle die Aufstockung des Krankengelds gestrichen werden. "Sie wollen denen, die wegen Krankheit ohnehin schon stark belastet sind, auch noch ihre Zuschüsse streitig machen." Zudem solle die tarifliche Zulage zur Mitarbeitergewinnung künftig mit Tariferhöhungen verrechnet werden. "Das heißt, die Kolleginnen und Kollegen sollen sich deutlich verschlechtern. Darauf kann es nur eine Antwort geben: Streik."
Die Tarifverhandlungen
Die ÖPNV-Verhandlungen werden von Verdi parallel in allen Bundesländern geführt. Es geht in Hessen nicht um die Gehälter der Beschäftigten, sondern um die Arbeitsbedingungen nach dem Manteltarifvertrag.