Zeitumstellung am Wochenende - Erhöhtes Risiko für Wildunfälle am Morgen
Durch die Umstellung auf die Sommerzeit fällt der Berufsverkehr wieder in die Dämmerung – eine Zeit, in der viele Wildtiere unterwegs sind. Experten raten zu besonderer Vorsicht am Steuer.
Für die Zeitumstellung am kommenden Wochenende warnt das Regierungspräsidium Kassel vor einer erhöhten Gefahr von Wildunfällen. "Insbesondere die morgendlichen Stoßzeiten im Berufsverkehr fallen durch die Zeitumstellung wieder in die Dämmerungszeit", erklärt die Behörde, die auch die Obere Jagdbehörde des Landes ist. Genau zu dieser Zeit seien viele Wildtiere besonders aktiv. "Pendlerinnen und Pendler sollten daher auf Landstraßen besonders aufmerksam sein."
Gut 12.000 Rehe bei Unfällen getötet
Auch der Landesjagdverband Hessen rät zu erhöhter Aufmerksamkeit in den frühen Morgenstunden zwischen 6.00 und 8.00 Uhr. Rund 13.740 Rehe, Hirsche und andere sogenannte Schalenwildarten wurden dem Verband zufolge im Jagdjahr 2024/25 als Unfallwild in Hessen gezählt, darunter allein 12.004 Rehe. Unter Schalenwild verstehen Jäger wildlebende Huftiere.
"Vor allem mit Rehen kommt es im April und Mai regelmäßig zu vielen Unfällen", erläutert Sprecher Markus Stifter. Hinzu komme, dass junge Böcke auf der Suche nach einem eigenen Revier oft unruhig unterwegs seien und Straßen unvermittelt überquerten. "Autofahrer sollten deshalb an Wald- und Feldrändern besonders aufmerksam fahren und stets mit plötzlich wechselndem Wild rechnen."
Keine plötzlichen Ausweichmanöver
"Stehen Tiere auf oder neben der Straße, sollten Autofahrer möglichst ruhig bleiben und nicht überstürzt reagieren", rät Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen. Besonders gefährlich in solchen Situationen seien plötzliche Manöver, um Wildtieren auszuweichen. "Dadurch riskiert man Unfälle mit dem Gegenverkehr oder das Abkommen von der Fahrbahn."
Müdigkeit durch Zeitumstellung
Der Verkehrsclub macht überdies darauf aufmerksam, dass bei einigen Menschen infolge der Zeitumstellung der Biorhythmus stark durcheinander gerate und es zu erhöhter Müdigkeit und mangelndem Konzentrationsvermögen kommen könne. Für sie sei es in den folgenden Tagen besonders wichtig, vorsichtig und vorausschauend zu fahren und sich nicht übermüdet ans Steuer zu setzen.
"Um die Anpassung an die Sommerzeit zu erleichtern, hilft Bewegung an der frischen Luft, wie spazieren gehen oder Rad fahren", erklärt Herda. "Zudem kann es sinnvoll sein, die Tage vor der Zeitumstellung früher schlafen zu gehen, um die innere Uhr umzugewöhnen."
Um einen Unfall zu vermeiden, raten die Experten:
- Die Geschwindigkeit an unübersichtlichen Wald- und Feldrändern reduzieren.
- Bei Wildwechsel aufmerksam bremsen und stets mit weiteren Tieren rechnen.
- Wer ein Tier am Straßenrand sieht, sollte abblenden, hupen und die Geschwindigkeit sofort verringern.
Im Fall eines Wildunfalls empfehlen sie:
- Die Unfallstelle sichern, Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen.
- Die Polizei unter 110 anrufen, bei Verletzten den Notruf 112 wählen.
- Ein verletztes Tier sollte nicht verfolgt werden. Die Fluchtrichtung sollte angegeben und die Unfallstelle gut sichtbar markiert werden, beispielsweise mit einer Einkaufstüte, damit der Jäger das Tier rasch finden kann.
- Die Polizei sollte auch dann informiert werden, wenn das Tier nach dem Zusammenprall in den Wald flüchtet. Sie meldet den Unfall der Försterin oder dem Jagdpächter, der dafür sorgt, dass das Tier nicht weiter leiden muss.
- Verletzte oder tote Tiere nicht anfassen oder gar ins eigene Auto laden: Der Förster oder die Jagdpächterin kümmern sich um die Bergung und den Abtransport des Tieres.
- Den Unfall für die Versicherung dokumentieren: Fotos von Unfallort, von dem Tier und dem Fahrzeug machen.
- Eine Wildunfall-Bescheinigung von Polizei, Förster oder Jagdpächter ausstellen lassen.
- Die Versicherung umgehend informieren.