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Zwischenbericht nach zwei Jahren Cannabis-Legalisierung

Nach zwei Jahren legalem Kiffen - Kein deutlich höherer Cannabis-Konsum

Cannabis-Legalisierung
© Annette Riedl/dpa

Forscher legen einen Zwischenbericht nach zwei Jahren Teillegalisierung vor. (Symbolbild)

Licht und Schatten: Ein Bericht zwei Jahre nach der Teillegalisierung von Cannabis sieht auch kritische Entwicklungen. Wie sieht es aus beim Gesundheitsschutz oder beim Kampf gegen den Schwarzmarkt?

Zwei Jahre nach der umstrittenen Teillegalisierung von Cannabis sieht ein wissenschaftlicher Zwischenbericht auch Fehlentwicklungen und Korrekturbedarf an einigen Stellen. Inzwischen komme ein leicht wachsender Konsumanteil aus legalen Quellen, heißt es in einer Zwischenbilanz von Expertinnen und Experten der Universitäten Düsseldorf, Hamburg und Tübingen. Und es gebe Anzeichen, dass der Schwarzmarkt "langsam durch legale Angebote verdrängt wird". 

Für eine abschließende Bewertung sei es aber verfrüht. Aus Daten lasse sich bislang nicht ablesen, ob die Organisierte Kriminalität in diesem Bereich geschwächt sei, sagt Suchtforscher Jakob Manthey vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) der Deutschen Presse-Agentur. 

Kritisch sieht die Analyse: Für therapeutische Zwecke werde viel zu oft Medizinalcannabis mit zu hohem Wirkstoffgehalt verschrieben, was ein erhöhtes Gesundheitsrisiko berge. Frühe Interventionen zur Suchtvorbeugung bei Kindern und Jugendlichen seien zudem zurückgegangen. Die Polizei beklage Probleme bei der Verfolgung des weiter existierenden illegalen Cannabis-Handels. 

"Größter legal-kommerzieller Cannabismarkt Europas geschaffen" 

In der Evaluation zu den Auswirkungen des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) lässt auch aufhorchen: Der Gesetzgeber habe in Deutschland "den größten prinzipiell legal-kommerziellen Markt" für medizinisches Cannabis in Europa geschaffen. 

2025 seien 200 Tonnen medizinisches Cannabis legal-kommerziell eingeführt worden, berichtet Manthey, Koordinator des Forschungsprojekts. "Es gibt in keinem anderen europäischen Land einen legalen Cannabismarkt in dieser Größenordnung." 

Im Vergleich zu 2024 sei das ein Einfuhrplus von 198 Prozent. Der Import – vor allem aus Kanada – sei privatwirtschaftlich organisiert, erläutert der Forscher. Ob und in welchem Umfang dabei auch illegale Gruppen an der Herstellung des Cannabis aus medizinischem Anbau involviert seien und was genau dann hierzulande mit den gestiegenen Mengen passiere, sei unklar. Es fehle an Transparenz und es gebe Hinweise darauf, dass Deutschland auch Verteilzentrum sei. 

Anbauvereinigungen spielen kaum eine Rolle

Insgesamt wird der Gesamtbedarf in Deutschland pro Jahr von den Experten auf 670 bis 823 Tonnen geschätzt. Seit April 2024 bauten immer mehr Konsumierende Cannabis selbst an. Nicht-kommerzielle Anbauvereinigungen, die nach einer Genehmigung erlaubt sind, "spielen bei der partiellen Verdrängung des Schwarzmarktes" noch eine untergeordnete Rolle, heißt es im zweiten Zwischenbericht. Anbau und Weitergabe aus diesen Vereinigungen sollten gestärkt werden. Eine Genehmigung sei derzeit allerdings komplex und unterliege sehr restriktiven Bedingungen. 

Gesundheitsrisiken durch hochpotente Cannabisblüten

Der Bezug von Cannabis aus der Apotheke sei moderat gestiegen. Es würden regelmäßig Präparate oder Blüten mit einem sehr hohen THC-Gehalt – im Durchschnitt 25 Prozent – verschrieben. Das bedeute ein erhöhtes Risiko für psychische Probleme. Der Gehalt des psychoaktiven Tetrahydrocannabinol in frei verschreibbaren Blüten solle bei unter 10 Prozent liegen. Wenn bestimmte Patientengruppen einen höheren THC-Gehalt benötigten, könne das unter "Betäubungsmittel" geführt werden. 

Auswirkungen auf Jugendschutz rufen nach rechtlichen Korrekturen 

Seit April 2024 sind Kiffen und der Anbau für Volljährige mit vielen Beschränkungen erlaubt. Erwachsene dürfen daheim bis zu drei Pflanzen anbauen, bis zu 50 Gramm Cannabis aufbewahren und bis zu 25 Gramm unterwegs bei sich haben. Für Jugendliche ist Cannabis weiterhin verboten. Der Kinder- und Jugendschutz sollte gestärkt werden. 

Aber: Frühinterventionen und Beratungsangebote für Jugendliche, die Cannabis konsumieren, würden nun deutlich seltener in Anspruch genommen. Ein Grund dafür dürfte sein, dass nach den neuen Regelungen bei Cannabis-Auffälligkeiten in der Regel keine Strafanzeige mehr erstattet werde – es sei denn, der junge Mensch mache sich strafbar oder gefährde andere, erläutert Suchtforscher Daniel Kotz aus Düsseldorf. Es gebe durch die Justiz kaum noch verpflichtende Zuweisungen in Frühinterventionskurse. 

Die Zuständigkeiten seien unklarer und die Zusammenarbeit schwieriger geworden zwischen relevanten Akteuren wie Polizei, Jugendhilfe und Suchtprävention. Überraschend ist, dass aber unter Jugendlichen ein hohes Risikobewusstsein bei Cannabis besteht: Der Anteil konsumierender Jugendlicher gehe anhaltend seit 2019 zurück. 

Strafverfolgung sieht weniger Möglichkeiten 

Die Evaluation sieht Anhaltspunkte dafür, dass der Bezug von Cannabis auf dem Schwarzmarkt zurückgegangen sei. Eine Befragung von mehr als 2.000 Personen aus den Reihen der Kriminalpolizei ergab zugleich, dass es schwieriger geworden sei, Akteure auf dem illegalen Schwarzmarkt zur Rechenschaft zu ziehen. Vor allem die Strafverfolgungsbehörden beklagten, dass die Kriminalität mit Bezug zu Cannabis schwerer bekämpft werden könne, berichtet Kriminologe Jörg Kinzig von der Uni Tübingen.

Mit Blick auf den Verbrauch insgesamt in Deutschland heißt es: "Ein Anstieg des Konsums, der auf die Reform zurückgeführt werden könnte, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennbar." 

Der Abschlussbericht soll im April 2028 folgen.

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