Koalition in Rheinland-Pfalz - Was CDU und SPD jetzt vorhaben
Weniger als sechs Wochen nach der Landtagswahl steht die Koalition von CDU und SPD. Am Samstag sollen nun noch die Parteigremien grünes Licht geben. Was die Rheinland-Pfälzer anders machen wollen als die schwarz-rote Koalition im Bund.
Der Vertrag für die erste große Koalition in Rheinland-Pfalz steht. An diesem Samstag wird er von den Gremien beider Parteien diskutiert und verabschiedet. Die CDU kommt dafür in einem Mainzer Hotel zu ihrem Landesparteiausschuss zusammen. Erwartet werden rund 120 Delegierte und bis zu 50 Gäste. Vor der Abstimmung sprechen Generalsekretär Johannes Steiniger und Parteichef Gordon Schnieder.
SPD-Parteitag in Nieder-Olm
Zum außerordentlichen SPD-Parteitag werden rund 320 Delegierte und 130 Gäste in Nieder-Olm erwartet. Parteichefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler eröffnet in der Ludwig-Eckes-Halle die Veranstaltung. Nach der Rede von Ministerpräsident Alexander Schweitzer wird über den Koalitionsvertrag diskutiert und abgestimmt.
Der Koalitionsvertrag trägt den Titel "Gemeinsame Verantwortung für ein starkes Rheinland-Pfalz". "Wir wollen für Rheinland-Pfalz eine verlässliche und stabile Regierung bilden", sagte Schnieder. "Wir haben also eine gemeinsame Vorstellung von dem entwickelt, wie wir mit den Herausforderungen für unsere Heimat umgehen." SPD und CDU wollten "hart arbeiten für Rheinland-Pfalz".
"Ich bin wirklich nicht zufrieden mit der Darstellung, wie wir sie in den letzten Tagen und Wochen aus Berlin sehen", sagte Schnieder mit Blick auf Schwarz-Rot im Bund. "Und ich bin bester Dinge, das ist das hier nicht zu sehen geben wird."
100 Seiten starker Koalitionsvertrag
Der rund 100 Seiten starke Koalitionsvertrag sieht eine Vielzahl von gemeinsamen Vorhaben, aber auch einige Kompromisse vor. Das sind einige der Vereinbarungen:
- Geplant ist die schrittweise, aber komplette Abschaffung der Straßenausbaubeiträge. Rheinland-Pfalz ist laut CDU das einzige Bundesland, in dem Grundstückseigentümer noch immer verpflichtet sind, sich finanziell am Straßenausbau zu beteiligen. Grundsätzlich soll die Sanierung von Straßen und Brücken Priorität haben.
- Der Übergang von der Kita in die Schule soll neu geregelt werden. Es sollen Sprachtests, verpflichtende Sprachförderung und ein verbindliches letztes Kita-Jahr eingeführt werden.
- Das Sicherheitspaket von CDU und SPD sieht jährlich bis zu 500 neue Stellen bei der Polizei vor. Es soll einen "rechtssicheren Einsatz von KI-gestütztem Videoschutz" geben. Beide Seiten betonten, dass das nicht die künftige Nutzung der umstrittenen Software "Gotham" des US-Unternehmens Palantir bedeute. Damit arbeitet etwa das CDU-geführte Nachbarland Hessen.
- Asylsuchende sollen nur bei realistischer Bleibeperspektive auf die Kommunen verteilt werden. Zudem soll die Teilnahme an Integrations- und Sprachkursen verbindlich werden.
- Modernisierungsagenda: Neben geordneten Finanzen sollen sich nach den Worten von Schweitzer die Themen Bürokratieabbau, Digitalisierung und Staatsmodernisierung durch alle Themenbereiche der Landesregierung ziehen. Auch eine Reform der wichtigen Behörde ADD ist vorgesehen.
- Kommunaler Finanzausgleich: Es soll für die Kommunen einen spürbaren Zuwachs geben, kündigte Schweitzer an. Die Rede ist von einem dreistelligen Millionenbetrag.
- Geplant ist laut Schweitzer ein Dorfkneipenprogramm.
- Eine echte Lernmittelfreiheit soll nach Angaben von Schweitzer schrittweise kommen - gemeint ist damit die kostenlose Bereitstellung von Schulbüchern und Arbeitsheften.
- Schweitzer zufolge haben sich beide Seiten auf ein "fortschrittliches Tariftreuegesetz" geeinigt.
- Es soll Unterstützung geben für junge Menschen bei Feuerwehren oder deren Rettungsdiensten beim Erwerb des Führerscheins.
- Beim Landesklimaschutzgesetz, das die CDU abschaffen wollte, hat es laut Schweitzer eine "kluge Einigung" gegeben. Ihm zufolge soll schon zu einem früheren Zeitpunkt als bisher vorgesehen geschaut werden, ob das Land 2040 die Klimaneutralität anstrebt und damit fünf Jahre vor dem Bund.
Geeinigt haben sich CDU und SPD auch auf die Aufteilung der Ministerien. Es bleibe bei neun Fachministerien, sagte Schweitzer. Hinzu kommt die Staatskanzlei mit künftig einem Staatsminister statt wie bisher einem Staatssekretär.
CDU-Ministerien
- Staatskanzlei mit dem Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten, Sport, Ehrenamt und Medien
- Ministerium für Bildung
- Ministerium für Inneres, Integration und Verkehr
- Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten
- Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz
SPD-Ministerien
- Ministerium für Finanzen, Digitalisierung und Staatsmodernisierung
- Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur
- Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend
- Ministerium für Wirtschaft, Energie, für Umwelt und Klima
- Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit
Schnieder soll Mitte Mai zum Ministerpräsidenten gewählt werden
Schnieder soll am 18. Mai, dem Verfassungstag von Rheinland-Pfalz, zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Dann enden 35 Jahre SPD-geführte Regierungen in Rheinland-Pfalz. Jahrzehntelang standen sich SPD und CDU in Mainz als politische Gegner in Regierung und Opposition gegenüber.
Zuletzt regierte in Rheinland-Pfalz eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Eine schwarz-rote Koalition gab es in dem Bundesland noch nie. Zuletzt hatten die beiden Parteien 1947 bis 1951 unter Ministerpräsident Peter Altmeier (CDU) zusammen regiert. Dem Bündnis hatten damals aber auch die KPD und die FDP angehört.
CDU und SPD haben eine Zwei-Drittel-Mehrheit
Im neuen Landtag können CDU und SPD auf eine satte Mehrheit von zwei Dritteln der Sitze bauen. Damit können sie jederzeit die Verfassung ändern. Die CDU hat 39 der 105 Sitze, 8 Mandate mehr als in der vorherigen Legislaturperiode. Die Christdemokraten haben damit 7 Sitze mehr als die SPD mit 32 (minus 7).
Stärkste Oppositionspartei ist künftig die AfD mit 24 Sitzen (plus 15). Die Grünen sind wieder mit 10 Abgeordneten in den Landtag gewählt worden, sie sind dort jetzt die kleinste Partei und in der Opposition. Andere Parteien haben es nicht in den Landtag in Mainz geschafft. Eine Alternative zu Schwarz-Rot gab es nach der Wahl nicht, beide Parteien hatten ein Bündnis mit der AfD ausgeschlossen.