Nach 200 Jahren: Bad Nauheimer Windmühle hat wieder Flügel
Nach 200 Jahren komplett - Bad Nauheimer Windmühle hat wieder Flügel
Nach rund 200 Jahren Stillstand drehen sich die Flügel der Windmühle am Gradierbau IV in Bad Nauheim wieder. Das millionenschwere Projekt wurde am Pfingstmontag (25. Mai) zum deutschen Mühlentag eingeweiht. Auch der hessische Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) kam zur Eröffnung
Ein historisches und zugleich neues Wahrzeichen prägt wieder die Silhouette Bad Nauheims: Die Windmühle am Gradierbau IV hat neue Flügel erhalten. Mit Hilfe eines Autokrans wurden diese am Mittwoch (20. Mai) erfolgreich an dem Bauwerk montiert, wie Christian Purschke und Klaus Englert vom Verein Wind und Wasserkunst Bad Nauheim im Gespräch mit HIT RADIO FFH sagten.
Eröffung am Deutschen Mühlentag
Pünktlich zum Deutschen Mühlentag drehte sich die Bad Nauheimer Windmühle wieder und lockte geschichts- und technikbegeisterte Besucher an.Nach einem Festumzug am morgen wurde die Mühle feierlich von Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) und dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM), Reinhold Pillich, eröffnet. Anschließend öffnete die Windmühle auch ihre Türen für Besucherinnen und Besucher. Den ganzen Tag über gab es ein Festprogramm mit Musik, Mitmachprogramm und Beiträgen örtlicher Vereine.
Bad Nauheimer Mühlenprojekt kostet rund eine Million
Der Verein hatte sich in den vergangenen zehn Jahren für den Wiederaufbau der Mühle starkgemacht. Die bisherigen Kosten für das Projekt belaufen sich auf gut eine Million Euro. Von dem Geld wurde die gesamte Mühle auf den neuesten Stand gebracht: Auch die neue Galerie, die auf zwölf Metern Höhe eine Aussicht über die Wetterau bietet und ein neues Dach wurden gebaut, außerdem fanden Innenausbau- und Schreinerarbeiten statt.
Verein plant Museum
“Wir sind noch nicht am Ende”, erklärt Klaus Englert. Der Verein will ein Museum in die historische Windmühle bauen. Auch als Eventlocation soll sie verfügbar sein. Eine erste Hochzeit habe dort bereits stattgefunden, berichten Englert und Purschke. Das sei etwas ganz Besonderes gewesen.
Bis zu 25 Menschen passen in den Raum in der historischen Mühle mit Zutritt zur “schönsten Terrasse der Wetterau”, wie Purschke die neu errichtete Galerie nennt. Doch auch als Bildungsstätte soll das Industriedenkmal genutzt werden. Der Verein will etwa Schulklassen empfangen.
“Man sieht, was gefehlt hat”
Ein Sturm hatte die Blätter der Windmühle im Jahr 1824 zerstört – übrig blieb der Mühlenturm. Die neuen Blätter sind jeweils neun Meter lang, wiegen gut 1,2 Tonnen und sind aus wetterfestem Cortenstahl gefertigt. Außerdem bestehen sie aus einem Holzgitterwerk, das im Betrieb mit Segeltuch bespannt wird. “Das war schon ein toller Moment, diesen riesigen Kran zu beobachten, wie er die Flügel neun Meter hochgehievt hat”, erzählt Christian Purschke. “Man sieht heute, was an diesem Turm jahrhundertelang gefehlt hat."
Mühle kann gebremst werden
Damit sich der Fall, der 1824 eintrat, nicht wiederholt, hat der Verein Vorkehrungen getroffen. Ab Windstärke vier wird die Mühle abgebremst und vorübergehend stillgelegt.
Berufsschulen wollen offenbar Logo ändern
Schräg gegenüber der neuen alten Mühle befinden sich die Beruflichen Schulen am Gradierwerk. Deren Logo zeigt den Turm im Zustand der letzten 202 Jahre. Laut Purschke und Englert hätten sie bereits angekündigt, ihr Logo anzupassen. Es solle künftig auch die neuen Mühlenflügel zeigen.