Briefe & Fotos aus der NS-Zeit - BGH urteilt über "Zeugen Jehovas"-Klage
Vor dem Bundesgerichtshof geht es an diesem Freitag um ein außergewöhnliches Archiv aus der NS-Zeit. Im Mittelpunkt des Rechtsstreits steht eine umfangreiche Sammlung von Briefen, Bildern und Dokumenten, die das Schicksal einer von den Nationalsozialisten verfolgten Zeugen-Jehovas-Familie festhält.
Das Archiv wurde von Annemarie Kusserow angelegt. Von der Machtübernahme der Nationalsozialisten bis zu ihrer eigenen Verhaftung im Oktober 1944 dokumentierte sie in Briefen, Fotos und weiteren Schriftstücken das Schicksal ihrer Familie aus Bad Lippspringe in Nordrhein-Westfalen. So kamen mehr als 1.000 Dokumente zusammen.
Darunter befinden sich auch besonders eindringliche Zeugnisse aus der NS-Zeit wie Bilder, Todesurteile und Abschiedsbriefe.
Streit um Eigentum am Familienarchiv
Nach dem Tod von Annemarie Kusserow verkaufte ihr Bruder das Archiv an den deutschen Staat. Heute wird die Sammlung im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden ausgestellt.
Die Zeugen Jehovas berufen sich jedoch darauf, dass Kusserow ihnen ihr Erbe hinterlassen habe. Deshalb verlangen sie vor Gericht die Herausgabe des Archivs.
BGH hatte auf Einigung gedrängt
Bei der Verhandlung im März hatte der zuständige Senat des Bundesgerichtshofs für eine gütliche Einigung zwischen den Beteiligten geworben. Eine solche Verständigung kam bislang aber offenbar nicht zustande.
Nun soll das Karlsruher Gericht am Freitagvormittag eine Entscheidung treffen.
Zeugen Jehovas wurden von den Nazis verfolgt
Die Zeugen Jehovas gehörten in der NS-Zeit zu den religiösen Gruppen, die besonders stark verfolgt wurden. Sie lehnten es ab, den Hitlergruß zu zeigen, ihre Kinder in die Hitlerjugend zu schicken oder Wehrdienst zu leisten.
Bereits ab 1933 wurden sie von den Nationalsozialisten verfolgt. Tausende Mitglieder der Glaubensgemeinschaft wurden verschleppt, inhaftiert und gefoltert. Mindestens 1.700 Menschen verloren dabei ihr Leben.
Mahnmal in Berlin erinnert an die Opfer
Erst am Mittwoch war in Berlin ein Mahnmal eingeweiht worden, das an die Verfolgung und den Widerstand der Zeugen Jehovas in der NS-Zeit erinnert.