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Völkermord in Ruanda: Verdächtiger in Hessen gefasst

25-facher Mord in Ruanda? - Verdächtiger in Hessen gefasst

Bundesanwaltschaft
© Christoph Schmidt/dpa

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten unter anderem Völkermord vor. (Symbolbild)

Ein Mann soll sich vor rund 30 Jahren an dem Völkermord in Ruanda beteiligt haben. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, die Ermordung von 25 Tutsi angeordnet zu haben. Jetzt ist er gefasst.

Die Bundesanwaltschaft hat in Hessen einen Mann wegen mutmaßlichen Völkermordes sowie 25-fachen Mordes in Ruanda festnehmen lassen. Der Deutsch-Ruander soll 1994 als Assistent des Bürgermeisters der Kommune Kayove im Nordwesten des Landes die Ermordung von insgesamt 25 Tutsi angeordnet haben, so der Vorwurf der Karlsruher Behörde.

Bereits im Vorfeld habe er seine Autorität genutzt, um zur Vernichtung von Tutsi in seiner Gemeinde anzustacheln, und entsprechende Todeslisten anlegen lassen, heißt es weiter in einer Mitteilung. "In einem Fall beteiligte sich der Beschuldigte eigenhändig an der Ermordung eines Mannes, dem er mit einem Messer in die Brust schnitt."

Beamte des Bundeskriminalamtes nahmen den Beschuldigten am Mittwoch im Main-Kinzig-Kreis fest. Er soll im Laufe des Tages dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt werden, der über die Untersuchungshaft entscheidet.

Mindestens 800.000 Tote in 100 Tagen

Im April 1994 hatten Hutu-Milizen in Ruanda nach einer monatelangen, von der Regierung gesteuerten Hasskampagne gegen die ethnische Minderheit der Tutsi mit dem Morden begonnen. Innerhalb von nur 100 Tagen wurden mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu in dem kleinen ostafrikanischen Land getötet. Die Opfer wurden mit Macheten zerstückelt oder bei lebendigem Leib verbrannt. 

Es war der traurige Höhepunkt ethnischer Spannungen und Konkurrenzkämpfe, die noch auf kolonialen Ursprüngen beruhten. Der Völkermord in Ruanda gilt heute auch als Versagen der internationalen Gemeinschaft, die spät und zunächst zögerlich reagierte.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte im Dezember 2015 einen Mann wegen seiner Beteiligung am Völkermord in Ruanda zu lebenslanger Haft verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Er war als Mittäter für das Kirchenmassaker von Kiziguro verantwortlich gemacht worden, bei dem im April 1994 mindestens 400 Angehörige der Tutsi-Volksgruppe getötet wurden. Der Verurteilte hatte gemeinsam mit anderen ruandischen Autoritätspersonen die Tötungen angeordnet und befehligt.

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