Erdbeben in Venezuela: Hessische THW-Helfer erzählen davon
Erdbeben-Einsatz in Venezuela - Hessische THW-Helfer erzählen davon
Sie haben im Erdbebengebiet alles gegeben, um Menschenleben zu retten. 48 Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerk sind von ihrem Einsatz in Venezuela nach Deutschland zurückgekehrt. Sie haben uns von ihren Erfahrungen in Venezuela erzählt.
Die Helfer haben in den Trümmern der Erdbeben-Region mit Hunden nach Verschütteten gesucht, und unter anderem Strom und Medikamente bereitgestellt. Mit dabei waren auch Einsatzkräfte aus Hessen. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen.
Rettungsversuche auch noch nach Tagen
Mit dabei beim Erdbeben-Einsatz war Jan Martens vom THW Frankfurt. Er sagte uns, ihm ist vor allem das Engagement der Bevölkerung in Erinnerung geblieben. Menschen, die alles verloren haben, hätten trotzdem versucht, Essen und Getränke für die internationalen Kräfte zur Verfügung zu stellen. Auch nach Tagen habe es noch Versuche gegeben, vielleicht noch jemanden zu retten oder zumindest zu bergen.
Peter Benz vom THW Hofheim war Einsatzleiter vor Ort und vor der Ankunft des Teams auf schlimme Bilder eingestellt. Vor Ort hat ihn erstaunt, wie das Erdbeben wie an einem Lineal gezogen einerseits Stadtviertel verschont, andererseits aber auch zerstört hat. Dort wo es Schäden gab, seien kaum Häuser stehen geblieben.
Der Einsatz hat das THW aufgrund der großflächigen Zerstörungen, der vielen Vermissten und des tropischen Klimas vor große Herausforderungen gestellt, teilte THW-Präsidentin Sabine Lackner mit. Trotz intensiver Suche konnten die ehrenamtlichen THW-Kräfte demnach an keiner Einsatzstelle lebende Menschen aus den Trümmern retten.
Gewissheit für Hinterbliebene
Doch für viele Angehörige sei schon die Gewissheit von großer Bedeutung, dass sich keine Lebenden mehr in den Gebäuden befinden. Diese Gewissheit können die Retter geben, wenn sie keine Lebenszeichen an einem Einsatzort mehr feststellen können.
Da die Suche nach Überlebenden angesichts der seit dem Erdbeben verstrichenen Zeit und der hohen Temperaturen nahezu keine Aussicht mehr auf Erfolg hatte, beendete das THW am vergangenen Mittwoch die Suche nach verschütteten Personen.
Einen Teil ihrer Einsatzausstattung überließ die das THW dem venezolanischen Roten Kreuz. Zelte, Stromerzeuger und weiteres Material mit einem Gesamtgewicht von fünf Tonnen werden nun von einem Feldhospital vor Ort genutzt.
Mehr als 3.500 Tote bislang gezählt
Fast zwei Wochen nach den Erdbeben steigt die Zahl der Todesopfer weiter, während die Bergungsarbeiten andauern. Die bestätigte Zahl der Todesopfer liegt nun bei 3.535, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodriguez, am Montag auf X mitteilte. Das sind rund 190 mehr als am Vortag.
Die Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten das Land am 24. Juni erschüttert. Mehr als tausend deutlich schwächere Nachbeben folgten. Insbesondere im Bundesstaat La Guaira liegen zahlreiche Gebäude in Trümmern.