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Hessen statt Hawaii: Frankfurt könnte Surfwelle bekommen

Hessen statt Hawaii im Sommer - Frankfurt könnte eine Surfwelle bekommen

Surfen am Main?
© Andreas Arnold/dpa

Surfen am Main? Das könnte in einigen Jahren Realität werden. Aber nicht auf dem Fluss, sondern auf einem separaten Gerinne.

Eine Surfwelle am Main in Frankfurt? Dafür - und für eine Wildwasserstrecke - kämpft eine Initiative. Aber wie realistisch ist die Umsetzung? Und wie steht es um ein ähnliches Projekt an der Lahn?

Jonas Künkel steht nahe der Staustufe in Frankfurt-Griesheim, ein paar Meter neben ihm fließt der Main entlang. Wenn es nach dem 38-Jährigen ginge, könnte hier schon in einigen Jahren auf einer Welle gesurft werden - und Sportler mit ihren Wildwasser-Kanus durch die Strömung paddeln. Und zwar nicht direkt auf dem Main, sondern auf einem separaten, künstlichen Gerinne. Auf einer Fläche, wo sich jetzt noch ein großer Parkplatz befindet.

"Die Surfwelle und die Wildwasserstrecke sollen für alle zugänglich sein", sagt der Mainzer, der sich bei der Initiative Rhein-Main-Welle engagiert. Angestrebt werde ein nicht kommerzielles Betreiberkonzept: "Ziel ist es, die Wassersport-Anlage langfristig als öffentliche Sportstätte zu sichern." 

"Surfen wie auf den Wellen Hawaiis?"

Die Initiative, in der Dutzende Wassersportvereine und Verbände vertreten sind, darunter auch der Deutsche Kanu-Verband, setzt sich schon seit rund fünf Jahren für einen Wildwasser- und Surf-Park ein. "Kajakfahren wie auf den Wildwasser-Flüssen der Alpen und Surfen wie auf den Wellen Hawaiis?" - dies solle durch solch einen Park ermöglicht werden, heißt es auf der Seite. 

Das Wasser solle durch ein Rohr in das bis zu 350 Meter lange Gerinne gespült - und am Ende wieder dem Main zugeführt werden, betonen Künkel und sein Mitstreiter, der 72-jährige Jürgen Schaffner-Möller aus Bischofsheim. Vorbilder für die beiden passionierten Kanuten sind etwa der Eiskanal Augsburg oder der Wildwasserpark Hüningen, eine französische Gemeinde bei Basel.

Sportamt der Stadt Frankfurt spricht von einer "innovativen Idee"

Auch die Stadt Frankfurt unterstützt das Vorhaben und spricht von einer "innovativen Idee". Beim Sportamt heißt es aber auch: "Die Liste der einzubeziehenden Ämter und Behörden ist sehr umfangreich, so dass alle Kriterien und Aspekte rund um die Planung und Realisierung eines solchen Projektes sorgfältig diskutiert und geprüft werden müssen."

Surfen am Main?
© Andreas Arnold/dpa

Die Initiative Rhein-Main-Welle setzt sich schon seit einigen Jahren für einen Wildwasser- und Surf-Park ein

Zuletzt waren im Zuge einer Naturverträglichkeits- und Machbarkeitsstudie verschiedene Staustufen von Aschaffenburg bis Ginsheim untersucht worden, also beispielsweise auch in Offenbach und Mühlheim. "Der Standort der Staustufe Griesheim hat sich dabei als besonders geeignet herausgestellt", erklärte das Sportamt.

Wo liegen die Vorteile am Standort Griesheim? 

"Da ist vor allem die große Fallhöhe der dortigen Staustufe, die eine optimale Strömung bietet", sagt Künkel. Hinzu kämen kurze Leitungswege, die weniger Flächenbedarf erfordern, eine gute Erreichbarkeit oder die Stärkung von Natursport und Jugendarbeit mitten in Frankfurt.

Auch die Sicherheit soll Künkel zufolge eine wichtige Rolle spielen. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie würden unter anderem Rettungswege eingeplant. Zudem könnten Welle und Wasserstrom über Notschalter abgeschaltet werden. Das Tragen von Schwimmwesten und Helmen sei verpflichtend. Und auch das Thema Naturschutz habe eine hohe Priorität. 

Was ist nun der genaue Zeitplan?

Der nächste Schritt ist laut Stadt eine Vorentwurfsplanung, bei der etwa Fragen des Natur- und Gewässerschutzes sowie weitere rechtliche Anforderungen geklärt werden sollen. "Aufgrund der hohen Komplexität des Projektes ist ein Zeitplan aktuell noch nicht genau zu benennen, ebenso wie die Höhe der möglichen Kosten eines solchen Projekts", heißt es vom Sportamt.

Initiatoren sehen weiter Chancen für Lahnwelle in Gießen 

In Gießen ist das Projekt Lahn-Surfwelle schon weiter - ob es tatsächlich umgesetzt wird, ist aber nach wie vor offen. Die Machbarkeitsstudie zur Phase 1 habe ergeben, dass eine Umsetzung mit einem "Bypass" - also einer Seitenkanal-Lösung - fachlich grundsätzlich möglich wäre, erklärt Jan Labitzke, Referent von Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (SPD). Im nächsten Schritt müsste eine zweite Machbarkeitsstudie zur konstruktiven Planung und Kostenschätzung in Auftrag gegeben werden. "Darüber wird die künftige Stadt-Koalition vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltslage zu entscheiden haben", so Labitzke.

«Lahnwelle» in Hessen
© Sebastian Gollnow/dpa

Schon 2021 standen Surfer an dem Wehr der Lahn, an dem die Surfwelle entstehen soll. (Archivbild)

Janne Paul Schmidt von der Initiative Lahnwelle sieht weiter gute Chancen für das Vorhaben. Alle wichtigen Behörden seien bereits ins Boot geholt und man fühle sich auch aus der Gießener Stadtpolitik unterstützt. "Wir als Verein würden auch den Betrieb der Welle anbieten", so Schmidt.

Parallel zur Surfwelle werden auch Möglichkeiten für eine weitere, noch recht junge Wassersportart ausgelotet: Beim Pumpfoilen werden Surfbretter mit Unterwasser-Tragflügeln genutzt. Für die Fortbewegung sind weder Wind, Wellen noch Motor nötig, sie erfolgt allein durch Körperkraft. Aktuell werde eine Machbarkeitsstudie für einen Pumpfoil-Steg in der Lahn ausgeschrieben, so Labitzke. Auch diese Idee stamme von der Initiative Lahnwelle, sagt Schmidt. 

Initiative in Kassel gescheitert

Auch in Kassel gab es einst die Idee einer Surfwelle - auf der Fulda. Die Initiative Fulle Welle hatte sich dafür jahrelang eingesetzt. Nach langer vergeblicher Standortsuche gab der Verein das Vorhaben aber vor knapp zwei Jahren auf und löste sich auf.

Wie die Stadt Kassel mitteilte, habe das Kasseler Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz den Verein damals bei planungsrechtlichen Fragestellungen und Standortsuche beraten und bei der Vermittlung zu Behörden unterstützt. "Es handelte sich um ein komplexes Projekt, bei dem am Ende genehmigungsrechtliche Anforderungen leider nicht vollständig geklärt werden konnten", erläuterte ein Sprecher.

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