So lief der Polizei-Großeinsatz - Besetztes Uni-Gebäude in Gießen geräumt
Mehr als 150 Polizisten haben in Gießen ein besetztes Haus der Uni geräumt. Der letzte Aktivist ist am Vormittag gegen 10.30 Uhr vom Dach geholt worden, bestätigt die Polizei auf unsere Nachfrage.
Er und eine weitere Person hatten sich dort zuvor in bis zu zwölf Metern Höhe aufgehalten und Pyrotechnik gezündet - nicht ungefährlich. Experten der Polizei fuhren mit einer Drehleiter aufs Dach, sicherten die Menschen mit Klettersteiggurten und brachten sie dann im Korb nach unten.
“Friedlich und ohne Widerstand”
Insgesamt holte die Polizei seit dem frühen Morgen zwölf Personen aus dem Haus der Justus-Liebig-Uni heraus. “Friedlich und ohne Widerstand”, sagte ein Sprecher unserem Reporter. Die Leute hatten das leerstehende Gebäude seit Samstag besetzt und Barrikaden errichtet.
Platzverweise und Anzeigen
Nach Feststellung ihrer Personalien hätten sie Platzverweise sowie Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung erhalten, danach seien sie entlassen worden. Begleitet wurde die Räumung von einer Mahnwache und verbalen Protesten.
Minister dankt Einsatzkräften
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) dankte den Einsatzkräften im Anschluss. “Ich verurteile das Vorgehen der sogenannten Aktivisten. Sie leben in einer gefährlichen Parallelwelt und treten die Grundlagen unseres Rechtsstaats mit Füßen”, wird er in einer Mitteilung zitiert.
Universität stellte Strafantrag
Vor der Räumung war am Montagnachmittag ein Ultimatum der Universität abgelaufen, wonach die Besetzer das Gebäude bis 16 Uhr hätten verlassen sollen. Am Sonntag hatte die Universität einen Strafantrag gestellt.
Die Besetzung des Gebäudes sei rechtswidrig und könne von der Universitätsleitung nicht toleriert werden, hatte die Präsidentin Katharina Lorenz erklärt. Es war angekündigt worden, "alle in Betracht kommenden rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen".
Mehrere Gespräche
Das Präsidium der Universität hatte am Montag erklärt, man setze weiterhin auf Dialog. Nach mehreren Treffen am Wochenende hatte es am Montagvormittag auf Einladung von Präsidentin Lorenz ein erneutes Gespräch gegeben.
Aktivisten kritisieren Uni-Leitung
Man habe einer Gruppe unter Führung des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) ein Gesprächsangebot zu studentischen Begegnungsstätten gemacht, hatte es in der Mitteilung geheißen. Die Aktivisten hatten der Universitätsleitung allerdings vorgeworfen, eine Gesprächsbereitschaft lediglich vorzutäuschen.
Unterschiedliche Interessen
Nach Angaben der Universität steht das Gebäude leer und soll an den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) übergeben werden. Die Aktivisten fordern, dass dort ein Begegnungsraum entsteht. Die Universität hatte auch auf Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit dem leerstehenden Gebäude hingewiesen.