Mehr Unternehmengründungen in Hessen: Das steckt dahinter
Das steckt hinter dem Trend - Mehr Hessen gründen eigenes Unternehmen
Mehr als 63.000 neue Unternehmen in nur einem Jahr - Hessen erlebt einen echten Gründungsschub. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Nicht alle starten ihr Business aus Überzeugung.
63.885 Gewerbeanmeldungen standen 2025 insgesamt 52.319 Abmeldungen gegenüber - ein Plus von rund 11.500 Unternehmen. Nach drei schwachen Jahren, in denen in Hessen immer weniger Unternehmen gegründet wurden, ist das eine klare Trendwende.
Mehr Anmeldungen - weniger Abmeldungen
Die Anmeldungen legten gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent zu, die Abmeldungen gingen um 6,5 Prozent zurück. Das zeigt das aktuelle Gründungsbarometer Hessen 2026, das auf Daten des Hessischen Statistischen Landesamts sowie Erhebungen der hessischen Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern basiert.
HIHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller sieht darin zunächst ein positives Signal: „Der positive Gewerbesaldo zeigt, dass in Hessen weiterhin gegründet wird und viele Menschen bereit sind, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen."
Kein Job - also selbst der Chef sein
Doch hinter der Statistik steckt oft eine andere Geschichte. Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) bestätigt gegenüber FFH: Ein Teil der Gründungen entsteht nicht aus unternehmerischem Antrieb oder einer zündenden Geschäftsidee, sondern schlicht aus der Not heraus. Wer auf dem Arbeitsmarkt monatelang keine Stelle findet, meldet irgendwann ein Gewerbe an - und versucht, sich selbst etwas aufzubauen.
Schoder-Steinmüller räumt das selbst ein: „Gründungen entstehen teilweise auch aus schwierigen Beschäftigungsperspektiven heraus." Entscheidend sei deshalb, ob daraus ein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell werde - und das gelinge längst nicht immer. Gerade in einer Phase schwacher Konjunktur sei das Risiko des Scheiterns besonders hoch.
Wer gründet - und wie
Am häufigsten wird im Dienstleistungsgewerbe, im Handel und im Baugewerbe gegründet. 79 Prozent der Gründerinnen und Gründer wählen das Einzelunternehmen - die schnellste und unkomplizierteste Form der Selbstständigkeit. Auffällig ist auch, wer gründet: Nur rund ein Drittel der Unternehmen wurde von Frauen gegründet - ein Wert, der seit Jahren weitgehend konstant ist. Die HIHK fordert aus diesem Grund weitere Anstrengungen, um Frauen in der Selbstständigkeit zu unterstützen.
Was jetzt gefragt ist
Damit aus einer Notgründung kein Scheitern wird, fordern die hessischen IHKs und Handwerkskammern von der Politik weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und bessere Finanzierungsmöglichkeiten. Schoder-Steinmüller bringt es auf den Punkt: „Hessen braucht schnellere, digitale und praxistaugliche Verfahren." Die vollständige Auswertung des Gründungsbarometers gibt es unter hihk.de/gruendungsbarometer2026.