Schaeffler-Aus in Schwalbach: Automobilzulieferer spart
Automobilzulieferer muss sparen - Schaeffler schließt Werk in Schwalbach
Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler streicht europaweit weitere 3.460 Stellen, den Großteil davon in Deutschland. Außerdem schließt der Konzern vier deutsche Standorte, darunter auch das Werk in Schwalbach im Main-Taunus-Kreis.
Als Grund nennt das Unternehmen die anhaltende Krise in der Automobilindustrie und den stockenden Umstieg auf die Elektromobilität.
Fokus auf Schwalbach und Hessen
Der Standort in Schwalbach am Taunus wird demnach komplett aufgegeben. Ein Großteil Beschäftigten soll an den Standort in Frankfurt wechseln. Insgesamt fallen in diesem Zuge rund 190 Stellen weg.
Nicht das erste Sparprogramm
Bereits in einem vorangegangenen Sparprogramm waren in Schwalbach zahlreiche Entwicklerjobs gestrichen worden. Die IG Metall hatte diese Einschnitte scharf kritisiert und davor gewarnt, dass Deutschland durch den Abbau in der Entwicklung gegenüber der internationalen Konkurrenz weiter zurückfallen könnte.
Scharfe Kritik von IG Metall
Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat kritisierten das Sparprogramm scharf. "Bei Schaeffler folge inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind", sagte Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler. "Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland."
Tausende Stellen in Deutschland betroffen
Bundesweit fallen laut Schaeffler rund 2.660 Arbeitsplätze weg. Neben Schwalbach werden auch die Werke in Dortmund mit aktuell 430 Beschäftigten und in Morbach mit 160 Mitarbeitenden perspektivisch geschlossen. Beide Standorte produzieren laut Unternehmensangaben Teile für Verbrennungsmotoren. Zudem stellt Schaeffler die Aktivitäten in Berlin mit 270 Beschäftigten ein. Auch an diversen anderen deutschen Standorten, darunter Herzogenaurach, Bühl und Schweinfurt, kommt es zu Anpassungen der Kapazitäten. Europaweit sind 16 Standorte betroffen.
Gehaltsverzicht der Führungskräfte
Um den Stellenabbau und die damit verbundenen Kosten abzufedern, plant der Konzern einen sogenannten Solidaritätsbeitrag. Dieser soll einen vorübergehenden, freiwilligen Gehaltsverzicht umfassen, der über alle Hierarchieebenen hinweg gilt – beginnend beim Vorstand. Laut Unternehmenschef Klaus Rosenfeld ist das ein zentrales Element des Programms, um in Deutschland und Europa langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Ohne diesen Schritt wäre der nun angekündigte Stellenabbau laut Schaeffler noch weitreichender ausgefallen.
Krise bei Verbrennern und hohe Kosten
Der Konzern reagiert mit dem Sparprogramm unter anderem auf eine schwächere Nachfrage im Geschäft mit Verbrennerfahrzeugen. Dazu kommen laut Schaeffler überdurchschnittlich hohe Personalkosten in Deutschland. Das neue Sparprogramm soll ab dem Jahr 2030 jährliche Einsparungen von rund 300 Millionen Euro bringen. Dem stehen Einmalaufwendungen von etwa 480 Millionen Euro gegenüber.
Jahrelanger Umbau im Konzern
Bei Schaeffler reiht sich seit Jahren ein Abbauprogramm an das nächste. Bereits seit 2019 schrumpft die Belegschaft durch Restrukturierungen und Altersteilzeit kontinuierlich. Aber der Konzern hat auch Zukunftspläne und will künftig neue Wachstumsfelder erschließen. Man vor allem in den Bereichen humanoide Robotik und Verteidigung vielversprechende Chancen für die Zukunft, so ein Konzernsprecher.