Schauspieler Mark Waschke im FFH-Talk bei Silvia Stenger
Mark Waschke im FFH-Talk - Über seine Rollen, den Vater und Hoffnung
„Ich brauche mehrere Gründe, bei einem Projekt zuzusagen“, so Schauspieler Mark Waschke (Tatort/Dark) im Gespräch mit Silvia Stenger. Im ZDF-Film „Das verschwundene Kind“, ab dem 3. Oktober in der Mediathek zu sehen, waren es das Drehbuch und die anderen Schauspieler. „Das machte richtig Lust, da reinzuspringen.“
Mark Waschke am Sonntag ab 10 Uhr bei Silvia am Sonntag.
Im Film geht es um zwei Familien, die zusammen mit ihren Kindern in einer Hofgemeinschaft ihren Traum eines naturnahen Lebens leben wollen. „Man will es anders machen als die eigenen Eltern und tappt dann doch wieder in ähnliche Fallen.“ Im Zentrum steht das Kind Aaron, das immer wieder auch in der Schule Schwierigkeiten hat. „Das Schulsystem führt dazu, dass zu wenig über Neugier gelernt wird, die Langsamen fallen genauso aus dem Raster wie die Schnellen, die besonders Lauten wie die besonders Leisen (…) Ich würde den Begriff ‚schwieriges Kind‘ generell hinterfragen - ich finde das Schulsystem an sich eher schwierig.“
Vom Vater zum Chirurgen - Parallelen zum Schauspielberuf
Waschke ist mit zwei Brüdern groß geworden. Sein Vater arbeitete als Arzt, Medizin kam für ihn aber nicht infrage - dennoch sieht er Parallelen. „Kurz bevor mein Vater in Rente ging, durfte ich bei einer OP zuschauen - ich wollte das unbedingt (…) In dem Moment habe ich alles verstanden und mein Vater war mir plötzlich viel näher: dieses Gefühl, etwas Besonderes zu können, das nicht jeder kann, und damit Menschen das Leben leichter zu machen. Das ist, glaube ich, eine Parallele zwischen dem Beruf des Chirurgen und dem des Schauspielers - ich gehe auch in Figuren hinein, schneide sie auf, hole etwas heraus, seziere sie und versuche, den Krampf herauszuholen und etwas weicher zu machen.“
Die gesellschaftliche Kraft des „Tatort“
Waschke, der als „Robert Karow“ im Berliner „Tatort“ ermittelt und sowohl mit Meret Becker als auch mit Corinna Harfouch an seiner Seite spielte, ist immer wieder erstaunt über die Relevanz der Reihe. „Es gibt kein anderes Land der Welt, in dem über zehn Prozent der Bevölkerung, aus allen sozialen Schichten, gemeinsam einen Film schauen - acht bis vierzehn Millionen schauen manchmal ‚Tatort‘ und reden danach darüber. Es gibt den Begriff vom Fernsehlagerfeuer, den ich schön finde, weil darin eine utopische Kraft steckt: Man schaut sich 90 Minuten lang gemeinsam etwas an und hält die Klappe, obwohl man weiß, dass man unterschiedliche politische Meinungen hat - und man kann sich über etwas gesellschaftlich Passierendes verständigen.“
Hohe Mieten als soziales Problem
Waschke lebt in Berlin und macht immer wieder auf soziale Missstände aufmerksam, wie zum Beispiel die viel zu hohen Mieten. „Vor etwa 15 bis 20 Jahren erzählte mir mal ein Taxifahrer, den Tränen nahe, dass er keine Dreizimmerwohnung mehr unter 1.000 Euro findet - und heute wäre man froh, ein WG-Zimmer für 800 Euro zu finden. Mit Kindern eine Wohnung zu finden, ist grotesk, absurd, schrecklich und tut niemandem gut.“
Wo sieht er Hoffnung?
„In der Begegnung, im einander Zuhören, im Kompromiss. Kompromisse sind etwas Wunderbares, egal ob in der Beziehung oder in der Gesellschaft. (…) Wenn du nach Hoffnung fragst: Ich glaube, es geht darum, die Augen aufzumachen und einander mitzukriegen.“