Angst um Pharma-Standort - 3000 protestieren gegen Stellenabbau
Eine Stadt steht auf: In Marburg haben heute fast 3000 Menschen gegen Stellenabbau am Pharma-Standort protestiert.
Mittelhessens Chemie-Gewerkschaftschefin Anne Weinschenk rief zu Kämpfen auf. Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori bezeichnete es in Marburg als “schäbig”, bei vollen Auftragsbüchern Stellen zu streichen. Er kündigte an, um jeden Arbeitsplatz mitkämpfen zu wollen. Wichtig sei es, einen Strompreis und eine Senkung der Netzentgelte hinzubekommen.
Außerdem kündigte Mansoori Pläne für ein Wissenschaftszentrum in Marburg an. Es könnte in den Forschungscampus ziehen, den CSL Innovation aufgeben wird. Hier würden derzeit Gespräche geführt.
IGBCE-Gewerkschafterin Anne Weinschenk sagt: “Die Arbeitgeber haben hier innerhalb von acht Monaten über 1000 Arbeitsplätze vernichtet. Es reicht!"
FFH berichtete bereits über geplanten Stellenabbau am Marburger Pharmastandort.
Wirtschafts-Booster wird zum Sorgenkind
Der Pharma-Standort Marburg auf dem Gelände der einstigen Behringwerke war jahrelang wirtschaftlicher Booster der Unistadt Marburg - jetzt wird er zum Sorgenkind. Laut Mittelhessens DGB-Geschäftsführer droht der “Verlust der industriellen Substanz einer ganzen Region.” Es gehe um Arbeitsplätze und Produktion, es gehe aber auch um einen wichtigen Forschungsstandort.
Kundgebung an Görzhausen 1
Deshalb ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zur Kundgebung auf, die am Mittwoch, 4. März, um 12.05 Uhr am Kreisverkehr an der Hauptzufahrt zum Betriebsteil „Görzhausen 1“ zwischen Landstraße 3092 und Michelbacher Straße stattfindet. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) organisiert diese als für die Mitarbeiter der ehemaligen Behringwerke zuständige Gewerkschaft.
Arbeitsplatzabbau in mehreren Firmen
Seit vergangenem Jahr gerät der Pharma-Standort Marburg immer weiter unter Druck. Zuletzt hat auch CSL Behring angekündigt, Stellen abzubauen. Bis zu 350 Arbeitsplätze stehen nach Gewerkschaftsangaben auf der Kippe, 10-15 Prozent der Arbeitsplätze in Marburg bei CSL Behring. Anne Weinschenk, die der IGBCE, der Chemiegewerkschaft in Mittelhessen vorsteht sagt auf FFH-Anfrage: “Ich verstehe das nicht, denn der Standort ist ausgelastet und erfolgreich.” Außerdem würden hier dringend benötigte Medikamente hergestellt.
Forschungscampus schon in Auflösung
In Auflösung befindet sich bereits CSL Innovation, also der Forschungscampus. 500 Arbeitsplätze gehen hier verloren. Betriebsrat Sascha Ludwig erzählt im FFH-Gespräche, das viele Kollegen auch im Rhein-Main-Gebiet nun auf Jobsuche seien. Der Standort Marburg biete nicht ausreichend Arbeitsmöglichkeiten für die zum Teil hochqualifizierten Fachkräfte. Auch die Pharma-Firmen Biontech und Nexelis bauen derzeit Pharma-Arbeitsplätze in Marburg ab.
Biontech streicht 315 Stellen in Marburg
Zudem schließt das kanadische Unternehmen Nexelis sein Werk in Marburg. Dort waren zuletzt 75 Mitarbeiter beschäftigt, die ebenfalls in diesem Jahr nach und nach entlassen werden sollen. Weitere etwa 315 Stellen werden im Marburger Biontech-Werk gestrichen, weil sich der durch den Covid-19-Impfstoff weltbekannt gewordene Konzern neu aufstellt.
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