Kundgebung gegen Stellenabbau - Minister kommt nach Marburg
Angst um Pharma-Standort - Marburg protestiert gegen Stellenabbau
Eine Stadt steht auf: Marburg will Mittwoch (4.3.) gegen den Stellenabbau am Pharma-Standort protestieren. Die Gewerkschaft IGBCE rechnet mit tausenden Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Auch Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori will kommen.
IGBCE-Gewerkschafterin Anne Weinschenk sagt: “Die Arbeitgeber haben hier innerhalb von acht Monaten über 1000 Arbeitsplätze vernichtet. Es reicht!"
FFH berichtete bereits über geplanten Stellenabbau am Marburger Pharmastandort.
Wirtschafts-Booster wird zum Sorgenkind
Der Pharma-Standort Marburg auf dem Gelände der einstigen Behringwerke war jahrelang wirtschaftlicher Booster der Unistadt Marburg - jetzt wird er zum Sorgenkind. Laut Mittelhessens DGB-Geschäftsführer droht der “Verlust der industriellen Substanz einer ganzen Region.” Es gehe um Arbeitsplätze und Produktion, es gehe aber auch um einen wichtigen Forschungsstandort.
Kundgebung an Görzhausen 1
Deshalb ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zur Kundgebung auf, die am Mittwoch, 4. März, um 12.05 Uhr am Kreisverkehr an der Hauptzufahrt zum Betriebsteil „Görzhausen 1“ zwischen Landstraße 3092 und Michelbacher Straße stattfindet. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) organisiert diese als für die Mitarbeiter der ehemaligen Behringwerke zuständige Gewerkschaft.
Arbeitsplatzabbau in mehreren Firmen
Seit vergangenem Jahr gerät der Pharma-Standort Marburg immer weiter unter Druck. Zuletzt hat auch CSL Behring angekündigt, Stellen abzubauen. Bis zu 350 Arbeitsplätze stehen nach Gewerkschaftsangaben auf der Kippe, 10-15 Prozent der Arbeitsplätze in Marburg bei CSL Behring. Anne Weinschenk, die der IGBCE, der Chemiegewerkschaft in Mittelhessen vorsteht sagt auf FFH-Anfrage: “Ich verstehe das nicht, denn der Standort ist ausgelastet und erfolgreich.” Außerdem würden hier dringend benötigte Medikamente hergestellt.
Forschungscampus schon in Auflösung
In Auflösung befindet sich bereits CSL Innovation, also der Forschungscampus. 500 Arbeitsplätze gehen hier verloren. Betriebsrat Sascha Ludwig erzählt im FFH-Gespräche, das viele Kollegen auch im Rhein-Main-Gebiet nun auf Jobsuche seien. Der Standort Marburg biete nicht ausreichend Arbeitsmöglichkeiten für die zum Teil hochqualifizierten Fachkräfte. Auch die Pharma-Firmen Biontech und Nexelis bauen derzeit Pharma-Arbeitsplätze in Marburg ab.
Biontech streicht 315 Stellen in Marburg
Zudem schließt das kanadische Unternehmen Nexelis sein Werk in Marburg. Dort waren zuletzt 75 Mitarbeiter beschäftigt, die ebenfalls in diesem Jahr nach und nach entlassen werden sollen. Weitere etwa 315 Stellen werden im Marburger Biontech-Werk gestrichen, weil sich der durch den Covid-19-Impfstoff weltbekannt gewordene Konzern neu aufstellt.