Kanzel raus, Hantelbank rein - Großalmeroder Kirche wird zu Kraftraum
Wo früher "Amen" gesagt wurde, heißt es bald "eine Wiederholung noch": In Großalmerode im Werra-Meißner-Kreis wird aus einer ehemaligen Kirche ein Fitnessstudio. Ab dem 17. Oktober kann man selbst ausprobieren, wie sich Krafttraining unter bunten Kirchenfenstern anfühlt.
HIT RADIO FFH hat mit Betreiber Andre Bories exklusiv gesprochen - über Kanzel-Abdrücke, bunte Mosaikfenster und die Frage, warum Fitnessstudios heute das sein könnten, was früher die Kneipe war.
Die Kirche kam auf ihn zu - nicht umgekehrt
Dass ausgerechnet die ehemalige neuapostolische Kirche in Großalmerode zum Trainingsraum wird, war nicht geplant. Andre Bories zu FFH: "Die Kirche ist sozusagen auf uns zugekommen. Sie hat uns gefunden. Wir haben jetzt natürlich nicht danach gesucht." Erst bei der ersten Besichtigung sei klar geworden, wo man da eigentlich steht. Der Vermieter bestätigte es - und für ihn stand danach fest, worum es bei seinem Konzept eigentlich geht: “Wenn die Leute nicht mehr in die Kirche gehen, dann gehen sie vielleicht ins Fitnessstudio und kommen dort zusammen.”
"Wo früher der Pfarrer predigte, stehen jetzt die Geräte"
Die Kanzel musste weichen - ihre Spuren aber nicht. Bories im FFH-Gespräch: “Man sieht jetzt noch den Abdruck der Kanzel auf der Haupttrainingsfläche. Das ist im ersten Stock. Da stehen jetzt die ganzen Geräte, wo früher der Pfarrer seine Predigt gehalten hat.” Was für manche kurios klingen mag, ist für den Studiobetreiber fast schon stimmig: "Das finde ich ja so toll. Es ist so ein Raum, wo früher die Leute zusammengekommen sind - und heute ist es im Prinzip das Gleiche. Sie machen nur was anderes, aber sie treffen sich und bilden eine Gemeinschaft."
Bunte Mosaikfenster - Kreuz ist aber verschwunden
Auch optisch ist die Vergangenheit noch sichtbar: Schmale, hochgezogene Fenster im Mosaikstil ziehen sich an der Eingangstür und an den Seiten entlang, "grün-weiß-gelblich-schwarz", wie Bories beschreibt. Das große Kreuz über dem Eingang dagegen ist verschwunden, ebenso wie die Kanzel selbst: "Die haben glaube ich einfach die Bauarbeiter mitgenommen", so Bories.
Reaktionen aus dem Ort: "Schön, dass wieder was reinkommt"
Von den direkten Nachbarn im Ort hat Bories positive Resonanz bekommen: "Das Feedback war eigentlich rundum positiv. Schön, dass wieder was reinkommt, schön, dass Leben in der Stadt bleibt und schön, dass nicht noch ein Leerstand hier ist", berichtet der Betreiber des Rund-um-die-Uhr-Fitnessstudios.
"Kirchen werden leerer, Fitnessstudios werden voller"
Dass Fitnessstudios heute eine ähnliche Funktion übernehmen wie früher die Dorfkneipe, ist für Bories kein Zufall. “Kneipen gibt es nicht mehr, man ist auch gesundheitsorientierter im Allgemeinen. Man trifft sich, man sieht mal jemanden, den man vielleicht lange nicht gesehen hat, und kommt kurz ins Gespräch.”