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> Nachbarschaftshilfe in Rodgau: Schüler helfen Senioren
20.01.2026, 17:46 Uhr
Nachbarschaftshilfe im Alltag -
Wie Rodgauer Schüler Ältere unterstützen
© Kreis Offenbach
Erfolgreich Kurs abgeschlossen: 17- und 18-Jährige helfen künftig aktiv älteren Menschen aus ihrer Nachbarschaft in Rodgau.
Einkaufen, Wäsche waschen und emphatische Gespräche: 25 Oberstufenschülerinnen und -schüler aus Rodgau wollen sich ab sofort verstärkt für pflegebedürftige Menschen engagieren. Sie haben erfolgreich einen Nachbarschaftshilfekurs abgeschlossen.
Die jungen Erwachsenen besuchen die Claus-von-Stauffenberg-Schule in Rodgau-Dudenhofen. Der Kurs fand in Zusammenarbeit mit der Leitstelle Älterwerden des Kreises Offenbach und dem Verein Rodgau Erleben e.V. statt.
Erste Hilfe und Demenz-Wissen
In dem Nachbarschaftshilfekurs ging es um wichtige Erste-Hilfe-Fähigkeiten, Herausforderungen sowie Veränderungen beim Älterwerden und um Krankheiten wie Parkinson und Demenz. Mit einer speziellen Brille, die den grauen Star simulierte, versuchte ein Teilnehmer, einen Ball zu fangen - eine echte Herausforderung. Eine Schülerin erlebte den fehlende Beweglichkeit bei vielen älteren Menschen in einem Simulationsanzug mit Gewichten an beiden Beinen und einer Schiene, die das Knie unbeweglich machte. Unterschiedlich große Schuhe erschwerten ihren Gang zusätzlich.
Anerkennung für Nachbarschaftshilfe
Jugendliche ab 16 Jahren, die sich über den Kreis anerkennen lassen, können bis zu drei pflegebedürftige Personen unterstützen. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören unter anderem Hilfe im Haushalt, Begleit- und Einkaufsdienste.
Umfrage: Warum für ältere Menschen engagieren?
Am FFH-Mikro erzählen die Oberstufenschülerinnen und -schüler, warum die künftig Nachbarschaftshelfer sein wollen.
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Weil das leider ja tatsächlich so ist, dass alte Menschen immer von der Gesellschaft so ausgeschlossen werden. Und ich ziehe dann totalen Mehrwert raus, Geschichten von diesen Menschen zu hören. Wenn sie allein leben, haben sie dann jemanden, mit dem sie reden können oder der sich um sie kümmert? Ich glaube, man kann einfach über ganz unterschiedliche Erfahrungen sprechen, weil jetzt gerade die ältere Generation vielleicht auch nach dem Krieg aufgewachsen ist und ganz andere Dinge erlebt hat als wir jetzt als Jugend. Auch die ganze Technologie kann man vielleicht was weitergeben an die Älteren. Es ist einfach schön, sich auch mit anderen Leuten, die andere Lebenserfahrungen gemacht haben, zu unterhalten und deren Sichtweise auf verschiedene Dinge zu hören. Ich würde tatsächlich auch echt gern noch bei der Nachbarschaftshilfe aktiv sein und dann da auch helfen, aber es auch hauptsächlich eben in mein eigenes Leben, was ich jetzt so gerade schon führe, mit einbauen. Also ich habe Spaß im Kontakt mit den alten Menschen und dass ich einfach schaue, dass ich der durch den Alltag helfe, für die Einkaufen gehe, die ganzen Aufgaben, die man da eventuell machen kann.
Mitorganisator: Gen Z faul? Nein!
Viele Jugendliche und junge Erwachsene sind höchst motiviert, sagt Markus Frei von Rodgau Erleben e.V.
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Es ist eigentlich die Idee, und das ist hier der Schlüssel auch gewesen, beziehungsweise den haben wir gesucht, den Schlüssel, wie schaffen wir es denn, die Babyboomer-Generation zu einer Gen Z auch zu connecten. Weil die Meinung der Leute ist ja immer, Gen Z ist, die machen halt nix, die wollen nix, die schaffen nix, die wollen nur noch live und gar nichts mehr arbeiten. Und wir haben eine andere Meinung. Man muss ja aber auf sie zugehen. Es kann doch nicht Aufgabe eines 18-Jährigen oder 19-Jährigen sein, auf uns zuzugehen, sondern wir. Es ist unsere Aufgabe, auf die Jungen zuzugehen.
Landrat lobt soziales Engagement
“Mit diesem Projekt wird das Verantwortungsbewusstsein und das soziale Engagement der jungen Menschen gestärkt“, erklärte Landrat Oliver Quilling. Das Projekt fördere Empathie und Rücksichtnahme gegenüber anderen Generationen.
Anja Breitenbach, die Fachdienstleitung der Leitstelle Älterwerden im Kreis Offenbach, betonte, dass die Nachbarschaftshilfe wichtig sei, um den demografischen Wandel aufzufangen: ”Wir müssen über Ehrenamt, über Nachbarschaftshilfe zumindest versuchen, Kleinigkeiten, die im Haushalt anfangen, zu organisieren, damit die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben können. So eine Pflegebedürftigkeit fängt ja eigentlich damit an, dass ich im Haushalt oft Kleinigkeiten nicht mehr erledigen kann".
Mitorganisatorin: Win-Win-Situation
Nachbarschaftshilfe bringt die Gesellschaft wieder ein bisschen zusammen, erklärt Anja Breitenbach von der Leitstelle Älterwerden.
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So eine Pflegebedürftigkeit fängt ja eigentlich damit an, dass ich im Haushalt oft Kleinigkeiten nicht mehr erledigen kann. Sei es drum, dass ich einkaufen gehen kann, mir ein Rezept einlösen kann, dass ich unsicher bei den Arzt besuchen werde. Und junge Menschen können da Ältere super gut unterstützen und man bringt einfach die Gesellschaft auch wieder ein bisschen zusammen. Junge Menschen haben das Gefühl gebraucht zu werden und Ältere sind dankbar, wenn sie auch mal den Austausch mit den jungen Menschen haben.
Projekt bald an anderen Schulen?
Der Verein Rodgau Erleben will die Erfahrungen mit dem Projekt mit anderen interessierten Kommunen teilen. "Das kann an einer Schule in Langen, Neuenburg oder in Seligenstadt genauso stattfinden. Oder in ganz Hessen im besten Fall", sagt Markus Frei, einer der Organisatoren.
Entlastung für Nachbarschaftshilfe einsetzen
Menschen ab Pflegegrad eins haben Anspruch auf einen monatlichen Entlastungsbetrag von 131 Euro. Dieser Betrag kann auch zur Finanzierung von Nachbarschaftshilfe verwendet werden. Jugendliche können umgekehrt etwa bis zu 400 Euro monatlich verdienen.