Nachbarschaftshilfe im Alltag - Wie Rodgauer Schüler Ältere unterstützen
Einkaufen, Wäsche waschen und emphatische Gespräche: 25 Oberstufenschülerinnen und -schüler aus Rodgau wollen sich ab sofort verstärkt für pflegebedürftige Menschen engagieren. Sie haben erfolgreich einen Nachbarschaftshilfekurs abgeschlossen.
Die jungen Erwachsenen besuchen die Claus-von-Stauffenberg-Schule in Rodgau-Dudenhofen. Der Kurs fand in Zusammenarbeit mit der Leitstelle Älterwerden des Kreises Offenbach und dem Verein Rodgau Erleben e.V. statt.
Erste Hilfe und Demenz-Wissen
In dem Nachbarschaftshilfekurs ging es um wichtige Erste-Hilfe-Fähigkeiten, Herausforderungen beim Älterwerden und um Krankheiten wie Parkinson und Demenz. Mit einer speziellen Brille, die den grauen Star simulierte, versuchte ein Teilnehmer, einen Ball zu fangen - eine echte Herausforderung. Eine Schülerin erlebte die eingeschränkte Beweglichkeit bei vielen älteren Menschen in einem Simulationsanzug mit Gewichten an beiden Beinen und einer Schiene, die das Knie steif machte. Unterschiedlich große Schuhe erschwerten ihren Gang zusätzlich.
Anerkennung für Nachbarschaftshilfe
Mit neuen Fähigkeiten und neuem Wissen wollen die Jugendliche künftig in der Nachbarschaft bis zu drei pflegebedürftige Personen unterstützen. Im Kreis Offenbach können das alle Jugendlichen ab 16 Jahren tun, die sich über den Kreis anerkennen lassen. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören unter anderem Hilfe im Haushalt, Begleit- und Einkaufsdienste.
Landrat lobt soziales Engagement
“Mit diesem Projekt wird das Verantwortungsbewusstsein und das soziale Engagement der jungen Menschen gestärkt“, erklärte Landrat Oliver Quilling. Das Projekt fördere Empathie und Rücksichtnahme gegenüber anderen Generationen.
Demografischen Wandel auffangen
Anja Breitenbach, die Fachdienstleitung der Leitstelle Älterwerden im Kreis Offenbach, betonte, dass die Nachbarschaftshilfe wichtig sei, um den demografischen Wandel aufzufangen: ”Wir müssen über Ehrenamt, über Nachbarschaftshilfe zumindest versuchen, Kleinigkeiten, die im Haushalt anfangen, zu organisieren, damit die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben können. So eine Pflegebedürftigkeit fängt ja eigentlich damit an, dass ich im Haushalt oft Kleinigkeiten nicht mehr erledigen kann".
Projekt bald an anderen Schulen?
Der Verein Rodgau Erleben will die Erfahrungen mit dem Projekt mit anderen interessierten Kommunen teilen. "Das kann an einer Schule in Langen, Neuenburg oder in Seligenstadt genauso stattfinden. Oder in ganz Hessen im besten Fall", sagt Markus Frei, einer der Organisatoren.
Entlastung für Nachbarschaftshilfe einsetzen
Menschen ab Pflegegrad eins haben Anspruch auf einen monatlichen Entlastungsbetrag von 131 Euro. Dieser Betrag kann auch zur Finanzierung von Nachbarschaftshilfe verwendet werden. Jugendliche können umgekehrt etwa bis zu 400 Euro monatlich verdienen.
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