Hessen-Ernte startet offiziell - Ministerpräsident sticht ersten Spargel
Hessens Spargelbauern sind in die wichtigste Zeit des Jahres gestartet. Der zunächst kalte Winter und die teils sehr milden vergangenen Tage und Wochen treiben jetzt viel Spargel ans Licht: Die ersten Stangen des Edelgemüses werden in Südhessen schon seit Mitte März verkauft.
Offizielle Eröffnung der Saison ist nun am Donnerstag (9.4.).
Ministerpräsident Rhein sticht offiziell ersten Spargel
Dann krönt auf einem Hof in Darmstadt-Arheilgen der Hessische Ministerpräsident Boris Rhein die neue Spargelkönigin Elena I. und sticht mit ihr zusammen den ersten dann auch offiziellen Spargel der Saison 2026. Für diese sind die hessischen Spargelbauern optimistisch. Zwar plagen sie auch Sorgen, aber bislang scheint es für das Edelgemüse gut auszusehen.
Spargel-Facts zum Saison-Start
Wird der Spargel teurer?
Das ist nach den Worten der Vorsitzenden des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Chantal Wendel, nicht geplant. "Wir starten mit 16,90 Euro. Das haben wir uns schon überlegt", sagt Wendel über die Planung ihres Hofes. Das peile man an, weil man ja niemanden verschrecken wolle. "Wir wollen das stabil halten. Wir brauchen und wir wollen ja auch unsere Kunden. Und die haben auch nur ein gewisses Budget."
Welche Sorgen plagen die Bauern?
Kostentreiber sind Diesel, Dünger und der steigende Mindestlohn: "Das spielt eine Rolle, aber wir haben ja das Glück, dass wir regional produzieren und einfach kurze Transportwege haben. Aber der Traktor auf dem Feld frisst natürlich trotzdem seinen Diesel", sagt Wendel. Man versuche aber, den einen oder anderen Arbeitsvorgang einfach auszulassen oder zwei in einem zu machen. "Und die Arbeitswirtschaftlichkeit, die spielt eine Riesenrolle. Also wir sind da ständig hinterher, machen Zeitmessungen und so weiter, um einfach zu sehen, ob wir uns in einem wirtschaftlichen Rahmen bewegen." Den wirtschaftlichen Druck für die Landwirte beschreibt auch der hessische Bauernverband. "Der steigende Mindestlohn stellt für Spargelbetriebe eine große Herausforderung dar, da der Anbau sehr arbeitsintensiv ist und die Lohnkosten einen erheblichen Anteil an den Produktionskosten ausmachen", sagt Sprecherin Marie-Claire von Spee.
Warum gibt es weniger Anbauflächen?
Weitere Erhöhungen ließen sich am Markt kaum über höhere Erzeugerpreise auffangen, da die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher begrenzt sei. Für viele Betriebe bedeute das einen zunehmenden wirtschaftlichen Druck, der sich bereits in Flächenreduzierungen widerspiegele. "Hinzu kommen die aktuell stark steigenden Energiepreise." Der Mindestlohn stieg zu Jahresbeginn von 12,82 auf 13,90 Euro. Im kommenden Jahr soll er auf 14,60 Euro steigen.
Gibt es genug Mitarbeiter für die Ernte und die Vermarktung?
"Ja, die haben wir. Da kümmern wir uns seit vielen Jahren intensiv drum", sagt Wendel. Das stehe alles. "Und auch für den Verkauf sind wir schon voll besetzt", sagt die Bäuerin, die auf ihrem eigenen Hof auf 70 Hektar Spargel anbaut. Und ich gehe davon aus, dass auch die anderen Arbeitskreismitglieder genügend Personal haben. Sie habe nichts Anderweitiges gehört. In den vergangenen Jahren hatte es immer mal wieder personelle Engpässe gegeben.
Wie sind die Bedingungen zum Saisonstart?
Sehr gut. "Der Spargel ist in Hessen insgesamt gut durch den Winter gekommen. Die trockeneren Witterungsbedingungen im Herbst und die kalten Wintertage haben dazu beigetragen, dass sich die Pflanzen ausreichend regenerieren und Energie einspeichern konnten", heißt es beim Bauernverband. Die zuletzt frühlingshaften Temperaturen hätten den Spargel nun angereizt, früh auszutreiben. "Ja, das war sehr gut", sagt auch Wendel. Der Kältereiz, der hat den Spargel animiert, jetzt bei den Sonnenstrahlen auch kräftig zu wachsen. "Der braucht ja seine gewisse Kältestunde. Um seine ganzen Kräfte einzulagern."
Ernte bis in den Juni
Nach Angaben von Wendel zeigen Statistiken, dass in Deutschland 82 Prozent der Bevölkerung mit heimischen Spargel versorgt werden können. Die Einwohner essen im Durchschnitt 1,16 Kilogramm des Gemüses. Die Spargelernte dauert traditionell bis zum "Johannistag" am 24. Juni. Mittlerweile beginnt sie meist bereits im März und auch dieses Jahr wollen dem Verband zufolge einige Bauern über den Johannistag hinaus Spargel verkaufen.
Fakten zum hessischen Spargelanbau
Die Zahl der Spargelbauern hat in Hessen in den vergangenen Jahren abgenommen. Unter Berufung auf Statistiken gab es im Jahr 2012 nach Angaben des Bauernverbandes im Land 167 Betriebe, die auf rund 1.830 Hektar 9.551 Tonnen Spargel ernteten. 2024 seien es 91 Betriebe gewesen, die auf 1.269 Hektar rund 6.800 Tonnen geerntet hätten.