Neue Nahverkehr-Warnstreiks: Diese Orte in Hessen trifft es
Busse und Bahnen fahren nicht - Hier wird in Hessen heute gestreikt
In mehreren hessischen Städten laufen schon wieder Warnstreiks im Nahverkehr. Die Gewerkschaft hat nahezu bundesweit zu Streiks heute und am Samstag aufgerufen. Welche Linien betroffen sind und wo Alternativen bereitstehen, erfahren Pendlerinnen und Pendler hier.
In zahlreichen kommunalen Nahverkehrsunternehmen dürften dadurch an den beiden Tagen so gut wie keine Busse und Bahnen fahren. Der Streik läuft seit der Frühschicht und soll je nach Region bis in die Nacht auf Samstag oder Sonntag andauern.
Hier sollen Bussen und Bahnen in Hessen stillstehen
In Hessen wird laut Verdi in Kassel, Gießen, Marburg, Wiesbaden und Frankfurt gestreikt. Aufgerufen sind demnach die gut 5.200 Beschäftigten folgender Unternehmen:
- Stadtwerke Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main mbH (VGF)
- der ESWE Verkehrsgesellschaft mbH Wiesbaden
- der Kasseler Verkehrsgesellschaft AG
- Stadtwerke Gießen AG
- Marburger Verkehrsgesellschaft mbh (MVG)
- Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) - nur Freitag
Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) geht davon aus, dass vor allem Frankfurt und Wiesbaden von den neuen Streiks betroffen sein werden. Die Auswirkungen in Gießen, Marburg und Offenbach dürften demnach eher gering ausfallen.
Mainz ebenfalls betroffen
Gemäß dem RMV sind die Mainzer Bus- und Straßenbahnlinien beeinträchtigt.
Es werde versucht, an beiden Tagen in Mainz tagsüber einen Notbetrieb auf einzelnen Linien im 30-Minuten-Takt ohne feste Fahrtzeiten anzubieten. Die Schulfahrten am Freitag von und zum Gymnasium Nackenheim sollen planmäßig mit der Linie 69 angeboten werden. Darüber hinaus sollen einzelne Schulfahrten in Richtung Ingelheim mit den Linien 91 und 80 stattfinden. Die Linie 79 verkehrt den Angaben nach weitestgehend nach Fahrplan, während auf der Linie 80 lediglich vereinzelte Fahrten durchgeführt werden.
Im Kreis Groß-Gerau sind die Linien 54, 56, 58 und 60 der Mainzer Mobilität betroffen. Die übrigen Busse im Kreis Groß-Gerau verkehren regulär. Weitere Infos gibt es bei der Mainzer Mobilität.
Weniger Busse und Trams in Kassel
Der Nordhessische Verkehrsverbung (NVV) rechnet an beiden Tagen im gesamten Stadtgebiet Kassel mit erheblichen Einschränkungen und Ausfällen im öffentlichen Nahverkehr.
So werden voraussichtlich sämtliche Tram- und Buslinien der KVG (Linien 1 bis 29) ausfallen. Das gelte ebenso für die Buslinien 11, 17 und 22 im Umland sowie die Fahrten der Tramlinien nach Vellmar, Baunatal und durch das Lossetal. Ebenso sei davon auszugehen, dass die AnrufSammelTaxen (AST-Linien 90–97) nicht im Einsatz sein werden.
Die RegioTrams verkehren voraussichtlich während des Warnstreiks ausschließlich zwischen Hofgeismar-Hümme, Wolfhagen, Melsungen und Kassel Hauptbahnhof.
Der NVV teilt aber mit, dass die Buslinien ab Nummer 30 planmäßig fahren werden. Auch die Fahrten des „Schaddel“ sollen nicht vom Warnstreik betroffen sein und regulär stattfinden.
Forderung von Verdi
"Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern", sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle laut einer Mitteilung. "Die Kolleginnen und Kollegen brauchen dringend Entlastung – und die Arbeitgeber brauchen ein klares Signal, dass wir entschlossen sind, für unsere Forderungen zu kämpfen."
Stress für viele vorprogrammiert
Für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfte es durch den neuerlichen Warnstreik vor allem am Freitag stressig werden - denn sie müssen in der Regel trotzdem pünktlich am Arbeitsplatz sein. Und für Eltern ebenso: Auch Schülerinnen und Schüler können wegen eines Warnstreiks in der Regel nicht einfach zu Hause bleiben. Diese Rechte habt ihr bei Streiks.
Voraussichtlich mehr Autoverkehr an Warnstreik-Tagen
Die Warnstreiks Anfang Februar hatte entsprechend auch Auswirkungen auf den restlichen Verkehr, weil viele Menschen auf das Auto umstiegen. Nach Einschätzung des ADAC war bundesweit ein leichter Anstieg bei Länge und Dauer der Staus zu erkennen.
Staus und stockender Verkehr: die aktuelle Lage auf Hessens Straßen
Zudem stieg dem Fahrdienstvermittler Freenow zufolge in den Morgenstunden die Nachfrage nach Taxis stark. Immerhin: Die Warnstreiks dürften nicht wieder von eisigem Wetter begleitet werden - deutschlandweit werden zweistellige Temperaturen erwartet.
Wie warm wird es? Das Wetter in eurer Region
Verhandlungen vor allem über Arbeitsbedingungen
In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen - etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende.
Verdi kritisiert Verhandlungs-Tempo
"Die Verhandlungen kommen insgesamt kaum voran, obwohl es in einzelnen Bereichen schon vier Runden gab", sagte die stellvertretende Verdi-Chefin Behle. Das sei "mehr als enttäuschend".
Kritik der Arbeitgeber
Auch die Arbeitgeber beklagten zuletzt den fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierten beispielsweise, dass Verdi bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft besonders wichtig findet.
Hessischer Handel kritisiert Nahverkehr-Streik
Kritik an den Ausständen im Nahverkehr kommt auch vom hessischen Handel. „Die Streiks sorgen dafür, dass der Handel in vielen hessischen Städten und Kommunen kaum von Kundinnen und Kunden aufgesucht werden kann – insbesondere am Wochenende, wenn ein großer Teil der Wochenumsätze stattfindet“, so Jochen Ruths, Präsident des Handelsverband Hessen.
Handel fordert Lösung am Verhandlungstisch
Die Einschränkungen durch den Streik von Mitarbeitenden und Besucherinnen und Besucher der Innenstädte seien für den hessischen Handel ein weiterer Rückschlag in Zeiten von schlechter Konsumstimmung und zahlreichen Geschäftsschließungen, teilt der Verband mit. „Wir fordern von den Gewerkschaften am Verhandlungstisch nach Lösungen zu suchen und die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu wahren und nicht die Wettbewerbsfähigkeit des hessischen Handels zu gefährden“, so Ruths.