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Mehr tödliche Fahrradunfälle – Ältere besonders gefährdet

Unfallstatistik - Mehr tödliche Fahrradunfälle – Ältere besonders gefährdet

Mahnwache nach tödlichem Fahrradunfall
© Marcus Golejewski/dpa

Nach vorläufiger Statistik war jeder sechste (16,4 Prozent) im Straßenverkehr getötete Mensch mit dem Fahrrad unterwegs. (Archivbild)

Immer mehr ältere Menschen sterben beim Radfahren – besonders auf E-Bikes. Warum die Radinfrastruktur oft nicht mithält und was Experten jetzt fordern.

Ob auf dem Weg zur Arbeit, beim Wochenendausflug oder durch die Stadt – viele Menschen steigen gerne aufs Fahrrad, oftmals auf ein E-Bike. Eine zunehmende Zahl von Radlern verliert dabei ihr Leben, wie neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. 

Demnach sind im vergangenen Jahr in Deutschland 462 Radfahrerinnen und Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben gekommen (plus 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Damit war etwa jeder sechste tödlich verunglückte Mensch (16,4 Prozent) auf einem Fahrrad unterwegs. 

Auffällig: 217 tödlich verunglückte Radfahrer und damit fast jedes zweite Opfer saßen auf einem Pedelec - umgangssprachlich E-Bike genannt. Im Vergleich zu 2015 nahm die Zahl der getöteten Radfahrer laut vorläufiger Statistik insgesamt um 20,6 Prozent zu. Dieser Anstieg sei auf die zunehmende Zahl von getöteten Pedelec-Nutzern zurückzuführen, erläuterte das Bundesamt. Im Jahr 2025 wurden in dieser Gruppe 217 Getötete erfasst, 2015 waren es 36 Getötete.

Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt, wen es besonders trifft: Ältere Menschen sind im Straßenverkehr deutlich gefährdeter. Gut 61 Prozent der tödlich verunglückten Radfahrer waren 65 Jahre oder älter. Bei den Pedelecs ist ihr Anteil sogar noch höher. Das Bundesamt weist aber auch darauf hin, dass in dieser Statistik die zurückgelegte Fahrleistung nicht untersucht wurde.

"Radinfrastruktur hat sich nicht wie nötig mitentwickelt"

"Wir haben seit vielen Jahren einen Fahrradboom und auch immer mehr Pedelecs auf den Straßen", erklärt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung im Gesamtverband der Versicherer (GDV). Das sei prinzipiell eine positive Entwicklung. "Doch die Radinfrastruktur hat sich nicht wie nötig mitentwickelt. Und die schwereren Pedelecs mit einer stärkeren Beschleunigung sind schwieriger zu kontrollieren." Komme es zum Sturz, seien die Verletzungen bei Älteren in der Regel auch schwerer. 

Und noch ein Muster wird in der Statistik sichtbar: Radfahrer verunglücken selten allein. In zwei Dritteln der Fälle mit Personenschaden ist ein weiterer Verkehrsteilnehmer beteiligt. Bei Unfällen mit Fußgängern wurde dem Menschen auf dem Fahrrad häufiger (58,1 Prozent) die Hauptschuld angelastet. Waren Autofahrer beteiligt, trugen Fahrradfahrer in 25,3 Prozent der Fälle die Hauptschuld.

Die Zahlen zeigten, dass Radfahrer einen Teil ihres Geschickes selbst in der Hand hätten, etwa wenn es um Aufmerksamkeit und Ablenkung gehe, erklärt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung bei der Björn Steiger Stiftung. Handy-Nutzung sei inzwischen auch auf dem Fahrrad weit verbreitet. Fußgänger wiederum sollten darauf achten, dass sich nicht bloß auf ihr Gehör vertrauten, sondern genau hinschauten, da die leisen Räder überhört werden könnten.

Was ist zu tun?

Um die Unfallzahlen wieder nach unten zu drücken, sprechen sich Brockmann und Zeidler für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur aus. Besonderer Brennpunkt sind dabei nach Ansicht der beiden Fachleute unübersichtliche Kreuzungen. "Am besten wäre es, wenn es an Ampelkreuzungen ein getrenntes Grün für Fahrradfahrer und Kraftfahrzeuge gäbe", sagt Zeidler. Wichtig seien zudem innerstädtisch gut ausgebaute Radwege mit Abstand zum parkenden Verkehr sowie separate Radwege an Landstraßen. 

"Außerdem sprechen wir uns für ein Pedelec-Training gerade für Ältere aus und empfehlen dringend allen Radlerinnen und Radlern – ob mit oder ohne elektrischen Hilfsmotor – einen Helm zu tragen. Keine Helmpflicht, aber Einsicht aus Eigenverantwortung", betont die Unfallforscherin. Die Entwicklung bei Skifahrenden, die inzwischen fast alle mit Helmen auf den Pisten unterwegs seien, zeige, dass das möglich sei. 

Auch Radler halten sich nicht an die Regeln

Wichtig wären nach ihrer Ansicht auch mehr Kontrollen beispielsweise gegen Autofahrer, die zu schnell unterwegs sind oder behindernd parken. "Wir wissen aus Untersuchungen aber auch, dass Radfahrende selbst Regelbrüche begehen: Fahren auf Gehwegen oder in die falsche Fahrtrichtung sind typische Unfallursachen", stellt Zeidler fest.

Der Fahrradclub ADFC kritisierte, viele Radwege in Deutschland seien mangelhaft oder fehlten ganz. "Radwege müssen dringend sicher und fehlerverzeihend ausgebaut werden", fordert Bundesgeschäftsführerin Caroline Lodemann. Gefährliche Kreuzungen müssten durch getrennte Ampelphasen, eine verbesserte Sicht und eine bauliche Trennung von Kfz- und Radverkehr sicherer gestaltet werden.

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