Klima-Maßnahmen in Hessen - Darum sind Gewerbegebiete wie Backöfen
Asphalt, Beton, kaum ein Baum: Gewerbegebiete heizen sich im Sommer auf wie Backöfen - und bei Starkregen läuft das Wasser einfach überall hin, wo es nicht hingehört. Sieben hessische Kommunen wollen das Problem jetzt konkret anpacken.
Bad Nauheim, Dietzenbach, Kelsterbach, Raunheim, Groß-Gerau, Oberursel und Korbach: Sie alle nehmen am EU-Projekt IB-Green teil - und haben jetzt fertige Konzepte auf dem Tisch, wie ihre Gewerbegebiete klimarobuster werden können.
Warum sind Gewerbegebiete so anfällig?
Wer schon mal im Sommer durch ein Gewerbegebiet gelaufen ist, kennt das Gefühl: Es ist gefühlt fünf Grad heißer als anderswo. Rocío Herrera, Fachdienstleiterin in Bad Nauheim, erklärt das direkt vor Ort - mitten im Gewerbegebiet, das zu den ältesten der Kurstadt gehört.
„Gewerbegebiete sind generell mit viel Versiegelung aufgebaut, aufgrund der Aktivitäten, die dort stattfinden. Man braucht breite Straßen für LKWs. Wenn Betriebe mit bestimmten Substanzen arbeiten, muss man gucken, dass die nicht versickern - und deswegen braucht man auch versiegelte Flächen." Die Folge: Hitzeinseln und bei Starkregen läuft das Wasser in Massen in die Kanalisation - oder schlimmer: in die Gebäude.
Was ist konkret geplant?
In Bad Nauheim hat das Gebiet eine leichte Neigung nach Süden - bei Starkregen sammelt sich das Wasser genau dort. Herrera und ihr Team haben deshalb vor allem im Norden des Areals Potenzial für Entsiegelung und Begrünung identifiziert. Auf der To-do-Liste stehen zum Beispiel:
- Rand- und Restflächen entsiegeln: Streifen neben Toren oder entlang von Gebäuden, die niemand wirklich braucht - und die sich mit überschaubarem Aufwand in Grünflächen verwandeln lassen.
- Blühwiesen und heimische Pflanzen: Mehr Artenvielfalt im Gebiet - und grüne Pausenräume für die Beschäftigten.
- Mehr Bäume: Schatten spendet kühle Luft und wertet den Standort auf.
- Dachbegrünung: Die meisten Gebäude im Gebiet haben Flachdächer. „Die würden sich anbieten für eine Dachbegrünung - so eine Maßnahme dient als Retentionsfläche für Regenwasser, aber auch als Temperaturregulation", sagt Herrera.
Einige Unternehmen haben übrigens schon vorgemacht, wie es geht: Fassadenbegrünung, PV-Anlagen auf dem Dach, Zisternen für gesammeltes Regenwasser - das gibt es im Bad Nauheimer Gewerbegebiet bereits vereinzelt.
Was bringt das den Unternehmen?
Rocío Herrera bringt es auf den Punkt: „Wenn das Gebiet grüner wird und klimaangepasster, wird es auch zukunftsfähiger und wettbewerbsfähiger." Und: Schäden durch Überhitzung oder Überschwemmung kosten die Betriebe bares Geld. Klimaanpassung ist also auch Wirtschaftsschutz.
Wie geht es weiter?
Die Konzepte werden jetzt in den Stadtgremien und direkt bei den Unternehmen vorgestellt. Erste Betriebe haben laut dem Hessischen Landesamt für Naturschutz bereits Interesse signalisiert, einzelne Maßnahmen umzusetzen.
Für Bad Nauheim gilt: Der Bericht dient als Grundlage für die weitere Stadtentwicklung - und die Stadt sucht aktiv nach Fördermitteln für die Umsetzung. Im Herbst 2026 gibt es außerdem eine Abschlussveranstaltung, bei der sich die hessischen Pilotkommunen noch einmal vernetzen.