Südhessischer Wirtschaftstraum? - So geht es mit dem AKW Biblis weiter
Auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerk Biblis soll die Wirtschaft künftig florieren können, planen der Landkreis Bergstraße und die Betreibergesellschaft RWE. Eine Machbarkeitsstudie soll jetzt feststellen, für wen der Standort attraktiv sein könnte.
Das AKW war 2011 vom Netz gegangen, seit 2017 läuft der Rückbau. Im Februar diesen Jahres wurde der letzte der vier Kühltürme dem Erdboden gleich gemacht.
100 Hektar “südhessischer Wirtschaftstraum”
Das Gebiet des AKW umfasst rund 40 Hektar, zusätzlich gehört RWE eine 50 Hektar große Fläche um das ehemalige Kraftwerk herum. Der Landkreis Bergstraße, die Gemeinde Biblis und Betreiber RWE wollen das Areal jetzt zu einem riesigen Wirtschaftsstandort umwandeln.
Landrat Christian Engelhardt (CDU) nannte die Fläche bei einer Pressekonferenz am Dienstag (30.06.) einen “südhessischen Wirtschaftstraum”. Und tatsächlich ist es schwierig, in Hessen solch große Baugrundstücke zu finden. Häufig seien fünf Hektar das Limit.
Infrastruktur soll Standort attraktiv machen
Große Chancen sehen der Landrat und Heike Henrich, die die Studie leitet, in der bestehenden Infrastruktur rund um das Kernkraftwerk. Neben Wasser- und Straßenzugängen ist das Gelände auch per Schiene erschlossen. Die Idee: Zunächst soll auf dem Gelände geforscht werden, schleichend sollen sich dann Unternehmen ansiedeln.
Tierschutz wichtiges Thema bei Bebauungs-Studie
Vor dem letzten Kühlturmabriss hatten Umweltschützer Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aus Sorge, einer bedrohten Mehlschwalbenkolonie könnte der Lebensraum ruiniert werden, hatten sie den Abriss stoppen wollen. Auch bei der Machbarkeitsstudie spielt Tierschutz eine Rolle, sagte Henrich. Eine weitere Einschränkung seien die Atommüll-Zwischenlager auf dem Gelände. Auch wenn von ihnen keine Gefahr ausginge, seien sie “weiße Flecken” bei der Bebauungsplanung.
Studie zu AKW-Umbau frühestens in zwei Jahren fertig
Der Rückbau des AKW soll noch bis Mitte der 2030er-Jahre andauern. In frühestens zwei Jahren könnten dann erste Studienergebnisse vorliegen, sagt Henrich.