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Gewitter und Starkregen: So schützt ihr euch

Blitz und Überschwemmung - So schützt ihr euch richtig

Wie verhalte ich mich richtig, wenn das Gewitter naht, was stimmt eigentlich von den ganzen Regeln und Mythen um Blitz und Donner? Wir haben die größten Mythen und Irrtümer rund ums Thema Gewitter zusammengefasst und geben Tipps, wie ihr euch am besten schützen könnt.

Mythos 1: Ein Blitz schlägt niemals zweimal an der gleichen Stelle ein

Die Wahrheit: Im Gegenteil! Hohe Objekte werden öfter vom Blitz getroffen. Das Empire State Building in New York war jahrelang ein Blitz-Labor, weil hier mindestens 25 Mal im Jahr der Blitz einschlägt. Orte und Objekte, die für Blitzeinschläge besonders anfällig sind, sollte man bei Gewitter in jedem Fall meiden.

Mythos 2: Wenn es noch nicht regnet und keine Wolken über mir sind, bin ich sicher vor Blitzen

Die Wahrheit: Nein, leider. Blitze schlagen oft bis zu 5 Kilometer entfernt vom eigentlichen Gewitter ein, weit weg vom dazugehörigen Regengebiet oder der Wolke. Den sprichwörtlichen "Blitz aus heiterem Himmel" gibt es wirklich und er kann in über 20 Kilometer Entfernung vom Gewitter noch einschlagen. Aus großen Gewitterwolken sind Blitze auch schon mal in mehr als 100 Kilometern Entfernung eingeschlagen. Sobald ihr also irgendwo am Himmel die typischen Amboß-förmigen hochaufragenden Gewitterwolken seht, besteht schon ein gewisses Risiko.

Mythos 3: Im Auto bin ich sicher

Die Wahrheit: Stimmt. In Autos mit Metalldach seid ihr relativ sicher davor, vom Blitz verletzt zu werden. Die Karrosserie bildet einen sogenannten Faradayschen Käfig, der die elektrischen Ströme außen am Fahrzeug entlanglenkt und so die Insassen schützt. Autos aus Kunststoff oder mit Kunststoff-Dächern sind da übrigens nicht so gut, aber immer noch besser, als im Freien zu sitzen. Immer gilt: Fenster zu, Ellenbogen rein, Finger weg vom Radio!

Mythos 4: Ein vom Blitz getroffener Mensch steht immer noch unter Strom

Wer ihn anfasst, bekommt auch einen elektrischen Schlag. Die Wahrheit: Falsch. Ein menschlicher Körper kann natürlich keine Elektrrizität speichern. Ist der arme Mensch vom Blitz getroffen, spricht nichts dagegen, ihm schleunigst erste Hilfe zu geben. Eine Reanimation per Herzdruckmassage und eine schnelle Mund-zu-Mund-Beatmung rettet höchstwahrscheinlich sein Leben. Direkt nach dem Blitzschlag liegt die Überlebensrate bei 90 Prozent - wenn sofort Hilfe da ist. Das gilt übrigens nicht für Strom-Unfälle an Leitungen zu Hause oder an Hochspannungsleitungen. Hier sollte man sicherstellen, dass die Sicherung draußen oder der Strom aus ist, bevor man dem Betroffenen zu nahe kommt.

Mythos 5: Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen

Die Wahrheit: Alle Bäume meiden. Sich bei Gewitter unter einem Baum aufzuhalten, ist nie eine gute Idee, egal welche Sorte der Baum ist. Die meisten Blitzopfer standen unter oder nahe eines Baumes, als sie getroffen wurden.

Mythos 6: Wenn wir gerade draußen Sport machen, spielen wir das Spiel noch zu Ende, wenn das Gewitter naht

Wahrheit: Falsch. Die weitaus meisten Leute, die vom Blitz getroffen werden, stehen unter einem Baum - die andere Hälfte zu lange auf dem Sportplatz. Wenn das Gewitter aufzieht, ist Abpfiff erste Sportlerpflicht. Von Aktivitäten an und im Wasser natürlich ganz abgesehen. Und jeden fünften Blitztoten in den USA erwischt es auf dem Golfplatz.

Mythos 7: Metall oder Sachen mit Metall drin, zum Beispiel Schmuck, Brillen oder Rucksäcke, ziehen den Blitz besonders an

Die Wahrheit: Die Höhe, eine spitze, herausragende Form und der Grad der Isolation ist für den Blitz entscheidend. Woraus das getroffene Objekt besteht, ist dabei egal. Berge sind meistens aus Stein und werden doch andauernd vom Blitz getroffen. Ihr braucht euch also nicht eures Schmucks oder der Brille zu entledigen, nutzt die Zeit lieber, geeigneten Schutz zu suchen. Hier gilt: Abstand von metallischen Strukturen (Zäune, Geländer). Die leiten den Strom eines einschlagenden Blitzes auch in größerer Entfernung besser zu euch.

Mythos 8: Wenn das Gewitter naht, flach auf den Boden legen

Wahrheit: Nicht so gut. Liegt ihr flach auf dem Boden, seid ihr zwar schön niedrig, aber wenn in der Nähe ein Blitz einschlägt, dann fließt der Strom in voller Länge durch euren Körper - vom Kopf bis zu den Füßen. Besser: Ihr hockt euch mit eng zusammenstehenden Füßen auf den Boden und zieht den Kopf zwischen die Knie. Aber noch besser ist es, sich nicht draußen vom Gewitter überraschen zu lassen, sondern vernünftig zu planen und zu wissen, wo man Schutz suchen kann.

Mythos 9: Wenn das Gewitter kommt, hält man sich am besten neben etwas Hohem, Spitzem auf

In einem 45-Grad-Kegel um diesen Punkt ist man sicher. Wahrheit: Falsch. Da alles, was hoch und spitz ist, viel häufiger vom Blitz getroffen wird als anderes, sollte man davon auch möglichst Abstand halten. Denn schlägt der Blitz ein, kann man durch die Ströme im Boden auch noch verletzt werden. Und auch wenn es wahrscheinlicher ist, dass der Blitz in den hohen Gegenstand einschlägt - sicher kann man sich nicht sein.

Mythos 10: Im Haus bin ich sicher

Die Wahrheit: Das ist im Grunde richtig - aber es gibt einiges zu beachten. Vermeidet im Haus während des Gewitters den Kontakt mit Dingen, die irgendwie leitend mit der Außenwelt verbunden sind. Telefone mit Schnur, eingesteckte Elektrogeräte, Badezimmerarmaturen – auch wenn sie aus Kunststoff sind, das enthaltene Wasser leitet gut. Auch nahe am Fenster sollte man sich nicht aufhalten. Ein in unmittelbarer Nähe einschlagendern Blitz kann mit seiner Druckwelle durchaus auch Scheiben eindrücken.


Starkregen und Überschwemmmungen

Nie das Wasser unterschätzen
Wer schon mal in einem Bach oder in den Wellen am Strand gestanden hat, weiß: So hoch muss das Wasser nicht sein, um einen um- und mitzureißen. Möglichst nicht ins fließende Wasser gehen. Nicht versuchen durch bereits überflutete Unterführungen oder Wege zu gelangen oder überflutete Bereiche zu betreten.  Noch das Auto retten zu wollen hat schon viele das Leben gekostet. Nicht in Unterführungen, Tunneln und Tiefgaragen Schutz suchen.

Nie mit dem Auto ins Wasser fahren
Autos sind nicht wasserdicht - erst schwimmen sie ganz schnell auf, wenn das Wasser etwas tiefer ist, werden unkontrollierbar und versinken dann später in den Fluten. Wie tief ein Gewässer ist, ist sehr schwierig zu schätzen. Nie mit dem Aurto versuchen, irgendwo noch durchzukommen. 

Wasser kann ganz schnell steigen.
Ein kleines Rinnsal kann sich bei Gewitter oder Starkregen in kürzester Zeit in einen reißenden Strom verwandeln. Wo gerade nur ganz wenig Wasser fließt kann in der nächsten Sekunde schon kein Durchkommen mehr sein. Diese Bereiche unbedingt meiden, nicht in Ufernähe aufhalten. 

Nicht in einen Keller gehen, der gerade vollläuft
Neben dem Wasser kann auch ein Stromschlag tödlich sein. Bevor nicht sichergestellt ist, das kein Strom mehr fließt, Wasser im Keller unbedingt meiden.

Vorsicht Treibgut
Unkontrolliert fließendes Wasser reißt Gegenstände, Bäume, Felsen mit. Wer von solchem Treibgut getroffen wird, verletzt sich schwer - auch wenn er super schwimmen kann.


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FFH-Augenzeugin Anne Hof aus Pohlheim hat die Blitze eines Gewitters über ihrem Ort in Zeitlupe gefilmt. Beeindruckend!

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