Interview mit ESA-Experten - Meteor war wohl mehrere Meter groß
Ein Feuerschweif über Hessen hat am Sonntagabend für Aufregung gesorgt. Ein außergewöhnlich großer Meteor hatte die Erde getroffen und sogar ein Haus beschädigt. ESA-Experte Dr. Richard Moissl hat das Ereignis für uns eingeordnet.
Fast täglich treffen Gesteinsbrocken aus dem Weltall unsere Erde. Die meisten von ihnen sind nur ein paar Zentimeter groß und verglühen beim Eintritt in unsere Atmosphäre. Mit etwas Glück sehen wir diese dann als Sternschnuppen am Himmel und freuen uns.
Aber es gibt auch größere Objekte, die zu uns kommen: “Basketballgroße, also so zehn, zwanzig, dreißig Zentimeter, das passiert ein paar Mal im Jahr”, sagt Dr. Richard Moissl. Er ist Leiter des Büros für Asteroidenabwehr bei der europäischen Raumfahrtagentur ESA und beschäftigt sich täglich mit dem Beschuss aus dem All.
Das Objekt, das wir am Sonntagabend über Hessen gesehen haben, war aber noch einmal deutlich größer. Anhand der bisherigen Berichte und Daten schätzt Moissl den Durchmesser auf einen niedrigen einstelligen Meter-Bereich. “Das passiert höchstens einmal im Jahr weltweit oder alle zwei bis drei Jahre”, sagt Moissl.
Was passiert, wenn ein Meteor in die Atmosphäre eindringt?
Glücklicherweise kommt auch von so einem großen Brocken normalerweise nur kleine Bruchstücke auf der Erde an. Durch ihre hohe Geschwindigkeit wird die Luft vor dem Meteor so stark komprimiert, dass sie sich erhitzt und zu glühen beginnt. Das ist der Grund für die Leuchterscheinungen, die wir am Himmel beobachten konnten.
Dadurch entstehen starke Kräfte, die auch einen metergroßen Stein klein bekommen: “Da sind enorme Drücke, die auf das Objekt einwirken. Und die sind meistens so groß, dass es an irgendeinem Punkt dann wirklich zerbirst, also wirklich zermalmt wird”, erklärt Moissl. In den meisten Fällen passiere dies sehr abrupt - der Meteor explodiert förmlich in viele kleine Einzelteile.
Durch ihre hohe Geschwindigkeit können diese aber trotzdem Schäden anrichten. Im aktuellen Fall hat ein nur wenige Zentimeter großes Bruchstück ein Loch von der Größe eines Fußballs in das Dach eines Hauses in Koblenz geschlagen.
Aber auch die Explosion selber kann Schäden verursachen, wie zum Beispiel der Meteor von Tscheljabinsk im Jahr 2013, der in Russland erheblichen Schaden anrichtete, als er in 30 Kilometern Höhe explodierte.
Experte Dr. Moissl hat die Erscheinung über Hessen übrigens nicht selbst gesehen. Aber natürlich habe er von Kollegen und Freunden direkt jede Menge Bilder geschickt bekommen. Und die werden ihn im Büro für Asteroidenabwehr sicherlich beschäftigen. Vor allem auch die Frage, ob man das Objekt hätte kommen sehen können, “wenn man zur rechten Zeit in die rechte Gegend geguckt hätte.”
Meteor oder Meteorit? Was ist der Unterschied?
Wenn es um ‘Steine aus dem All’ geht, hat die Astronomie eine ganze Reihe von verschiedenen Bezeichnungen. Und die sind zum Verwechseln ähnlich. Solange die Brocken im All um die Sonne kreisen, nennt man sie Asteroiden. Kleinere Asteroiden heißen auch Meteoroid. Trifft das Objekt auf die Erdatmosphäre nennt man es Meteor. Und falls Bruchstücke auf der Erde landen, nennt man diese Meteorit (mit ‘t’ hinten und ohne das zweite ‘o’).