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> Demo in Marburg - 3000 protestieren gegen Stellenabbau
03.03.2026, 08:34 Uhr
Angst um Pharma-Standort -
3000 protestieren gegen Stellenabbau
© HIT RADIO FFH / Schmidt
Die Demonstranten gehen aus Protest gegen den Abbau von über 1.000 Arbeitsplätzen am Pharma-Standort auf die Straße.
Eine Stadt steht auf: In Marburg haben heute fast 3000 Menschen gegen Stellenabbau am Pharma-Standort protestiert.
Mittelhessens Chemie-Gewerkschaftschefin Anne Weinschenk rief zu Kämpfen auf. Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori bezeichnete es in Marburg als “schäbig”, bei vollen Auftragsbüchern Stellen zu streichen. Er kündigte an, um jeden Arbeitsplatz mitkämpfen zu wollen. Wichtig sei es, einen Strompreis und eine Senkung der Netzentgelte hinzubekommen.
Außerdem kündigte Mansoori Pläne für ein Wissenschaftszentrum in Marburg an. Es könnte in den Forschungscampus ziehen, den CSL Innovation aufgeben wird. Hier würden derzeit Gespräche geführt.
IGBCE-Gewerkschafterin Anne Weinschenk sagt: “Die Arbeitgeber haben hier innerhalb von acht Monaten über 1000 Arbeitsplätze vernichtet. Es reicht!"
FFH berichtete bereits über geplanten Stellenabbau am Marburger Pharmastandort.
FFH-Reporterin Anne Schmidt im Gespräch mit Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori
Automatisch erstellte Abschrift des Audios:
Vom Marburger Bergland bis an den Main. Immer hier bei uns vor Ort. Die FFH-Hessen-Reporter. Ich bin Anne Schmidt in Marburg an den Behring-Werken. Laute Trillerpfeifen. Damit wurde heute hier nicht Hessens Wirtschaftsminister KW Mansuri empfangen. Nein, er bekam Applaus. Tausende haben protestiert. Stellenabbau hier bei Biontech, Nexus, jetzt CSL Behring und das trotz voller Auftragsbücher. Der Wirtschaftsminister findet es einfach schäbig. Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz und da bin ich zuversichtlich, dass wir da eine Lösung hinbekommen. Nicht für jeden Arbeitsplatz, aber wir haben um jeden gekämpft. Was wichtig ist, dass wir unsere Hausaufgaben machen, um Standortbedingungen zu stärken. Senkung der Stromsteuer, Senkung der Netzentgelte. CSL Innovation will auch einen millionenteuren, fast neuen Forschungscampus schließen. Das Land bastelt an einem Ersatzplan. Wirtschaftsminister Mansuri. Das Ziel ist, dass wir eine öffentliche Forschungseinrichtung dort ansiedeln. Die Gespräche sind noch nicht ganz abgeschlossen. Deswegen kann ich noch kein finales Ergebnis verkünden, aber ich habe ein gutes Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind. Infos auch auf ffh.de und in der App. Alles, was hier bei uns in der Region passiert. Immer morgens und nachmittags um kurz vor halb bei FFH.
Wirtschafts-Booster wird zum Sorgenkind
Der Pharma-Standort Marburg auf dem Gelände der einstigen Behringwerke war jahrelang wirtschaftlicher Booster der Unistadt Marburg - jetzt wird er zum Sorgenkind. Laut Mittelhessens DGB-Geschäftsführer droht der “Verlust der industriellen Substanz einer ganzen Region.” Es gehe um Arbeitsplätze und Produktion, es gehe aber auch um einen wichtigen Forschungsstandort.
Kundgebung an Görzhausen 1
Deshalb ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zur Kundgebung auf, die am Mittwoch, 4. März, um 12.05 Uhr am Kreisverkehr an der Hauptzufahrt zum Betriebsteil „Görzhausen 1“ zwischen Landstraße 3092 und Michelbacher Straße stattfindet. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) organisiert diese als für die Mitarbeiter der ehemaligen Behringwerke zuständige Gewerkschaft.
Arbeitsplatzabbau in mehreren Firmen
Seit vergangenem Jahr gerät der Pharma-Standort Marburg immer weiter unter Druck. Zuletzt hat auch CSL Behring angekündigt, Stellen abzubauen. Bis zu 350 Arbeitsplätze stehen nach Gewerkschaftsangaben auf der Kippe, 10-15 Prozent der Arbeitsplätze in Marburg bei CSL Behring. Anne Weinschenk, die der IGBCE, der Chemiegewerkschaft in Mittelhessen vorsteht sagt auf FFH-Anfrage: “Ich verstehe das nicht, denn der Standort ist ausgelastet und erfolgreich.” Außerdem würden hier dringend benötigte Medikamente hergestellt.
FFH-Reporterin Anne Schmidt im Gespräch mit CSL-Behring-Mitarbeiter Tim Grün
Automatisch erstellte Abschrift des Audios:
Vom Marburger Bergland bis an den Main. Immer hier bei uns vor Ort. Die FFH Hessen Reporter. Ich bin Anne Schmidt in Marburg an den Behring-Werken. Ja, das sind Trillerpfeifen, Fahnen an die 3000 Beschäftigte von Pharma-Firmen. Wir haben hier heute gegen Stellenabbau protestiert. Das geht seit ein, zwei, drei Jahren so bei verschiedenen Firmen hier. Und jetzt will auch CSL Behring Stellen abbauen. Ich spreche mit Timo Grün. Er hat auch eine Fahne dabei. Und er arbeitet für CSL Behring. Ich bin 50 Jahre alt und ich bin hier Koordinationsmitarbeiter. Wie ist die Stimmung bei euch? Wie geht es Ihnen? Naja, die Stimmung ist schon bedrückt oder ängstlich. Keiner weiß so richtig, wie geht es jetzt nur aus für uns. Das heißt, Sie wissen nicht, wie lange Sie noch bei CSL Behring sein können? Richtig. Da gucken wir jetzt mal, was vielleicht Ende des Monats kommuniziert wird. Wenn das natürlich alles runterfährt, ist auch die Frage, was machen wir? Es hängt eins am anderen. Oh, und das macht einen eigentlich so wütend. Es geht Ihnen ja nicht schlecht. Nee, natürlich nicht. Es geht Ihnen ja nicht schlecht. Es ist ja so unberechenbar geworden in den letzten Jahren. Sorge um den Marburger Pharma-Standort. Die hessische Landesregierung will helfen, soweit es in ihrer Macht steht. Alles, was hier bei uns in der Region passiert. Immer morgens und nachmittags um kurz vor halb bei FFH.
Forschungscampus schon in Auflösung
In Auflösung befindet sich bereits CSL Innovation, also der Forschungscampus. 500 Arbeitsplätze gehen hier verloren. Betriebsrat Sascha Ludwig erzählt im FFH-Gespräche, das viele Kollegen auch im Rhein-Main-Gebiet nun auf Jobsuche seien. Der Standort Marburg biete nicht ausreichend Arbeitsmöglichkeiten für die zum Teil hochqualifizierten Fachkräfte. Auch die Pharma-Firmen Biontech und Nexelis bauen derzeit Pharma-Arbeitsplätze in Marburg ab.
Biontech streicht 315 Stellen in Marburg
Zudem schließt das kanadische Unternehmen Nexelis sein Werk in Marburg. Dort waren zuletzt 75 Mitarbeiter beschäftigt, die ebenfalls in diesem Jahr nach und nach entlassen werden sollen. Weitere etwa 315 Stellen werden im Marburger Biontech-Werk gestrichen, weil sich der durch den Covid-19-Impfstoff weltbekannt gewordene Konzern neu aufstellt.
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