Rund 30% nicht durchgeführt - Viele Lebensmittel-Kontrollen fallen aus
Bei der amtlichen Überwachung von Lebensmittelbetrieben in Deutschland gibt es nach Angaben der Verbraucherorganisation Foodwatch deutliche Defizite. Demnach wurde im vergangenen Jahr nur gut sieben von zehn der vorgeschriebenen Routinekontrollen tatsächlich durchgeführt.
Foodwatch teilte auf Basis einer eigenen Abfrage mit, dass 2025 nur 70,2 Prozent der vorgesehenen Routinekontrollen vorgenommen wurden. Geschäftsführer Chris Methmann sagte, das System der Lebensmittelüberwachung sei "am Limit".
Grundlage der Auswertung
Für die Auswertung hatte die Organisation bei den 398 zuständigen Kommunalbehörden die Zahl der vorgeschriebenen und der tatsächlich erfolgten Routinekontrollen abgefragt. Antworten kamen von 248 Ämtern, also gut der Hälfte der Behörden.
Hunderttausende Kontrollen hätten stattfinden sollen
Nach diesen Angaben hätten bei den antwortenden Behörden insgesamt 484.157 planmäßige Kontrollen stattfinden sollen. Tatsächlich vorgenommen wurden aber nur 339.668. Alle vorgesehenen Routinekontrollen konnten lediglich 13 Prozent der Behörden umsetzen, die an der Abfrage teilnahmen.
Foodwatch fordert Veröffentlichung aller Ergebnisse
Die Verbraucherorganisation fordert, zur Entlastung der Kontrolleure sämtliche Kontrollergebnisse öffentlich zu machen. Nach ihrer Ansicht würde dies den Druck auf Betriebe erhöhen, Hygienevorgaben und andere Vorschriften einzuhalten. Weniger Verstöße könnten dann auch dazu führen, dass die Behörden insgesamt weniger Aufwand bei Nachkontrollen hätten.
Weniger Routinekontrollen seit 2020
Zuständig für die Lebensmittelüberwachung sind die Bundesländer. Eine bundesweite Verordnung legt allerdings Mindestabstände für Kontrollen fest, die sich nach den jeweiligen Risikoklassen der Betriebe richten.Mit einer Neuregelung aus dem Jahr 2020 wurde festgelegt, dass Routinekontrollen seltener stattfinden müssen. Ziel war es, dadurch mehr Kapazitäten für anlassbezogene Kontrollen bei auffälligen oder problematischen Betrieben zu schaffen.
Kontrolleure sehen Personalproblem
Auch der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure sieht Schwierigkeiten. Dessen Vorsitzender Maik Maschke sagte, es könne und solle zwar nie hinter jedem Koch ein Kontrolleur stehen. Allerdings hätten sich die Befürchtungen aus dem Jahr 2020 bestätigt: Die Soll-Vorgaben seien zwar auf dem Papier angepasst worden, zusätzliches Personal sei aber nicht eingestellt worden.
Maschke machte deutlich, dass heute insgesamt weniger kontrolliert werde. Eine Verringerung der Kontrollen dürfe jedoch nur die Folge guter betrieblicher Leistungen sein - und nicht von der Finanzlage der öffentlichen Hand abhängen.