Wirtschaftsreise nach Indien - Hessen plant Fastlane für Fachkräfte
Wer als Fachkraft aus Indien nach Deutschland will, soll in Hessen künftig auf der Überholspur landen - mit einer echten Fastlane. Das verspricht Ministerpräsident Boris Rhein, der gerade persönlich in Indien für Hessen wirbt.
Zehntausende Inder arbeiten bereits in Hessen. Auf seiner fünftägigen Wirtschaftsreise hat Rhein in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi gleich zwei Minister getroffen: Handels- und Industrieminister Piyush Goyal sowie Jayant Chaudhary, den Minister für Kompetenzentwicklung und Unternehmertum. Begleitet wird der CDU-Politiker von einer großen Wirtschaftsdelegation unter Leitung von Staatsminister Manfred Pentz.
Freihandel als „Glücksfall" für Hessen
Das EU-Indien-Freihandelsabkommen bezeichnete Rhein als „Glücksfall" und als große Chance für Hessens Wirtschaft. „Das Freihandelsabkommen mit Indien ist sehr wichtig für unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit", sagte der Ministerpräsident. Das Abkommen soll Anfang 2027 in Kraft treten und Importzölle auf mehr als 90 Prozent der Waren senken.
Hessen: Drehscheibe und Powerhouse
Rhein warb in Neu-Delhi offensiv für den Wirtschaftsstandort: „Hessen ist die Drehscheibe in Europa für Verkehr, Daten und Finanzen." Schon jetzt fließen mehr als 50 Prozent aller indischen Investitionen in Deutschland nach Hessen. „Hessen ist das Powerhouse in Deutschland", betonte der Ministerpräsident.
Fastlane für Fachkräfte
Im Gespräch mit Minister Chaudhary brachte Rhein eine privilegierte Partnerschaft für die Fachkräftegewinnung ins Spiel. Chaudhary sieht Indien als globalen Anbieter für Fachkräfte - und Rhein knüpfte daran direkt an. „Wir werden genau daran arbeiten, dieses Projekt jetzt in Hessen umzusetzen mit einer wirklichen Fastlane für indische Fachkräfte nach Deutschland", sagte der Ministerpräsident.
Das plant Hessen
Konkret schlägt Hessen vor, die Verfahren zur Anerkennung indischer Berufsabschlüsse zu digitalisieren, zu standardisieren und zu zentralisieren. Indische Berufsqualifikationen sollen dabei prioritär und zentral bearbeitet werden - quasi immer an den Anfang der Warteschlange. Beide Seiten wollen nun gemeinsam an der Umsetzung arbeiten.
Sprache und Kultur: Lernen auf beiden Seiten
Rhein betonte, dass die Partnerschaft nicht nur bürokratische Wege verkürzen soll. Auch sprachliches und kulturelles Lernen soll Teil des Austauschs werden - und zwar in beide Richtungen. „Wir haben natürlich hier in Indien auch wirklich eine große Bereitschaft, genau diesen Weg zu gehen. Und das sollten wir dringend nutzen", so der Ministerpräsident.
Riesling für Indien: Chance für hessische Winzer
Besondere Möglichkeiten sieht Rhein für die hessische Weinwirtschaft. Indien erhebt derzeit einen Zoll von 150 Prozent auf Wein - durch das Freihandelsabkommen soll dieser für Premiumweine auf 20 Prozent sinken. „Für unsere hessischen Winzerinnen und Winzer eröffnet sich damit ein interessanter neuer Absatzmarkt. Gerade beim Riesling sehe ich erhebliches Potenzial, um den Export nach Indien auszubauen", so Rhein.
„Türen öffnen" - Weiter geht's nach Mumbai
Staatsminister Pentz, der die Delegation leitet, betonte die strategische Bedeutung der Reise: „Indien ist einer der Wachstumsmärkte. Die Politik kann auf dieser Reise Türen öffnen. Hindurchgehen müssen die Investoren und Unternehmen dann selbst." Nach den Terminen in Neu-Delhi reist die Delegation weiter in das indische Finanzzentrum Mumbai.