Jeder zweite Azubi psychisch belastet - DGB-Report 2026
Psychische Belastung - Jeder zweite Azubi leidet
Stress, Geldsorgen, Frust - der Ausbildungsalltag vieler junger Menschen in Deutschland ist alles andere als einfach. Eine neue Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zeigt: Jeder zweite Azubi fühlt sich psychisch belastet.
Grundlage ist der DGB-Ausbildungsreport 2026, für den 13.227 Auszubildende aus 25 besonders häufigen Ausbildungsberufen innerhalb von zwölf Monaten bis Mai 2026 befragt wurden. Der Schwerpunkt der diesjährigen Erhebung liegt auf der mentalen Gesundheit der Auszubildenden.
Druck von allen Seiten
Als häufigste Ursachen für die psychische Belastung nennen die Befragten Leistungs-, Zeit- und Verantwortungsdruck sowie Personalmangel im Ausbildungsbetrieb. Jeweils rund ein Fünftel der Befragten gibt einen dieser Faktoren an.
Geld reicht oft nicht zum Leben
Auch private Sorgen spielen eine große Rolle: Fast die Hälfte der Befragten (49,9 Prozent) gibt an, die eigene finanzielle Situation belaste sie, 35 Prozent nennen ihre Wohnsituation. 65,3 Prozent sagen, sie könnten von ihrer Vergütung weniger gut oder gar nicht selbstständig leben. Fast ein Drittel bekommt Geld von den Eltern, etwa jeder Achte hat neben der Ausbildung noch einen Nebenjob.
Zufriedenheit auf Rekordtief
Neben der mentalen Gesundheit fragt der Ausbildungsreport regelmäßig nach der Zufriedenheit mit der Lehrstelle - und die Werte sind laut DGB eingebrochen. Nur noch 65,7 Prozent der Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Das ist ein Minus von 5,9 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste Wert, den der Ausbildungsreport je gemessen hat.
Kein Ausbilder, keine Unterstützung
8,9 Prozent der Auszubildenden haben keinen für sie zuständigen Ausbilder. Weitere 11,6 Prozent geben an, ihr Ausbilder sei selten oder nie für sie da.
Überstunden und ausbildungsfremde Aufgaben
Hinter den sinkenden Zufriedenheitswerten sieht der DGB Mängel in der Ausbildungsqualität. 35,4 Prozent der Auszubildenden müssen regelmäßig Überstunden machen - 3,1 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 16,3 Prozent müssen nach eigenen Angaben immer oder häufig Aufgaben erledigen, die nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben - ein neuer Höchststand, 1,6 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor.
Notlösung statt Wunschberuf
Etwa ein Fünftel der Azubis lernt einen Beruf, der eigentlich nicht geplant war. 8,4 Prozent bezeichnen ihren Lehrberuf sogar als „Notlösung" - bei jungen Frauen sind es 9,2 Prozent. Die Folge: Nur 29 Prozent dieser Gruppe sind mit ihrer Ausbildung zufrieden, gegenüber 78,6 Prozent bei denen, die ihren Wunschberuf erlernen. Der DGB warnt: Gerade hier sei die Gefahr eines Ausbildungsabbruchs besonders groß.
Diese Berufe schneiden besonders gut ab …
Am zufriedensten äußern sich Azubis in der Versicherungsbranche sowie Industriemechaniker, Verwaltungsfachangestellte, Mechatroniker und Elektroniker für Betriebstechnik.
… und diese besonders schlecht
Die geringste Zufriedenheit zeigen Auszubildende bei Friseuren, Malern, Tischlern, Automobilkaufleuten und Hotelfachleuten.