Reggae-Künstler Gentleman bei Silvia am Sonntag
Gentleman bei Silvia am Sonntag - "Ich hatte ein Problem mit Autoritäten"
Er gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Reggae-Künstler und hat sich seinen Künstlernamen einst in Jamaika verdient, weil ihn dort die Menschen als sehr respektvoll und freundlich wahrgenommen haben. „Bei uns zu Hause im Pfarrhaus wurde Freundlichkeit immer großgeschrieben.“
Gentleman am Sonntag ab 10 bei ‘Silvia am Sonntag’.
Gentleman, bürgerlich Tillmann Otto, ist in einem evangelischen Pastorenhaushalt in Köln groß geworden. „Es war immer ein reger Austausch, es gab immer Besuch, es war sehr lebendig.“ Aber irgendwann wurde es ihm zu eng. „Ich musste natürlich rebellieren, so wie jedes Kind gegen seine Eltern rebellieren muss.“
Rebellion und Schulverweis
Zweimal flog er von der Schule: „Ich hatte ein Problem mit Autoritäten. Ich glaube, ich war gar nicht so der Dümmste, ich hatte einfach komplett andere Interessen. Ich war immer in irgendein Mädchen verliebt, was mich komplett aus der Bahn gebracht hat, sodass ich mich einfach null auf den Unterricht konzentrieren konnte.“
Besonders ist ihm noch eine Lehrerkonferenz in Erinnerung, bei der über seinen Schulverweis abgestimmt wurde, und sein Vater, damals Religionslehrer, war dabei. „Das tut mir heute noch leid, das war wirklich eine schwere Situation für ihn.“
Die Entdeckung der Reggae-Musik
Reggae-Musik entdeckte er durch die Plattensammlung seines Bruders und seiner Mutter: „Ich war immer so ein hyperaktives Kind, und die Musik hat mich runtergebracht, im positiven Sinne.“
Die erste Reise nach Jamaika
Mit 18 Jahren flog er zum ersten Mal nach Jamaika. „Ich wollte wissen, wo die Musik herkommt, die ich so liebe.“ Eine Reise, die seine Sicht auf Musik komplett veränderte. „Musik ist viel mehr als nur Entertainment, sondern wirklich eine Lebenseinstellung. Und was Spirituelles.“
Und auch, nachdem er heute wirklich viel von der Welt gesehen hat, bleibt Jamaika unvergleichlich. „Jamaika hat etwas ganz, ganz Eigenes, was man gar nicht beschreiben kann.“
Musik als verbindende Kraft
Musik ist für Gentleman „ein wunderschönes Mittel, die Leute zusammenzubringen (…) Also Musik hat einfach die Kraft, die Welt besser zu machen und die Leute zusammenzubringen.“
Eine besondere Freundschaft: Michael Patrick Kelly
Ein wunderbares Zusammentreffen war für ihn die Begegnung mit Michael Patrick Kelly beim Tauschkonzert. „Bei uns hat es gefunkt. Wir haben uns gesehen und haben uns direkt über Gott und die Welt unterhalten bis morgens um fünf. Es war irgendwie sofort so eine Energie da.“
Und das hörte mit der Sendung nicht auf: „Das ist eine Lebensfreundschaft.“
Das neue Album „Gratitude“ – Dankbarkeit und Vergänglichkeit
Sein neues Album heißt „Gratitude“, auf Deutsch Dankbarkeit, und genau das empfindet der zweifache Vater im Moment mit Blick auf die eigene Vergänglichkeit.
„Wenn man sich diese Vergänglichkeit bewusst macht und dir klar wird, dass jeder Moment eigentlich unwiederholbar ist, dann kannst du mit einer ganz anderen Dankbarkeit durchs Leben gehen.“
Ehrlichkeit statt Rollenspiel im Musikbusiness
Wie kann man im harten Musikbusiness mit einer so sensiblen, freundlichen Haltung überleben? Darauf hat Gentleman eine klare Antwort: „Ich glaube, du kannst eine Rolle übernehmen und eine Rolle spielen, aber das funktioniert vielleicht eine Zeit lang, aber nicht lange. Alle Künstler und alle Künstlerinnen, die ich kenne, die wirklich schon lange im Game drin sind, die sind einfach auch sehr ehrlich und machen die Sachen, die sie fühlen.“
Köln – seine Heimat
Auch wenn Jamaika immer ein wichtiger Ort in seinem Leben bleiben wird, ist Köln sein Fixpunkt, wo er mit seiner Familie lebt. „Köln ist meine Heimat. Ich werde Köln nie verlassen.“
Gentleman live erleben: Infos und Tickets gibt's hier.