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Angriffe und Sanktionen stellen Iran-Abkommen auf die Probe

Die Lage im Überblick - Angriffe und Sanktionen stellen Iran-Abkommen auf die Probe

Krieg in Nahost
© Bernat Armangue/AP/dpa

Die USA greifen erneut Ziele im Iran an. (Archivbild)

Washington macht Teheran für erneute Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus verantwortlich - und kontert mit Sanktionen und neuen Angriffen. Teherans Antwort lässt nicht lange auf sich warten.

Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran wird erneut auf eine harte Probe gestellt: In Reaktion auf Attacken gegen Tanker in der Straße von Hormus hat das US-Militär Dutzende Ziele im Iran angegriffen. Zudem setzen die USA Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Irans Militär kündigte Medienberichten zufolge eine Reaktion auf die US-Angriffe an. Kurz darauf meldete die Armee des mit Washington verbündeten Golfstaats Kuwait feindlichen Beschuss. Auch in Bahrain heulten am frühen Morgen wiederholt die Sirenen.

Das US-Militär bombardierte nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran, unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus. Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Meerenge sowie auf der Insel Gheschm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gab es Berichte über Explosionen. Nach Angaben des regierungstreuen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt.

Irans Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht der Islamischen Republik, teilten daraufhin nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna mit, ihrerseits 85 Ziele in US-Militäreinrichtungen attackiert zu haben, darunter im Bereich der fünften US-Flotte vor Bahrain sowie auf dem Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem in Kuwait. Auch eine feindliche Drohne habe man abgeschossen. 

Bahrain und Kuwait waren wie auch andere Golfstaaten schon mehrfach unter iranischen Beschuss geraten. Sie alle beherbergen US-Militärbasen, die sich nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt befinden.

Iran-Krieg - Beisetzung Chameneis
© Hadi Mizban/AP/dpa

Menschen im Iran trauern um Chamenei.

Angriffe während Irans Trauerfeiern für Chamenei 

US-Präsident Donald Trump habe den Plan für einen Schlag gegen den Iran während seiner Teilnahme am laufenden Nato-Gipfel in der Türkei genehmigt, berichtete der gut vernetzte Journalist Barak Ravid auf X unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten. Die erneute Eskalation erfolgte während der andauernden Trauerfeiern für Irans getötetes Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Heute sind Zeremonien im Nachbarland Irak geplant, ehe Chamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll.

Die Streitkräfte der Islamischen Republik hatten ihre Feinde kurz vor Beginn der Trauerfeierlichkeiten vor Angriffen gewarnt. "Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden", hieß es in einer Erklärung der iranischen Revolutionsgarden. Zudem hatte Teheran in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, nur eine vom Iran vorgegebene Route durch die Straße von Hormus sei sicher. Nun gerieten mehrere Tanker in der strategisch wichtigen Meerenge erneut unter Beschuss.

Iran-Krieg - Straße von Hormus
© Uncredited/AP/dpa

Die USA setzen Sanktionen auf iranisches Öl in Kraft. (Archivbild)

Iran pocht auf Kontrolle in der Straße von Hormus 

Ein US-Beamter bezeichnete die darauf erfolgten US-Angriffe gegenüber dem Sender CNN als "Bestrafung". Zudem setzten die USA zuvor gelockerte Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft, wie das US-Finanzministerium mitteilte. Als Folge zogen die Ölpreise wieder an. Trump hatte dem Iran zuletzt erneut gedroht und gesagt, es werde entweder ein Abkommen geben oder die USA würden "den Job zu Ende bringen".

Irans Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb am frühen Morgen auf X: "Die Ära der Schikane und Erpressung ist vorbei. Sie führt zu nichts. Wir lassen uns nicht unterkriegen." Irans Militär werde "unter keinen Umständen eine Einmischung" in die Angelegenheiten bezüglich der Straße von Hormus oder deren Verwaltung zulassen, zitierten die iranische Nachrichtenagentur Irna und Press TV das Hauptquartier Chatam al-Anbija.

Experte: US-Regierung muss sich entscheiden

Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, wenn für Washington der Abschluss eines dauerhaften Abkommens mit dem Iran Priorität habe, müsse Washington akzeptieren, dass es "keine realistische Rückkehr zu dem Status quo" vor Beginn des Krieges in der Straße von Hormus gebe. Die USA und Israel hatten den Krieg gegen den Iran am 28. Februar begonnen. Aus Irans Sicht hätten sich die Spielregeln seither geändert, schrieb Citrinowicz. 

Es sei unwahrscheinlich, dass der Iran seinen Kurs aufgrund von zusätzlichem Druck ändern wird, hieß es. Sollte für die US-Regierung hingegen die Wiederherstellung des früheren Status quo im Vordergrund stehen, müsse sie sich auch im Klaren sein, dass die Chancen auf ein Abkommen "erheblich sinken, während das Risiko einer erneuten Eskalation steigt." Die US-Regierung müsse sich entscheiden, welches Ziel für sie wichtiger sei, schrieb der Experte. 

Die gegenseitigen Angriffe stellten die bislang schwerwiegendste Eskalation dar, seit die USA und der Iran Mitte Juni ein Rahmenabkommen zur Wiederöffnung der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Meerenge und zur Beendigung des Krieges schlossen, schrieb das "Wall Street Journal". Die US-Angriffe seien vier oder fünf Mal heftiger als Attacken vor anderthalb Wochen, zitierte das US-Portal "Axios" einen US-Beamten. 

Experte rechnet nicht mit Neubeginn des Krieges

Nach Einschätzung von Thomas Juneau, Professor an der kanadischen Universität Ottawa, wollen jedoch sowohl der Iran als auch die USA derzeit eine Wiederaufnahme des Krieges vermeiden. Die Auflagen für die Waffenruhe seien äußerst vage, beide Seiten interpretierten sie offensichtlich unterschiedlich und seien nicht kompromissbereit, erklärte der Experte auf X. Ihre vielen Differenzen blieben ungelöst. Verstöße gegen die Waffenruhe seien daher unvermeidbar.

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