Aufruf von Verdi für Hessen - Nahverkehr-Warnstreik trifft Pendler
Gerade in Frankfurt müssen sich Pendler auf erhebliche Einschränkungen einstellen: Die Gewerkschaft ver.di ruft für heute in Hessen zu einem weiteren Warnstreik im Nahverkehr auf. Hintergrund ist ein heftiger Streit am Verhandlungstisch, den die Gewerkschaft als „Provokation“ bezeichnet.
Betroffen sind laut Verdi die VGF in Frankfurt, die Stadtwerke Gießen und die Marburger Verkehrsgesellschaft (MVG). Der Ausstand soll von Beginn der Frühschicht bis zum Betriebsende andauern.
So wirkt sich der Streik in Frankfurt aus
Bei den Straßenbahnen und U-Bahnen in Frankfurt werden die Räder stillstehen, wie der für Busse und Bahnen zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Jochen Koppel sagte. Die Fahrgäste in Frankfurt dürften die neuerlichen Arbeitsniederlegungen schmerzhaft treffen, erklärte die Nahverkehrsgesellschaft traffiQ. Gerade die U-Bahn sei das Rückgrat des städtischen Nahverkehrsnetzes. Es sei damit zu rechnen, dass erneut alle neun U-Bahn-Linien und zehn Straßenbahnlinien von dem Warnstreik betroffen sind.
Immerhin könnten die Pendler auf folgende Verkehrsmittel ausweichen, die trotz des Warnstreiks verkehren sollen:
- die S-Bahn-Linien
- die Regionalzüge
- die städtischen Buslinien
- der Schienenersatzverkehr für die U2
- die regionalen Buslinien und Express-Busse
Im Busverkehr sei allerdings mit einer spürbar höheren Nachfrage zu rechnen, was auf einigen Linien zu Verspätungen führen könne.
Aber Störungen auf S-Bahn-Linien
Das Ausweichen auf die S-Bahnen war für viele Fahrgäste allerdings mit Verspätungen verbunden. Betriebsstörungen wurden für mehrere S-Bahn-Linien aufgrund von Bahnübergangs- sowie Weichenstörungen gemeldet. Auf den Linien S1 bis S4 sind diese laut RMV bereits wieder beendet, betroffen waren aber zunächst noch die Linien S5, S7, S8 und S9.
Geringere Auswirkungen in Marburg und Gießen
Auch im Busverkehr in Marburg in Gießen ist laut Gewerkschaft mit Auswirkungen zu rechnen, jedoch in geringerem Umfang, da in beiden mittelhessischen Städten unterschiedliche Tarifverträge für das Fahrpersonal gelten. Die Stadtwerke Gießen gehen deshalb davon aus, dass der Streikaufruf keine Auswirkungen auf den Linienbetrieb seiner Nahverkehrstochter MIT.BUS haben wird. Auch die Marburger Verkehrsgesellschaft mbH (MVG) rechnet nicht mit größeren streikbedingten Auswirkungen.
Überraschender Eklat bei Verhandlungen
Auslöser für den erneuten Streik ist den Angaben zufolge ein Vorstoß der Arbeitgeber kurz vor Ende der dritten Verhandlungsrunde. Sie sollen überraschend Kürzungen bei der Zulage zur Mitarbeitergewinnung und beim Krankengeld gefordert haben. Diese Themen standen laut Gewerkschaft ursprünglich gar nicht auf der Tagesordnung.
Gewerkschaft spricht von Attacke
Für Verdi-Verhandlungsführer Koppel kommt das einer „Attacke auf den Tarifvertrag“ gleich. Die Arbeitnehmer sollten massiv schlechter gestellt werden, heißt es von der Gewerkschaft. Koppel kündigte bereits an, dass dies wohl nicht der letzte Warnstreik gewesen sein soll, wenn die Arbeitgeber bei ihrer Haltung bleiben.
Streit um Rahmenbedingungen
Eigentlich geht es in der aktuellen Runde nicht um pauschale Lohnerhöhungen, sondern um bessere Arbeitsbedingungen. Verdi fordert unter anderem Schichtzulagen für den Fahrdienst und eine Ballungsraumzulage für alle Mitarbeiter. Zudem soll laut den Forderungen verhindert werden, dass Beschäftigte bei einer Beförderung finanziell schlechter dastehen. Bisher müssen sie oft ihre Erfahrungsstufe neu aufbauen, was trotz höherer Entgeltgruppe faktisch weniger Geld bedeuten kann.
Bereits mehrere Warnstreiks
Anfang Februar gab es bereits einen ganztägigen Warnstreik mit rund 5.200 aufgerufenen Beschäftigten in Frankfurt, Kassel, Wiesbaden, Gießen und Marburg und am 11. Februar fand ein Warnstreik bei der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) statt, der auch die RegioTram-Gesellschaft betraf.
Nächste Verhandlungsrunde am 25. Februar
Die ÖPNV-Verhandlungen werden von Verdi gleichzeitig in allen Bundesländern geführt. Es geht in Hessen nicht um die Gehälter der Beschäftigten, sondern um die Arbeitsbedingungen nach dem Manteltarifvertrag. Die nächste Verhandlungsrunde steht am 25. Februar an, dabei soll es schwerpunktmäßig um die Eingruppierung von Tätigkeiten gehen, wie Koppel sagte.
FFH bei WhatsApp:
News und Infos direkt auf euer Smartphone. Hier dem FFH-Channel folgen.